Rezension verfasst vor 1 Jahr
(9)
Jasper Lüdemann, Meike Urbanski und Henry LaMarck wollen ihre Leben nahezu gleichzeitig in eine neue Richtung drehen. Was sie nicht ahnen ist, dass sie dabei nicht nur gehörig durcheinander geraten, sondern sich dabei selbst noch ordentlich in die Quere kommen.
Es beginnt mit Jasper Lüdemann, dem deutschen Banker in Chicago, der nach dem Rauswurf eines Kollegen die große Karriere kommen sieht. Sein ganzes Leben dreht sich ohnehin nur um Schlafen oder Arbeiten und daraus schließt er, er sei nun derjenige, dem der große Wurf gelingen wird. Vorher gilt es nur noch, einen 12.000-Dollar-Fehler eines Mitarbeiters auszubügeln. Das wird schon gut gehen, denn Jasper hat gerade eine interne Schulung mit dem Buchungssystem absolviert und macht sich an die Arbeit. Henry LaMarck ist Starautor und sein amerikanischer Verlag gönnt dem preisgekrönten Bestseller-Autoren eine Überraschungsparty. Woraufhin der Autor sich aus dem Staub macht, ohne das seit langem eingeforderte Manuskript abgeliefert zu haben. An dem er ohnehin noch kein Wort geschrieben hat und das ihm nach seiner Flucht ohnehin unmöglich erscheint. Das Verschwinden ruft Meike Urbanski auf den Plan. Die hat ihr Leben in behüteter Idylle gegen eine kleine Hütte auf dem Land eingetauscht und braucht nun recht dringend Geld. Das bekäme sie, sobald LaMarcks Manuskript vorliegen würde und sie mit Übersetzen anfangen könnte. Doch da weder LaMarck noch das Manuskript aufzufinden sind, macht sich Urbanski auf den Weg nach Chicago, um ihn endlich zum Schreiben zu bewegen.
In Chicago läuft es in den kommenden Tagen für keinen der Drei nach Plan. Ihre schön geschmiedeten Pläne lösen sich in Rauch auf. Lüdemanns Schwachstellen im Rettungsplan bringen ihn zur Verzweiflung und er ernährt sich fast nur noch von Kaffee und Schokoriegeln, so nervös wird er. Urbanski wird klar, dass sie LaMarck eigentlich nur durch einen Zufall finden kann und dass die Suche teurer wird als geplant. Und LaMarck stellt eitel fest, dass er eigentlich ganz gerne gefunden werden möchte und er sehnt sich danach zu erfahren, wieviele Sorgen sich der Verlag um einen unverzichtbaren Autoren wie ihn macht.
Dieses Kuddelmuddel wird reihum abwechselnd aus den drei Perspektiven dieser Personen erzählt. Ich habe mich immer wieder gefragt, wo der gesunde Menschenverstand geblieben ist. Den verliert hin und wieder ein Protagonist in der Belletristik; in diesem Buch verlieren ihn alle drei - und da ihre Wege eng zusammen hängen, vervielfachen sich die Wirrnisse. Anfangs störten mich die kopflosen Aktionen, so zum Beispiel Lüdemanns hirnrissige 12.000-Dollar-Rettungsaktion. Erst, als mir klar war, dass sich eine Komödie zusammenbraut statt eines Finanzmarktdramas, passten diese "Bravourstücke" ins Konzept.
Die gesamte Handlung passt in sehr wenig Tage und der Wechsel zwischen Lüdemann, Urbanski und LaMarck macht die Geschichte rasant und witzig. Für mich hat sich der Gesamteindruck im Verlauf der Geschichte spürbar gedreht, sodass ich eine kurzweilige Lektüre genießen konnte.
0 Kommentare