(Rezension von Shiku)
Die Pforte nach Magyria ist geschlossen, Kunun und seine Schatten sitzen auf der anderen Seite fest, können keine Menschen mehr in Budapest überfallen. Ohne deren Blut sind sie dem Licht hilflos ausgeliefert, doch so richtig fassen können Mattim und Hanna ihren Sieg noch nicht. Besser ist es – denn schon bald sehen sie den König der Schatten wieder, in dieser Welt. Der Kampf um Akink ist noch lange nicht geschlagen und nach wie vor ist Kunun davon überzeugt, dass Mattim ihm den Sieg bringen wird. Doch seit sich ihr vermeintlicher Erfolg als Irrtum herausstellte, ist auch Mattims Vater nicht mehr gewillt, seinem Sohn zu vertrauen und würde ihn eher verbrennen, als auf ihn zu hören. Düstere Zeiten stehen den Akinkern bevor, denn die Schatten rüsten sich längst für den nächsten Kampf, haben bereits einen neuen Plan ersonnen, um in die Stadt zu gelangen. Einmal mehr steht Mattim vor der Frage, für wen er einsteht. Für das Licht? Nur was, wenn genau dieses ihm sein Liebstes nehmen will?
Mit Band zwei hat sich einiges verändert, und es sei bereits jetzt gesagt: Die Fortsetzung hat sich im Vergleich zum ersten Band wirklich verbessert! Lena Klassen trägt den Kampf hier auf eine nächste Ebene, dieses Mal geht es um Sieg oder Niederlage, für irgendetwas dazwischen ist kein Platz mehr. Dass es nun richtig ernst wird, ist schon daran zu merken, dass die Handlung beinahe sofort losgeht. Der Leser wird nicht mit ewig langen Erklärungen aufgehalten, was in der Zwischenzeit geschah, nein: Schnell wird klar, dass Kunun noch lange nicht besiegt ist und dass er vielleicht sogar noch gefährlicher werden kann als ohnehin schon.
Dementsprechend mangelt es dem Buch keineswegs an Spannung. Sie ist von Anfang an da und bleibt bis zum Schluss, denn immer wieder sind Ereignisse eingebaut, die das Ganze am Laufen halten. Die unklar machen, wie die Geschichte ausgehen wird oder wie es überhaupt weitergehen kann – für Hanna, Mattim und Akink.
So bleibt das Gefühl, dass es sich wahrlich lohnt weiterzulesen, bestehen, vor allem da sich die ordentliche Portion Drama gegen Ende nicht zu schade ist, eine gewisse, leise Verzweiflung hervorzurufen. Allzu viel gibt es hier nämlich nicht zu lachen, was aber bei dem Handlungsaufbau – und dem nach wie vor angenehmen Schreibstil – absolut kein Problem darstellt.
Besonders schön ist auch, dass die Perspektiven ein wenig verwackeln und kaum jemand in seiner Rolle verharrt. Zwar sind noch immer hauptsächlich Hanna und Mattim die Fixpunkte der Erzählung, doch wird einiges auch aus einer anderen Sichtweise erzählt, je nachdem was gerade passt. Und so wird auch klar, dass die anderen Schatten, einschließlich Kunun und Atschorek, alles andere als „gut“, aber längst nicht so böse sind, wie es den Anschein erweckte. Dem gegenüber steht das Licht – samt Mattims Eltern und der Flusshüterin Mirita –, das sich selbst zu blenden scheint und nicht im Entferntesten so gut ist, wie es eigentlich sein wollte.
Im ersten Band waren die Schatten die Bösen, es war sehr verständlich, warum die Akinker sie grundsätzlich nicht in der Stadt haben wollten, auch wenn ihre Ansichten schon damals sehr engstirnig waren. Nun aber wird auch klar, warum die Schatten, allen voran die Prinzen und Prinzessin, nicht sonderlich gut auf ihre Eltern zu sprechen sind – dass ihre Wut und Angriffslust vollkommen verständlich ist. Das Licht will das Dunkel nicht nur auslöschen, womöglich hat es die Schatten auch erst zu dem gemacht, was sie nun sind.
Dieses Mal gibt es also die Wandlung und Tiefe in den Charakteren, die im ersten Band beinahe vollkommen fehlte – wenngleich das nicht auf alle Figuren zutrifft. Dummerweise gehört auch Hanna zu den Wandlungslosen, ganz einfach weil sie sehr in den Hintergrund gerät. Für den Spannungsaufbau war das die einzig richtige Entscheidung, dennoch hatte ich bisweilen das Gefühl, Mattim sei der alleinige Hauptcharakter des Buches. Er für seinen Teil nimmt Formen an, Hanna dagegen ist hier mehr ein Name, der manchmal dumme, manchmal weniger dumme Entscheidungen trifft.
Am Ende ist die Handlung an sich abgeschlossen, lässt aber erneut genug Platz und offene Fragen für ein weiteres Buch. Die letzte Schlacht um Akink ist noch nicht geschlagen, nicht solange es noch Licht gibt. Wie es dann mit dem Schattenkönig und seinem strahlenden Bruder weitergeht, wird sich bald zeigen!
Zu „Magyria: Die Seele des Schattens“ lässt sich sagen: Eindeutige Verbesserung! Hanna verschwindet leider ein wenig in der Versenkung, ansonsten eröffnen sich aber einige neue Perspektiven, die es schwer machen, die Seiten in „schwarz“ und „weiß“ einzuteilen. Zusammen mit dem schönen Schreibstil und einem Spannungsaufbau, der sich sehen lassen kann, ergibt das ein sehr gut unterhaltendes Fantasy-Werk. Das hier ist gewiss keine Romanze, sondern wesentlich mehr!