Leser-Rezension zu „Der Janusmann” von Lee Child

Rezension als hilfreich gekennzeichnet: (15)

Rheinzwitter Rheinzwitter
Verfasst von Rheinzwitter
am 18.07.2009
 

Keine Lust auf gemächliche Häkelkrimis oder seifenoperngeschwängerte Frauenkrimis wie die von Frau Slaughter? Dann könnte der siebte Band in der Reihe um Jack Reacher das Richtige sein. Selbst Quereinsteiger finden sich ohne Vorkenntnisse schnell zurecht in der Schwarz-Weiß-Welt des ehemaligen Militärpolizisten, der durch die Lande zieht und den Bösen in die Fresse tritt. Wortwörtlich.

In "Der Janusmann" verstößt Einzelgänger Reacher diesmal gegen seine Prinzipien und lässt sich in eine verdeckte Ermittlung einspannen, wenn auch nur, um Rache zu nehmen an einem Mann, der Reacher in seiner aktiven Laufbahn in ein Trauma gestürzt hat. Jahre später bietet sich ihm in einem abgelegenen Haus an der Küste von Maine die Möglichkeit, den Totgeglaubten zur Strecke zu bringen - aber nicht, ohne vorher ein paar anderen fiesen Gestalten die Knochen zu brechen. Oder gleich das Genick.

Zu brutal? Gut, damit sollten gerade Slaughterfans keine Probleme haben, triefen ihre Geschichten doch vor Blut und Metzeleien. Auch Lee Child spart nicht mit Details: da werden Nasen zermanscht, Genicke gebrochen und Körper zerrissen, dass es Zartbesaiteten den Magen umdrehen könnte. Aber im Gegensatz zu Slaughter gaukelt Child keine Tiefe vor, wo keine ist, er nervt nicht mit Beziehungsmüll, um flachen Figuren vermeintlich Profil zu verleihen, und trotz der Macho-Attitüde erschreckt Child nicht mit einem reaktionären Frauenbild, das einem bei Slaughters Ausschuss immer wieder sauer aufstößt.
Childs Welt ist ganz einfach: Die Guten sind gut und die Bösen werden in den Staub getreten. Das ist grob, realitätsfern, das ist Männerphantasie (und die nicht weniger Frauen, wie ich erfahren habe), aber Childs Romane wollen auch nie mehr sein als sie sind - gradlinige, schnörkellose Thriller, Reißer im besten Sinn.

Schön, dass Child nebenbei auch sein Handwerk beherrscht: da ist keine Gefühlsregung zu viel oder am falschen Platz, klar und knapp wird erzählt, nur das Wesentliche, und die Ich-Perspektive, bei der der Leser nie mehr weiß als Reacher, trägt dazu bei, die Story spannend in Gang zu halten. Überflüssige Stimmungsmalerei und Seitenschinderei ist nicht sein Ding. Gott sei Dank.

Objektiv? Nein, gar nicht, objektive Rezensionen interessieren mich einen Scheißdreck. Und wer nach diesen Zeilen glaubt, ich benutze meine Rezension auch, um über Karin Slaughters Machwerke herzuziehen, liegt damit verflucht richtig. Solange Slaughters schlecht geschriebene Äquivalente zu Pilcher-Schmonzetten mit Krimi-Elementen in den Bestsellerlisten zu finden sind, während bessere Genrebücher missachtet werden, solange werde ich jede auch unpassende Gelegenheit nutzen, mich dazu auszukotzen, Polemik hin oder her.

Wie gut, dass Lee Childs Romane keine Verteidigung oder Werbung nötig haben, da sie Bestseller sind, sonst müsste ich jetzt die Löschtaste drücken.

So, jetzt werd ich mich für mein Geschreibsel selbst kasteien und um Einsicht bitten.
Und mich bei Lee Child entschuldigen, dass ich seinen und Slaughters Namen in einem - langen - Atemzug genannt habe.
Und ihm gleichzeitig vorwerfen, dass sein Sprachduktus auf mich abfärbt.
Scheiße auch.

 

Kommentare zu dieser Rezension

Gelöschter Benutzer vor 1 Jahr

Grossartig - herrlich subjektive und unterhaltsame Rezension. Für das Wort "Häkelkrimi" sollte es einen Sonderherzpunkt geben :o)


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Der Janusmann Der Janusmann
Lee Child

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Der Janusmann
von Lee Child

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