Inhalt:
Andalusien, 1478. Die junge Maurin Zahra, Tochter einer wohlhabenden Adelsfamilie, ist Hofdame und Vertraute der Sultanin Aischa. Da Aischas Ehemann, der Emir Hassan, ihr das Verlassen des Comaresturms in der Alhambra nicht gestattet, beauftragt sie Zahra, für sie am Hof zu spionieren und sie so mit Neuigkeiten bezüglich der politischen Geschehnisse zu versorgen. Auf diese Art dringen besorgniserregende Nachrichten zu ihnen: die Mauren wollen sich fortan weigern, ihre Tributzahlungen an ihre christlichen Lehnsherren zu entrichten. Dies kann nur eines bedeuten: die friedlichen Zeiten sind fortan vorbei und ein Krieg zwischen Mauren und Christen naht. Aischa, die schon lange beeindruckt ist von Zahras Ungestüm und ihrem Mut, betraut sie immer wieder mit riskanten Aufträgen, die für Zahra nicht selten sogar lebensbedrohlich sind. Hinzu kommen ihre Gefühle für einen Kastilier, mit dem sie aufgrund der Gesetze ihres Glaubens keine Verbindung eingehen darf. Vielmehr soll sie nach dem Willen ihres Vaters mit dem reichen Ibrahim verheiratet werden, der sich bereits bei ihrem ersten Zusammentreffen als Widerling entpuppt. Kann Zahra diesem Schicksal entgehen und ihre Träume von Freiheit und Selbstbestimmtheit verwirklichen? Wird ihr alles gelingen, was Aischa ihr aufträgt?
Meine Meinung:
„Die Maurin“ war der erste historische Roman über die maurische Geschichte, den ich gelesen habe und er hat es geschafft, mein Interesse für diese faszinierende Zeit und diese faszinierende Kultur zu wecken, so dass ich mich in Zukunft noch vertiefend mit diesem Thema beschäftigen möchte.
Die Handlung des Romans beginnt im Jahre 1478 in Zahras Heimatstadt Granada. Der Leser lernt Zahras respekt- und doch auch vertrauensvolle Beziehung zu der Sultanin Aischa kennen, die diese schon seit ihrer Kindheit kennt. Auch wird Zahras Familie gelungen eingeführt und ich spürte sofort das innige Verhältnis, das Zahra zu den meisten ihrer Familienmitglieder, insbesondere aber zu ihrer älteren Schwester Hayat hat. Somit konnte ich nicht umhin, das ganze Buch über mit Zahra und ihren Lieben zu hoffen und zu bangen und die Protagonisten schnell in mein Herz zu schließen.
Das Buch hat es problemlos geschafft, mich die gesamten 650 Seiten lang bei der Stange zu halten und die Seiten flogen nur so dahin. Anhand der fiktiven Figur Zahra und deren Familie zeigt Lea Korte die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des blutigen Religionskrieges zwischen den Muslimen und den Christen auf – eine Thematik, die leider auch heute noch große Aktualität hat. Dabei ergreift sie weder für die Mauren noch für die Christen Partei, sondern hebt vielmehr immer wieder hervor, dass es auf beiden Seiten skrupellose und grausame Fanatiker gibt, aber zum Glück auch tolerante und hilfsbereite Menschen. Bisweilen nimmt der Leser auch selbst die Perspektive der anderen Seite ein, nämlich diejenige der Christen, da einige Passagen aus der Sicht des Kastiliers Gonzalo geschrieben sind.
Während Zahra und die Ihren fiktive Figuren sind, spielen auch historisch verbürgte Persönlichkeiten eine Rolle, so zum Beispiel die Sultanin Aischa, deren Sohn und späterer Emir Boabdil, die katholische Königin Isabel von Kastilien und deren Ehemann Fernando sowie der oben bereits genannte Gonzalo und noch einige andere. Sie alle sind glaubwürdig dargestellt, so dass für mich kein Zweifel bestand, dass sich die Geschehnisse genauso oder ganz ähnlich wie in dem Buch geschildert abgespielt haben könnten.
Zudem bringt Lea Korte ihren Lesern die maurischen Sitten und Gebräuche näher und gewährt uns einen aufschlussreichen Einblick in die muslimische Kultur der damaligen Zeit. Der Roman ist voll von lehrreichen Informationen, die jedoch so geschickt eingestreut werden, dass es nie aufdringlich oder überladen wirkt.
Der Leser merkt dem Roman an, dass die Autorin äußerst sorgfältig und genau recherchiert hat und die historischen Ereignisse und die damaligen politischen Verhältnisse so realitätsgetreu wie möglich wiedergibt. In der Nachbemerkung am Ende des Buches erfährt man, wo kleine Anpassungen vorgenommen wurden.
Ein großes Lob verdienen auch die liebevoll und facettenreich gezeichneten Charaktere, die es mir leicht machten, mit ihnen zu leiden und zu zittern. Viele von ihnen machen während der Zeitspanne, in der das Buch spielt, eine persönliche Entwicklung durch, die mich so manches Mal zu überraschen wusste.
Bis zum Schluss kann die Autorin den aufgebauten Spannungsbogen halten und auch der Schluss selbst ist sehr emotional und stimmungsvoll und lässt mich mit dem Gefühl zurück, einen wirklich guten historischen Roman gelesen zu haben. Die geplante Fortsetzung des Romans erwarte ich denn auch mit großer Vorfreude, wobei ich auch anmerken möchte, dass „Die Maurin“ sehr wohl in sich abgeschlossen ist und deshalb problemlos auch von solchen Lesern gelesen werden kann, die keine Fans von Mehrteilern sind und Einzelbände bevorzugen.
Lobend hervorheben möchte ich schließlich auch noch die Ausstattung des Taschenbuches: vom Personenverzeichnis über eine Zeittafel, den Stammbäumen des Hauses Aragón-Kastilien und der letzten Emire des Königreichs der Nasriden von Granada bis hin zu einem hilfreichen Glossar ist so ziemlich alles dabei, was das Leserherz begehrt. Der eigentlichen Geschichte wird ein Abschnitt „Was zuvor geschah…“ vorangestellt, was besonders für Leser, die (wie es bei mir der Fall ist) nicht so gut über die spanische Geschichte Bescheid wissen sehr hilfreich ist, um in das Buch zu finden.
Die Lektüre von „Die Maurin“ hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt, da mich das Buch einerseits natürlich hervorragend unterhalten hat, mir aber gleichzeitig auch eine historische Epoche und Kultur nähergebracht hat, mit der ich mich vorher noch nicht beschäftigt hatte. Somit konnte ich durch das Buch auch gleich meinen Horizont wieder einmal ein Stück erweitern.