Rezension zu "Mister Pip" von Lloyd Jones

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Principessa de la Luna

Vor 2 Jahren

(15)

'Mister Pip' ein Roman, verfasst von Lloyd Jones, erzählt die Geschichte des jungen, schwarzen Mädchens Matilda, welches den Bürgerkrieg auf der Insel Bougainville miterlebt.
Die Erzählerin ist Matilda selbst, die das Voranschreiten des Bürgerkrieges auf ihrer Heimatinsel dokumentiert, jedoch erst Jahre nach dem sie die Insel verlassen hat.
Das paradisische Idyll im Südpazifik wird von ihr nicht ganz so idyllisch beschrieben, denn der Bürgerkrieg holt die Inselbewohner ein, die Weißen verschwinden Einer nach dem Anderen von der Insel und eine Blockade wird errichtet. Strom fehlt, ebenso wie die gewohnte Versorgung,weswegen die Inselbewohner wie ihre Vorfahren selbst etwas zu ihrer Versorgung beisteuern müssen. Der letzte, verbliebene Weiße; Mr. Watts; nimmt den Kindern ihre Langeweile in dem er die Schule wieder öffnet und sie in das Land der Bücher entführt. Um genau zu sein in Charles' Dickens' 'Große Erwartungen'. Für die kleine Matilda wird Pip aus dem Roman von Dickens zum Freund und irgendwie auch zur ersten Liebe ihres Lebens.
Doch der Bürgerkrieg holt das Dorf ein und Pip wird zu ihrem Verhängnis.

Dieser Roman hat mich bestürzt und verletzt und hingerissen und....ich könnte noch so viele Worte finden, die meinen Gemütszustand beschreiben. Vor allem aber, hat mich dieser Roman wachsen lassen. Ich bin mit Matilda gewachsen, habe mit ihr Pip angehimmelt und habe in manchen Momenten die Augen zugemacht um gewisse Dinge nicht zu sehen.
Der Konflikt zwischen Matildas Mutter und Mr. Watts war so geschickt dargestellt. Die Zerissenheit Matildas war fühlbar, greifbar....Auf der einen Seite der atheistische Mr. Watts und auf der anderen Seite ihre höchst religiöse Mutter, die den Kindern versucht zu vermitteln wie wichtig Gottesfürchtigkeit ist. Irgendwo dazwischen Matilda, die weiß, dass beide in sich für sich selbst Recht haben, aber selbst nicht weiß wo sie eher hin tendiert. Diese Feinfühligkeit ist faszinierend und traurig zugleich.
Wundervoll ist die Wortwahl. Wie genau und präzise diese Frau nach Jahren alles so beschreibt wie es war. Es fühlt sich nicht an, als wollte jemand etwas beschönigen, es wird genauso gesagt wie es war. Es werden Fakten wieder gegeben kein Märchen. So hart diese Fakten sind, umso realistischer ist es doch. Heute wird alles schön ausgedrückt nur um es nicht so grausam wirken zu lassen, obwohl es das ist. Entlassungsproduktivität oder sozialverträgliches Frühableben sind nur Beispiele dafür, wie grausam etwas sein kann, obwohl es nicht schlimm klingt. Matilda schildert grausame Dinge grausam, so wie es eben ist und das ist so erschreckend und so bewundernswert zugleich.
Der bewegendste Aspekt für mich ist aber die Suche nach dem echten Mr. Watts. Matilda bemerkt im Laufe des Romans, dass dieser nicht immer das zeigt, was ihn ausmacht. Sie merkt, dass er ihnen 'Große Erwartungen' nicht so vorgelesen hat, wie es wirklich geschrieben ist. Sie merkt, dass er an den 'sieben' Erzählabenden nicht seine Geschichte erzählt, sondern einen Flickenteppich bastelt. Sie erkennt, dass er ein Schauspieler ist. Irgendwie ist diese Erkenntnis bestürzend, denn man weiß nicht so Recht, was von allem, was Mr. Watts den Kindern gesagt hat, wahr ist, doch irgendwie ist es als ob man sich auf die Suche nach jemandem begibt, den man gesehen hat und nun kennen lernen will. Matilda sucht nach ihm und als sie Dickens kennen lernt, scheint sie Watts als den wahren Dickens zu sehen und das ist das Berührendste. Sie stellt anstelle von Dickens, anstelle von Pip Mr. Watts auf ihren kleinen Altar und man hat das Gefühl, dass die Suche nach Mr. Watts von Beginn des Buches eingeleitet wird und man zum Ende erst bemerkt, dass man ihn schon von Beginn an kennt.

Autor: Lloyd Jones
Buch: Mister Pip
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