Rezension verfasst vor 1 Jahr
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Die ersten Siedler in Australien
Bevor ich irgendetwas sonst schreiben, muss ich es einfach loswerden: wow, was für ein Buch! Lange hat mich kein Buch mehr so gefesselt und mich so mitleiden lassen. Noch viel eindringlicher wird das Buch dadurch, dass Mary Bryant wirklich existiert hat und vieles des Geschilderten tatsächlich passiert ist.
England, 1786: Mary Broad (Bryant) wird wegen Diebstahls zum Tode verurteilt. Doch wie zu dieser Zeit üblich wird sie begnadigt und ihre Strafe in sieben Jahre Deportation umgewandelt. Da aufgrund des Krieges in Amerika dieses nicht mehr als Sträflingskolonie in Frage kommt, segelt Marys Schiff zusammen mit anderen in das erst einige Jahre zuvor von James Cook entdeckte Australien. Unter menschenunwürdigen Zuständen müssen die Häftlinge diese Reise ertragen, manche überleben sie nicht. Doch Mary ist eine starke Frau mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und so fällt sie schnell auf, denn sie fordert eine ordentliche Behandlung der Häftlinge ein. Die Ankunft in Australien ist für alle ein Schock: die Häftlinge sowie die Besatzung der Schiffe soll in Australien eine erste Siedlung aufbauen. Doch die englische Regierung hat nicht gut und vorausschauend mitgedacht: keine Werkzeuge, wenig Proviant, keine ausgebildeten Handwerker waren auf den Schiffen. Keiner hat Ahnung von Agrarwirtschaft und viele der Sträflinge sind faul. Das Land ist nicht sonderlich fruchtbar und die Eingeborenen sind teilweise feindselig. Schnell leiden die Sträflinge in Australien mehr als in den englischen Gefängnissen. Doch Mary will sich nicht unterkriegen lassen. Immer wieder findet sie Wege, um sich zu schützen oder sich und ihre Kinder durchzubringen. Doch sie träumt von der Rückkehr nach England und wagt schließlich eine unerhörte Reise ...
Noch heute ist Mary Bryant in Australien und England bekannt. Ihre Flucht aus der ersten Sträflingskolonie wird mit den seefahrerischen Leistungen von William Bligh, dem Kapitän der Bounty, gleichgesetzt. Dadurch wird dieses Buch etwas ganz Besonderes: Pearse hat sich nicht weit von den historischen Fakten entfernt und dadurch wird das Buch sehr fesselnd. Lediglich zwischenmenschliche Beziehungen hat sie ausgeschmückt, wie beispielsweise die heute noch ungeklärte Frage, wer der Vater von Marys erstem Kind ist. Ich konnte dieses Buch einfach nicht mehr weglegen. Und ich habe so mit Mary mitgelitten als würde ich alles selbst durchmachen, weil es der Autorin gelingt, emotional zu schreiben ohne in Kitsch abzurutschen. Leider sind Titel und Klappentext etwas kitschig geraten und ich war völlig verblüfft, welcher Schatz sich dahinter verbirgt. Ich hoffe, dass dies keine potentiellen Leser abschreckt, denn dieses Buch lohnt sich sehr!
Ich war selbst erst vor Kurzem in Australien, deswegen konnte mich das Cover gleich ansprechen und auch die Geschichte Australiens fasziniert mich sehr. Die Zustände, unter denen die ersten Siedler litten, schockierten mich beim Lesen und Pearse schildert alles schonungslos. Im Vergleich zu den gut entwickelten Siedlungen, die die teilweise etwas kitschigen und künstlichen Geschichten von Sarah Lark zulassen, müssen die Menschen hier um das pure Überleben kämpfen, das oft das Schlechte in den Menschen hervorbringt. Die Protagonistin hat soviel durchgemacht, dass man ihr fast schon wider besseren Wissens ein Happy-End gönnt. Doch Lesley Pearse hält sich an die Fakten. Dies muss man immer bedenken, wenn das Ende einem doch etwas unrealistisch erscheint. Schlußendlich findet die Geschichte ein für den Leser versöhnliches Ende, jedoch nicht das Happy End, das sich manch einer wünschen mag.
Einige der Schicksalsschläge, die Mary erleidet, haben mich emotional sehr berührt, genauso wie ihr Charakter und ihr Hang, sich selbst für das Geschehene zu bestrafen. Gleichzeitig war ich fasziniert von dem historischen Bild, das die Autorin erschaffen konnte und der Feindseligkeit des australischen Kontinents. Ich kann allen Fans historischer Romane, Fans von Auswanderergeschichten, Fans von Sarah Lark und vielen mehr dieses Buch nur allerallerwärmstens empfehlen. In meinem Bücherschrank und meinem Leserherzen bekommt es einen ganz besonderen Platz!
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