Leser-Rezension zu „Die Beschenkte” von Kristin Cashore
am 3.02.2012
Das Buch wurde mir von einer Bekannten empfohlen und ausgeliehen, es ist eines ihrer Lieblingsbücher.
Der Roman teilt sich in drei Teile „Das Mädchen mit der Macht zu töten“, “Der König mit den zwei Gesichtern“ und „Die sich wandelte Welt“. Auf der ersten Seite des Romans befindet sich eine Übersichtskarte, mit der sich der Leser einen Überblick über die sieben Königsreiche verschaffen kann.
Die kurzen Kapitel haben keine eigenen Überschriften – die ersten Wörter eines Satzeinstiegs sind jeweils fett und größer gedruckt. Fr. Cashore schafft einen flüssigen und einfachen Stil, der für meinen Geschmack auch etwas anspruchsvoller sein könnte. Ich habe den Roman in kürzester Zeit durchgelesen.
Der Leser befindet sich unmittelbar im Geschehen, bei der Rettung eines entführten Königsvaters. Man erfährt bereits auf den ersten Seiten durch Rückblicke Informationen über Katsas Vergangenheit und erhält einen Überblick über die 7 Königreiche und deren Herrscher. Gerade am Anfang blätterte ich oft auf die Übersichtskarte, um die Orte und Könige zuordnen zu können.
Der erste Teil des Buches widmet sich der Entwicklung von Katsas Charakter – der durch den Kontakt mit Bo positiv beeinflusst wird. War sie zunächst unberechenbar, lernt sie, mit ihrer Kraft und Wut umzugehen. Im zweiten Teil begibt sich der Leser mit Katsa und Bo auf eine Reise nach Monsea die Hintergründe der Entführung von Bos Großvater aufzuklären. Im dritten und letzten Teil begleiten wir Katsa und Prizessin Bitterblue bei der Flucht.
Ich empfand es als positiv, dass der Leser nicht bis zum Ende des Romans warten muss, bis sich die zwei Hauptcharaktere näher kommen und auch, dass beide zu ihren Gefühlen stehen und es nicht erst zum Ende des Romans zu einem Liebesgeständnis kommt.
Für meinen Geschmack wird Katsa allerdings zu burschikos dargestellt. Ich hätte mir im Laufe der Geschichte eine weiblichere Entwicklung gewünscht.
Hat die Autorin am Anfang eine gewisse Nähe zwischen Leser und Protagonisten geschaffen, verliert sich diese zum dritten Teil des Romans. Katsa vermittelt nur noch das Bild einer Maschine (programmiert zum Überleben) und Bo versinkt in Selbstmitleid.
Die Reise und die Flucht der Hauptakteure werden sehr ausführlich beschrieben. Wichtige und entscheidende Szenen leider nur in wenigen Sätzen/ auf wenigen Seiten abgehandelt.
Aus meiner Sicht hat die Autorin es nicht geschafft einen Spannungsbogen aufzubauen. Kaum hat der Leser eine Ahnung, welche Hintergründe bei der Entführung von Bos Großvater eine Rolle gespielt haben, bekommt er diese auch schon auf dem Silbertablett serviert (z.B. das Geheimnis des Königs aus Monsea).
Hatte ich nach dem ersten Teil noch einen super Eindruck über das Buch, wandelte sich dieser im Laufe des Romans leider immer mehr zum negativen. Im Schnitt bewerte ich das Buch mit der Schulnote 3+. Ich werde auch den zweiten Band „Die Flammende“, der zeitlich vor den Geschehnissen aus „Die Beschenkte“ liegt, ausleihen und hoffe, die Autorin hat ihr Potenzial bei der Fortsetzung voll ausgeschöpft.

