Leser-Rezension zu „Die Beschenkte” von Kristin Cashore
am 13.08.2010
Es gibt Menschen, deren Augen haben verschiedene Farben, diese Menschen nennt man Beschenkte. Beschenkt mit einer besonderen Gabe, sei es besonders gut schwimmen zu können, wunderbare Geschichten erzählen zu können oder besonders gut Kämpfen zu können. Katsa ist auch eine Beschenkte, aber ihre Gabe ist dunkler: Sie kann besonders gut töten und steht seit ihren sechsten Lebensjahr bei ihrem Onkel dem König als Auftragsmörderin in Diensten. Aber Katsa will mehr sein. Je älter sie wird umso klarer wird ihr, dass das, was ihr Onkel von ihr verlangt falsch und ungerecht ist. Sie beginnt sich erst heimlich und dann immer vehementer sich seinen Befehlen zu widersetzen. Eine große Hilfe ist ihr dabei Bo, der Sohn des Königs von Lienid, der sie mit seinem golden und seinem silbernen Auge gefangen nimmt, aber Katsa hat sich geschworen nie zu heiraten.
Katsa ist eine junge Frau, die sich als Kämpferin in einer Männerdomäne behaupten muss. Ihre Gabe macht sie den Männern überlegen aber dennoch ist etwas in ihn, dass nach einem ebenbürtigen Partner sucht. Jemand, dessen Fähigkeiten die ihren ergänzen, jemand an den sie sich binden kann ohne ihre Freiheit einzubüßen.
Dieser Wunsch, dieses Streben Katsas spiegelt den emotionalen Zustand vieler Frauen und Mädchen wieder. Einerseits müssen sie sich im täglichen Leben immer noch gegen die Männer behaupten und das doppelte leisten und die gleiche Annerkennung wie eine Mann zu erhalten, andererseits sucht die moderne (junge) Frau, nach einem Partner, der sie ergänzt und der ihr ebenbürtig ist ohne sie einzuschränken. Katsa findet diesen Mann in Bo. Bo ist durch seine Gabe ein echter Frauenversteher. Der sanfte Krieger, der in der Seele einer Frau lesen kann, der Traum fast jeder modernen Frau.
Ohne Kitschig oder zu emotional zu werden, wird in diesem Buch eine Abenteuergeschichte erzählt in der Art von Die schwarze Stadt. Alanna von Trebonds Abenteuer 01. von Tamora Pierce. Eine Junge Frau geht ihren Weg in einer Männergesellschaft und findet doch ihr Glück ohne sich verbiegen zu müssen.
Ich habe das Buch verschlungen und sehr genossen, vor allem weil ich auch als Teenager die Tamora Pierce Bücher um Alana von Trebond heiß und innig geliebt habe.

