Leser-Rezension zu „Das war ich nicht” von Kristof Magnusson
am 14.07.2010
Die Glücksritter
Es gibt wenige Autoren, die es schaffen mich beim Lesen nah an den Rand des Herzinfarktes zu bringen. Eigentlich fällt mir nur Ian McEwan ein, dessen Figuren ich durch die Seiten am liebsten zurufen möchte: Tu das nicht! Siehst du nicht wohin das führt? Nun habe ich einen weiteren Kandidaten entdeckt: Kristof Magnusson. Auch hier ließ mir das Entsetzen den Atem stocken, während ich den hochriskanten und ins Verderben führenden Transaktionen Jaspers zu folgen versuchte. Gleichzeitig kamen meine Augen kaum meinem japsenden Verstand hinterher, der sich den Inhalt von “Das war ich nicht“ in großer Eile einverleiben wollte.
Maike hat sich von ihrem langjährigen Freund Arthur getrennt, ein altes Bauernhaus in der friesischen Heide gekauft und wartet nun auf ihren nächsten Verlagsauftrag. Das Manuskript für die Übersetzung des Jahrhundertromans “ihres” Schriftstellers Henry LaMarck. Als dieses nicht kommt und daher auch nicht der dringend benötigte Vorschuss des Verlages, macht sich Maike auf den Weg nach Chicago um Henry zu suchen und sich das Manuskript direkt bei ihm zu holen. In einer Kaffeebar trifft sie Jasper, dem sie aus Mangel an Bargeld erstmal seinen Kaffee klaut. Jasper, ein ebenso aufstrebender wie freundlicher Devisenhändler findet Maike trotzdem nett und lädt sie gleich auf einen weiteren Espresso ein. Was im Verlauf der Unterhaltung zu Henry LaMarck führt. Der wiederum gerade seine Schreibblockade zu überwinden versucht, indem er mit einem Foto aus dem Wall Street Journal, in das er sich spontan verliebt hat, auf die Suche nach dem abgebildeten Broker geht: Jasper!
Sehr geschickt webt Magnusson diese drei Geschichten zunächst nebeneinander her, bevor er sie im Verlauf der Handlung ineinander flicht. Erzählt wird jeweils aus der Ich-Perspektive, abwechselnd von Jasper, Maike und Henry. Das gibt der Geschichte zusätzliche Würze, denn gerade wenn man sich vor Spannung nicht mehr zu halten weiß, kann man sicher sein, das nun erst mal der nächste Erzähler dran ist. Das steigert das Lesetempo ungemein.
Vor allem Jaspers Schicksal hat mich besonders berührt. Aufgrund seines liebenswerten Charakters ist er an seinem Arbeitsplatz eigentlich völlig Fehl am Platz. Das zeigt sich, als er einem Kollegen hilft eine verunglückte Transaktion zu vertuschen und dabei auf seinen Spekulationen ausrutscht. In kürzester Zeit haben sich auf seinem schwarzen Konto siebenstellige Millionenverluste angehäuft. Wollten Sie schon immer wissen, wie das eigentlich funktioniert? Hier wird die Finanzkrise einfach, verständlich und sehr unterhaltsam erklärt.
Natürlich kann ich hier unmöglich den Schluss verraten. Nur soviel. Es gibt einige überraschende Wendungen, Stellen an denen man vor innerer Anspannung entweder laut aufschreien oder loslachen möchte. Beides habe ich beim Lesen auf dem Crosstrainer in meinem Fitnessstudio getan. Wer mich überrascht ansah, bekam eine Buchempfehlung. Die ich hiermit weitergebe.

