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Vor 2 Jahren
(8)Zuallererst mein herzlicher Dank an den Gerstenberg-Verlag, der mir freundlicherweise das Buch "Mimus" von Lilli Thal als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte.
Florin, der einzige Sohn König Philip von Monfiel, hatte bisher ein sorgloses und unbeschwertes Leben. Er ist noch jung genug, ganze 12 Jahre alt, um sich mit anderen Jungen seines Alters am liebsten vor seinen Fecht-und Schulstunden davon zu stehlen und hört lieber Märchen und spannende Grusel-Geschichten, die sich Taron, einer der Jungen, die ihm sein Vater als Kameraden zur Seite stellte, ausgedacht hat. Mehr als freundliche Ermahnungen oder ein paar blaue Flecken beim Reit-und Fechtunterricht hat er bisher nicht einstecken müssen. Auch die wenigen Herrscherpflichten, die er in Abwesenheit seines Vaters manchmal übernehmen muss, langweilen ihn eher und er vertreibt sich die Zeit bei den Audienzen eher mit Rätselraten darüber, mit welchem Satzanfang wohl der nächste Bittsteller beginnen wird oder mutmaßt anhand der Kleidung und des Auftretens welchen Beruf er haben könnte. Die wirklichen Entscheidungen trifft der eingesetzte langjährige Kanzler des Königs.
Zwar herrscht schon sehr lange Krieg zwischen den beiden Königreichen Vinland und Monfiel, aber Florin selbst hat von dem Ganzen so gut wie nichts mitbekommen. Außerdem ist gerade endlich ein Frieden geplant zwischen König Theodo und seinem Vater und letzterer zu diesem Zweck mit einigen Mannen nach Vinland aufgebrochen, um diesen Friedensschluß zu besiegeln. Da erscheint ein Bote am Hofe mit einem Brief seines Vaters, der Florin an Theodos Hof zu einem großen Fest einlädt, mit dem man den Friedensschluß der beiden Königreiche besiegeln möchte. Florin freut sich auf das Fest mehr als willkommene Abwechslung zum höfischen Alltag und begibt sich mit einigen Getreuen seines Vaters sofort auf die Reise, wo er unterwegs zum allerersten Mal mit den Schrecken und Grausamkeiten des Krieges konfrontiert wird und auch feststellt, wie der Abbau des Silbers wirklich vorgenommen wird, durch das sein Vater reich geworden ist.
In Vinland angekommen, wartet allerdings eine noch viel schlimmere Situation auf Florin, denn die ganze Geschichte von Frieden zwischen den beiden Königreichen war eine abgekartete Sache. Sein Vater und nur noch wenige seiner Getreuen wird in den Kerkern Theodos gefangen gehalten und soll getötet werden, sobald er als Druckmittel für weitere Expansionsbestrebungen Theodos ausgedient hat. Theodo hatte nämlich nie vor, Frieden mit Monfiel zu schließen, denn in jungen Jahren tötete Philip im Kampf um die Geliebte seinen Bruder und Theodo sieht nun endlich den Tag seiner Rache an Florins Vater dafür gekommen.
Florin selbst wird aus einer Laune heraus zum Gehilfen des Hof-Narren, des Mimus, gemacht, da sich Theodo dadurch eine zusätzliche Demütigung seines Erzfeindes verspricht. Der Mimus ist im gesellschaftlichen Stand auf der Theodos Burg im Grunde weniger als ein Nichts, wird mit einer Mahlzeit am Tag gerade so am Leben gehalten und haust mit Affen, einem Bären und einem eingefangenen Wolf im sogenannten Affenturm. Tagsüber muss er Gedichte, Reime Lieder und Zungenbrecher auswendig lernen, Handstand, Ratschlagen und Laufen auf Zehenspitzen üben und ein skurriles, ja aberwitzig lächerliches Gewand mit angenähten Eselsohren und Schellen tragen. Jeden Abend haben der Mimus und Florin nun auch als der "kleine Mimus" die königliche Tafelgesellschaft zu unterhalten und ihnen auf jede nur erdenkliche Art auch sonst die Langeweile zu vertreiben.
Von jetzt auf gleich ändert sich Florins Leben also grundlegend. Er muss ein völlig unfreies Leben führen, denn jeden Fluchtversuch hat sein Vater mit Folter zu büßen und es wird von Florins Verhalten abhängig sein, ob und wie lange sein Vater am Leben bleibt. Nachdem ihm das - nicht zuletzt durch die harte Schule, durch die ihn der ältere Mimus scheucht - klar geworden ist, beginnt Florin das Leben am Hof illusionslos und kritisch zu betrachten und Vergleiche mit dem Leben in seinem Heimatkönigreich zu ziehen.
Er muss feststellen, dass Theodos zwar ein überaus grausamer, machthungriger und furchtbarer Herrscher für all seine Feinde oder auch einige Untertanen, die glücklos versuchen ihn zu hintergehen, sein kann. Aber für die eigene Familie ist er auch der Familienvater, der aus seiner Perspektive das Beste will und seinen Kindern alle erdenklichen Wünsche erfüllt. So muss Florin ihnen alle Märchen und Geschichten erzählen, mit denen einst ihm selbst oft die Kindheit versüßt wurde.
Gleichzeitig stellt er fest, dass der derzeitige Mimus, sein Lehrmeister, auch oft im wahrsten Sinne des Wortes Narren-Freiheiten und seltsame Funktionen an Theodos Hof genießt und inne hat, die für Florin bislang völlig fremd waren. Der Mimus hat eine scharfe Zunge und bewegt sich mit seinen oft bösartig anmutenden Späßen oft hart am Rande dessen, was der König noch toleriert. Mimus rettet Florin im Laufe der Zeit mehr als einmal das Leben und als Florin sich noch mit einem Küchenjungen namens Benzo anfreunden kann, glimmt endlich wieder etwas Hoffnung im Herzen des Jungen auf und er aktiviert auch endlich seinen eigenen Einfallsreichtum, um das drohende Schicksal vielleicht doch noch von seinem Vater und sich selbst abzuwenden.
Mehr soll zum Inhalt nicht verraten werden, um das eigene Leseerlebnis nicht zu schmälern. Unnötig wohl fast auch zu erwähnen, dass dieses Buch in einer sehr guten Ausstattung daher kommt und ein stimmungsvolles Coverbild aufweist, denn das ist man vom Gerstenberg-Verlag mittlerweile schon gewohnt. Erwähnen sollte man aber doch, dass der Roman 2004 mit dem Jugendbuchpreis der Jury der jungen Leser/Wien ausgezeichnet und für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde.
Ein sehr lesenswertes, atmosphärisch überaus dichtes Buch, welches durch die sehr interessante Figur des Mimus und die Entwicklung des jungen Florin nicht nur Jugendlichen gefallen dürfte.
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