Rezension verfasst vor 2 Jahren
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Der Roman beginnt mit einer Verheißung: „Am Sonntag, dem 23. September 1990, wurde in der Schechunat Hatikwah, einem Stadtteil im Süden von Tel Aviv, ein Mord verübt.“ Und Sascha Sokolow, einst Raumfahrtingeneur, heute Straßenkehrer, beobachtet diesen Mord. Er glaubt sogar, in dem Mörder seinen alten Schulfreund Lew wiederzuerkennen.
Als Lew einige Tage später bei Sascha auftaucht, trifft er ihn in den Krallen seiner Alkoholsucht an. Wir als Leser haben in der Zwischenzeit bereits einiges aus der Vergangenheit Saschas in Russland erfahren. Von dem tragischen Unfall, der zu seiner Kündigung im Raumfahrtprogramm führte, von seinem Weg nach Israel. Lew holt Sascha aus seinem Sumpf und bietet ihm ein besseres Leben an. Das kann er, denn er wickelt für die georgische Mafia Geschäfte ab – ganz legale natürlich. Sascha, der Prinzipienreiter, zögert zunächst. Doch wenn er zu trinken aufhören will und für die nette Russin, die er getroffen hat, ein akzeptabler Mann werden möchte, muss etwas passieren. Also nimmt er Lews Angebot an.
Als Leserin war ich ab hier sehr oft versucht, dem Protagonisten „Tu’s nicht“ zuzurufen, denn in der ebenso unerbittlichen wie unauffälligen Art, in der die ganze Geschichte erzählt ist, gerät Sascha immer tiefer in die Verstrickungen hinein, die schon mehr als einen Tod verschuldet haben und noch weitere verschulden werden.
Letztendlich wird die Verheißung vom Anfang also eingelöst. Aber der Autor lässt sich Zeit dafür, und wenn man nicht selbst etwas Zeit mitbringt, wird man das Buch gelangweilt aus der Hand legen. Dabei bietet die dramatische Story, wenn auch undramatisch erzählt, faszinierende Perspektiven auf Russland und Israel, auf das Lebensgefühl von ins Gelobte Land immigrierende Russen. Dieser Aspekt hat mir sehr gut gefallen, und auch die Nöte des Protagonisten haben mich weiterlesen lassen.
Dennoch: Die ganze Zeit hatte ich das merkwürdige Gefühl, auf einem Nebenschauplatz zu sein. Als würde sich eine große, aufregende Geschichte abspielen – nur nicht genau hier, sondern vielleicht im Studio nebenan. Und dank dieser Ferne konnte mich das Buch, konnten mich die Figuren zwar interessieren, aber nicht im Innersten berühren.
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