Während meiner Krankheit, bei der ich zwei Wochen ans Bett gebunden war, verschlang ich innerhalb von 8 Tagen - in denen ich dann nicht mehr nur schlief - sage und schreibe 12 Bücher. Lesen ist schon im gesunden Zustand bei mir die einzige Art, bei der ich richtig entspannen kann. Ich beame mich als Beobachter in die Welt meiner Romanfiguren und tauche danach ruhig und entspannt wieder in der Realität auf.
Allerdings war das allesamt wirklich leichte Kost. Nachdem ich mit den Vampirromanen der amerikanischen Autorin J. R. Ward durch war, wollte ich mich von dem Genre noch nicht so recht trennen. Da kam mir das Erscheinen des 8. Teiles der Serie um die Animatorin und Vampirjägerin Anita Blake von Laurell K. Hamilton in deutscher Übersetzung - "Ruf des Blutes" - doch gerade recht.
Laurell K. Hamilton wurde 1963 in Arkansas geboren und wuchs, nachdem ihre Mutter bei einem Autounfall starb, als sie erst 6 war, bei ihrer Großmutter in Indiana auf. Sie ist heute verheiratet und lebt mit Mann und Tochter in St. Louis.
Mit ihren Anita Blake Romanen feierte sie ihre ersten Erfolge. Bislang sind aus dieser in deutscher Übersetzung in folgender Reihenfolge erschienen:
1. Bittersüsse Tode
2. Blutroter Mond
3. Zirkus der Verdammten
4. Gierige Schatten
5. Bleiche Stille
6. Tanz der Toten
7. Dunkle Glut
8. Ruf des Blutes
Weitere noch nicht ins deutsche übersetzte Bände werden hoffentlich folgen. Auf Wikipedia sind die in Originalsprache erschienenen Bände aufgelistet - 16 sind das mittlerweile. Die offizielle Website der Autorin lautet laurellkhamilton.org.
Eine weitere Roman-Reihe von Laurell K. Hamilton handelt von der magischen Elfen-Prinzessin Meredith. Die ersten beiden Teile davon - in deutscher Übersetzung - gehörten auch zu meiner Bettlektüre. Ich hatte sie ebenfalls schnell durchgelesen, aber Anita Blake ist mir lieber.
Anita Blake lebt in St. Louis und arbeitet als Animatorin bei Animators Inc. Im Zuge ihrer Arbeit erweckt sie Tote, um z. B. ungeklärte Erbschaftsahngelegenheiten zu regeln oder Zeugenaussagen einzuholen und bettet die Zombies dann auch wieder ordnungsgemäß zur Ruhe. Ihr Chef Bert hat sie auch noch als Spezialistin für Übernatürliches an die Polizei vermittelt - was er, da dies viel mehr Zeit als gedacht in Anspruch nimmt, wohl zwischenzeitlich doch bereut. Bei der Polizei wird sie zu Verbrechen, die mit Vampiren zu tun haben, hinzugezogen. Sollte sich ein Vampir eines Verbrechens schuldig gemacht haben, jagt sie diesen und vernichtet ihn in ihrer Position als Vampirhenker. Daher ist sie unter den Vampiren auch als "der Scharfrichter" bekannt.
Nach einer Romanze mit dem Alpha-Werwolf Richard - bei dem sie sein Tier nicht wirklich akzeptieren konnte, ist sie nun mit dem Meistervampir Jean-Claude zusammen. Trotz der Eifersucht der beiden Männer, haben sie ein Triumvirat gebildet, welches die magischen Kräfte aller drei gestärkt hat. Anita ist inzwischen nicht mehr nur "einfache" Animatorin, sie ist Totenbeschwörerin und trotz ihrer noch immer vorhandenen Menschlichkeit sehr, sehr mächtig. Das führte dazu, dass sie noch immer Lupa der Lukoi - des Werwolfrudels um Richard - und Nimir-Ra (Anführer- und Beschützerin) der Werleoparden von St. Louis ist.
Richard ist nach der Trennung von Anita, zum einen um Abstand von ihr zu gewinnen, zum anderen um eine Weiterbildung für seinen Beruf als Biologielehrer zu machen, nach Tennessee gegangen. Nach seinen Prüfungen dort, wird er von der Polizei wegen einer angeblichen Vergewaltigung verhaftet. Richard will, weil er unschuldig ist, nicht mal die Hilfe eines Anwaltes in Anspruch nehmen.
Sein Bruder Daniel bitte Anita um Hilfe. Es sind nur noch 5 Tage bis zum Vollmond und selbst ein so starker Werwolf wie Richard kann sich der Verwandlung nicht entziehen. Doch vor der Menschenwelt hat Richard - obwohl Lykantrophie als Krankheit gilt und nicht geahndet werden darf - sein Tier verschwiegen - er fürchtet (zu Recht) Diskriminierung und den Verlust seiner Arbeit. So muss er schleunigst aus dem Gefängnis raus.
Anita, die noch immer starke Gefühle für Richard hegt, macht sich sofort auf den Weg nach Tennessee, natürlich nicht ohne sich vorher schon mit dem dortigen Meistervampir anzulegen. Dieser fürchtet das starke Triumvirat und verbot Jean-Claude und Anita kurzerhand das Betreten seines Gebietes...
Es ist ja schon eine Weile her, dass ich den nun vorletzten Teil in deutscher Übersetzung gelesen hatte. Trotzdem kam ich bei "Ruf des Blutes" sofort wieder rein und freute mich erst einmal, dass sich die Schnodderschnauze und der sarkastische Humor von Anita Blake, bei dem sie sich oft genug selbst auf die Schippe nimmt, so überhaupt nicht verändert haben. Außerdem - die Vampire-Lady wird gleich wieder ihr Schild für Jean-Claude hochhalten - kam diesmal auch endlich wieder einmal der mir überaus sympathische Richard ins Spiel.
Allerdings kam ich auch gleich am Anfang ein bisschen ins Grübeln. Also entweder waren in den anderen Büchern die Mitglieder aus Richards menschlicher Familie für mich als Figuren so uninteressant, dass ich sie sofort wieder aus dem Gehirn pustete oder sie werden tatsächlich erstmals in diesem Band erwähnt. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern jemals schon mal was von ihnen gelesen zu haben - und habe jetzt natürlich auch keine Lust mir die anderen Bücher noch mal vorzunehmen, um nach der Nadel im Heuhaufen zu suchen. Also, an alle, die auch schon die vorherigen Teile gelesen haben: Hattet ihr Daniel, Charlotte und die anderen Zeemans vorher schon registriert?
Auch "Ruf des Blutes" ist wieder aus der Sicht von Anita in der Ich-Form geschrieben. Auch wenn sie sich diesmal wieder nicht im heimischen St. Louis aufhält, stolpert sie von einem Kampf in den nächsten. Und wieder werden neue Kräfte in ihr geweckt, für die sie nicht mal das Triumvirat benötigt. Sexuelle Begierden spielen übrigens auch in diesem Teil wieder eine nicht unwesentliche Rolle. Und die Grenzen zwischen Anitas Menschlichkeit und den Monstern verwischen immer mehr, obwohl Anita ständig bemüht ist, trotzdem Mensch zu bleiben.
Mit einer fast durchgängig gehaltenen Spannung hatte ich das Buch natürlich auch wieder viel zu schnell ausgelesen. Da ich weiß, dass es im Original noch mindestens genau so viele Bücher gibt, wie bereits in deutscher Übersetzung, bleibe ich etwas unbefriedigt zurück und hoffe, dass der nächste übersetzte Teil nicht allzu lange auf sich warten lässt.
Für die gute Unterhaltung vergebe ich für dieses Buch wieder einmal die Höchstpunktzahl. Allerdings solltet ihr diese Geschichte nicht ohne das Vorwissen der ersten Bände lesen, in denen die Grundzüge der Vampirwelt von Laurell K. Hamilton noch erklärt werden. Aber die habe ich Euch ja oben schon ordnungsgemäß aufgelistet.