Leser-Rezension zu „Mister Pip” von Lloyd Jones
am 13.07.2011
Auf einer Insel im Südpazifik herrscht ein Bürgerkrieg, die Blockade verhindert, dass die Menschen fliehen können. Mr. Watts oder Pop Eye, wie er von den Dorfbewohnern genannt wird, ist der einzige Weiße, der auf der Insel geblieben ist. Nachdem auch der Lehrer fort ist, übernimmt Mr. Watts diesen Posten. Er liest den Kindern aus Große Erwartungen von Charles Dickens vor und und schafft es dadurch dem Krieg für kurze Zeit die Macht zu nehmen.
Mister Pip ist eines dieser Bücher, die ich nach dem Lesen mit geschlossenen Augen noch eine Weile in der Hand halte und meine Gedanken abschweifen lasse, ehe ich es in mein Regal stelle und dabei lächeln muss.
Mister Pip ist eine ergreifende Geschichte über die Magie und die Kraft der Phantasie, die uns in Welten eintauchen lässt, die wir ohne sie nie zu sehen bekommen würden. Die uns an die Hand nimmt und uns für eine Weile aus der Realität entführt. Mister Pip lehrt uns aber auch, dass Freud und Leid, Enttäuschung und Vergebung, Liebe und Hass sehr dicht beieinander liegen.
Mister Pip wird aus der Sicht von Matilda erzählt. Jahre nachdem sie die Insel verlassen und ein neues Leben begonnen hat, schreibt sie ihre Erlebnisse nieder. Ehrlich ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erzählt Matilda vom Krieg, von der Schande und von den Momenten in denen ihr neuer Freund Pip sie mit ins alte England nimmt. Sie berichtet, wie sie zwischen den Fronten steht. Auf der einen Seite ihre Mutter, die sie groß gezogen hat, die an Gott und an den Teufel glaubt, auf der anderen Seite Mr. Watts, dessen Glaube sich auf die fiktiven Figuren in Büchern beschränkt, der ihr, Matilda, damit durch die schweren Zeiten hilft.
Der Schreibstil ist zugleich bildlich und nüchtern, er ist schockierend und unverblühmt. Als Leser ist man mitten im Geschehen, sobald man das Buch aufklappt, ist man auf der Insel, ist ebenso betroffen von der Blockade, kann nicht fliehen, man hat angst, wenn die Charaktere angst haben, man freut sich, wenn sie sich freuen, man leidet, wenn sie leiden.
Fazit
In schweren Zeiten brauchen die Menschen etwas an dem sie sich festhalten können, etwas das sie entführt, weit weg, weg von dem was um sie herum passiert. Und genau darum geht es in dem Buch Mister Pip. Um die Kraft und die Magie der eigenen Phantasie, die Realität eine Weile zu verlassen und sich nur seinen Vorstellungen hinzugeben.

