Rezension zu "Das Tal. Die Katastrophe" von Krystyna Kuhn

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Vor 2 Jahren

(8)

Adrenalingetränkte Kletterpartie im Mysterykleid

Im zweiten Teil der College-Mystery-Serie schickt Krystyna Kuhn ihre Protagonisten 3000m in die Höhe und lässt sie den Ghost besteigen, jenen schier unbezwingbaren Berg, der das Tal samt College von der nächsten Stadt trennt. Die neue Episode konzentriert sich diesmal auf die Halbkoreanerin/Halbamerikanerin Katie West. Ebenfalls dem gängigen Grace College Jugendlichen entsprechend hat auch sie ihre Dämonen aus der Vergangenheit im Gepäck. Ihr Spleen ist es, “Out of body” Erfahrungen durch Adrenalinkicks zu gewinnen, sei es Freiklettern, Brückenspringen und solcherlei. In bester Watzmann-Manier will sie also rauf auf den Berg, nimmt gleich eine Partie an illustren Kommilitonen mit, die vor allem den in den 70er Jahren unter mysteriös en Umständen verschwundenen Studenten auf die Spur kommen wolle. Weder Klettermaxine noch der Rest ahnen, wie sehr diese Tour de Force ihnen an die Nieren und — schlimmer — an die Gruppendynamik gehen wird.

Nachdem die Autorin mit dem ersten Band “Das Spiel” Regeln, Mysterien und Charaktere eingeführt hat, kann sie sich nun in dem bekannten Setting ordentlich austoben und wirklich eine Momentaufnahme abseits des groben Rahmens in bester Serienmanier inszenieren. Tatsächlich ist “Die Katastrophe” der Spannungsbogen weit gefeilter und auch die Charakterisierung viel detailreicher. Bekannte Gesichter verstärken den Eindruck, den sie im “Spiel” gegeben haben, neue Charaktere haben ebenfalls ihr ganz eigenes Gesicht. Die Mysterien und “MacGuffins”, die im ersten Teil noch sehr prominent waren, hat man entsprechend zurückgeschraubt und auf ein notwendiges, übersichtliches und vor allem motivierendes Minimum reduziert. Die Gruppe, die vor über 30 Jahren in den Bergen war taucht zwar immer wieder auf, bildet aber nur das Gerüst. Im Vordergrund stehen eindeutig die Studenten von heute und vor allem Katie West.

Leider hatte ich gerade bei dieser das Gefühl, dass sie Julia Frost aus dem Vorgänger im inneren Monolog zu sehr ähnelt und da kaum Unterschiede sind. Dafür war mir gerade Julia übel unbekannt und kaum wiederzuerkennen. Was Beziehungen nicht alles ausmachen können. Natürlich kann das auch an der Darbietung von Franziska Pigulla liegen, allerdings kann ich mir das bei der perfekten Nuancierung nicht vorstellen. Ganz klar: Es gäbe keine bessere Stimme für diesen Mystery-Spaß als Ex-Special Agent Scully. Diese versteht es auch, die zahlreichen Actionpassagen entsprechend aufreibend und mitreißend zu erzählen.

Nichtsdestotrotz hat mich spätestens jetzt (und das ist so gesehen eigentlich schon recht früh) das Serienkonzept von Verlag und Autorin vollends überzeugt. Die Idee geht auf, man bekommt eigenständige, charakterzentrische Handlungen und darf sich auf kleine Leckerbissen für die große, umfassende Rahmenhandlung freuen, die hoffentlich am Staffelende entsprechend abgeschlossen wird. Ich freue mich schon, wenn Außenseiter und Exzentriker wie Benjamin Fox ins Zentrum gestellt werden, oder wenn Julias Bruder Robert endlich seinen großen Auftritt hat. Bis dahin rätsel ich gerne vor mich hin, was es mit den ganzen Andeutungen auf sich hat, und gratuliere der Autorin zum gelungenen Cliffhanger. Die Spannung ist geschürt, November und “der Sturm” können kommen!

Autor: Krystyna Kuhn
Buch: Das Tal. Die Katastrophe
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