Leser-Rezension zu „Zuhause” von Kristof Magnusson
am 21.05.2007
Auf dieses wirklich geniale Buch stieß ich durch eine Rezension auf 1Live, was jedoch niemanden abschrecken sollte. Kristof Magnusson (von dem ich vorher noch nie was gehört habe) beschreibt in diesem Buch (autobiografisch?) mit wunderbar lockerem Schreibstil eine absolut haarsträubende, obwohl gleichsam lebensnahe Geschichte, die den Leser fesselt und die ganze Bandbreite von Gefühlen durchleben lässt. Auch wenn das Buch handlungstechnisch in der ersten Hälfte einfach so dahin plätschert, ist es ein wahres Vergnügen, es zu verschlingen. Das liegt vor allem an Magnussons grandiosem Gefühl für Situationskomik, seiner Beochbachtungsgabe und seinem hohen Menschenverständnis. Wenn Magnusson beschreibt, wie sein Romanheld Larus im Dunkeln in Lasagne tritt und dabei genaustens das Gefühl verdeutlicht, muss man laut Lachen. Es sind viele kleine Details in "Zuhause", die so skurril und gleichzeitig nicht unrealistisch geschrieben sind: z.B. wie Larus im völliger Umnebelung besoffen mit der Wange an einem neon-beleuchteten Kühlschrank runtergleitet und dabei Himmelsfantasien erspinnt oder die Beschreibung der mürrischen slowakischen Vulkanologin Jaroslawa (alleine diese Person ist schon zu geil ^^), die Salatblätter auf ihre Stullen "patscht, als wolle sie sie für etwas bestrafen". <BR>Die zweite Hälfte des Buches driftet etwas in die Krimirichtung ab, was die Spannung bis auf das Extremste steigert (spannender als alle Krimis der Wallander-Reihe zusammen, obwohl ich auch Henning Mankell sehr mag), aber dennoch überwiegt das komische und sentimentale der Geschichte. <BR>Magnusson beschreibt durch Larus Gefühlswert eine ganze (verlorene) Generation, die nicht wirklich weiß, was sie will und zwischen Impulsivität und Gleichgültigkeit hin und her pendelt. Des weiteren gibt Magnusson Einblick in die isländische Gesellschaft und Kultur, so dass auch einfach nur Islandfans durch dieses Buch auf ihre Kosten kommen.

