Normalerweise gehören traurige Romane gar nicht zu meinem Lesefutter, aber als ich im Buchladen dieses wunderschöne Cover entdeckt habe, konnte ich gar nicht anders als es zu kaufen.
Mit der Hoffnung, dass ich es nicht wegen schlechtem Inhalt wieder aus dem Bücherregal schmeißen muss, fing ich also an zu lesen. Anfangs hatte ich ziemlich Schwierigkeiten in das Buch reinzukommen, war sogar kurz davor es abzubrechen. Jetzt aber bin ich mehr als froh, dass ich durchhielt, denn zum Ende hin ist dies eins der schönsten, traurigsten und berührendsten Bücher die ich bisher lesen durfte.
Zum Inhalt: Nina und Meredith verlieren alles, als ihr geliebter Vater stirbt. Beide sind berufstätig und ständig beschäftigt, aber ihr Vater verstand es trotzdem die Familie zusammenzuhalten. Nun stehen sie allein da und haben nur noch ihre kalte und stets abweisende Mutter Anja. Vor seinem Tod hat ihr Vater seinen Töchtern das Versprechen abgenommen, die Mutter zu pflegen und sie endlich richtig kennenzulernen. Doch das ist leichter gesagt als getan und schon bald sind beide Schwestern kurz davor die Mutter aufzugeben.
Doch der Vater hat auch Anja ein Versprechen abgenommen, sie soll ihren Töchtern das Märchen erzählen, das Märchen, das Anja zu der Frau gemacht hat, die sie heute ist...
Wie gesagt war ich zuerst von dem Buch so gar nicht überzeugt. Die Schwestern Meredith und Nina sind zwei sehr unterschiedliche und ausgeprägte Charaktere, wobei ich mich mit beiden so gar nicht identifizieren konnte.
Mit Meredith war es für mich sehr schwierig, da man gleich am Anfang von ihren Eheproblemen mit ihrer Jugendliebe erfährt und sie während der gesamten Zeit total unterkühlt und grausam zu ihrem Mann ist. Sicher wird das Ganze versucht mit Stress und Überforderung zu erklären, aber Jeff tat mir mit seinen anfänglichen Bemühungen so leid, dass ist eine richtige Abneigung gegen Meredith aufgebaut habe.
Nina fand ich als Charakter viel interessanter, aber auch sie war für mich nur sehr schwer nachzuvollziehen. Ihr ganzes Leben lang reist sie durch arme Länder und schafft es nicht, sich mit dem Mann den sie liebt, aus ihrem Job zurückzuziehen und sich niederzulassen. Sie war mir durch ihr Verhalten zwar nicht so unsympathisch wie Meredith, aber so richtig überzeugt hat sie mich auch nicht.
Und schließlich bleibt natürlich noch die Mutter. Anja war für mich der interessanteste Charakter, da man als Leser eben wissen will, was sie zu so einer unterkühlten, abweisenden Frau gemacht hat. Trotzdem gab es auch da zu Anfang noch Stellen, wo man sie nur unsympathisch findet. Das Verhalten ihren Kindern gegenüber ist grausam und als Leser ist man davon überzeugt, dass sie dies mit nichts rechtfertigen kann.
Die ersten 250 Seiten war ich der Geschichte gegenüber also eher skeptisch eingestellt. Die Charaktere waren gut gezeichnet, aber mir allesamt nicht sympathisch und so habe ich mehrmals gedacht, ich sollte das Buch zur Seite legen und was anderes lesen.
Ich bin so froh, dass ich weitergelesen habe, denn nach diesen 250 Seiten beginnen die 3 Frauen sich anzunähern. Man kann richtig spüren wie sie sich langsam immer vertrauter werden und Anjas Geschichte sie alle gefangen nimmt.
Die letzten 250 Seiten wurden für mich zum absoluten Highlight, haben mich durch Spannung gefesselt und durch Traurigkeit berührt.
Mit dem Verlauf der Geschichte hätte ich niemals gerechnet. Ich weiß nicht genau, was ich überhaupt erwartet habe, und ich will an dieser Stelle auch auf gar keinen Fall etwas verraten, aber es wurden so viele schreckliche Themen angesprochen, als Anja endlich ihre Geschichte erzählt, dass ich am Schluss nur noch mitleiden konnte. Genau das war es, wonach ich mich auch zu Anfang des Buches gesehnt hatte: eine Figur, die einen so berührt, dass man richtig mitleidet und mit ihr fühlen kann.
Letztlich, bin ich auch weiterhin kein Fan von traurigen Romanen. Ich mag es einfach nicht über die Probleme anderer Menschen zu lesen, die mich dann nur selbst traurig machen.
Dieses Buch allerdings bleibt eine absolute Ausnahme für mich und wird einen schönen Platz im Bücherregal bekommen, denn obwohl es traurig ist und ich eigentlich erst ab der 2. Hälfte des Buches so richtig mit dem Lesen angefangen habe, hat es mich ganz tief berührt.
Ich kann nur empfehlen, das Buch selbst zu testen. Ohne vom Inhalt zu verraten, kann man schwer in Worte fassen, warum dieses Buch so traurig berührend war. Auch nach dem Lesen hält es mich irgendwie noch gefangen, denn ich muss immer wieder an einzelne Szenen zurückdenken und genau das ist es doch, was ein gutes Buch am Ende ausmacht.