Rezension zu "Blutbraut" von Lynn Raven

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hana

Vor 1 Jahr

(23)

"Blutbraut" von Lynn Raven ist seit langem endlich wieder ein Roman, der mich berührt und gefesselt hat, ich wollte ihn gar nicht mehr aus der Hand legen und hätte sogar fast in Betracht gezogen eine Vorlesung für ihn zu versäumen nur um die Nacht durchlesen zu können. Am Ende habe ich mich zwar schweren Herzens für's schlafen entschieden, bin aber nach meiner Vorlesung sofort nach Hause geflitzt um die Stunden bis zur nächsten Vorlesung gründlich auszunutzen. Ach, genug geredet, ich mache es kurz: Ich liebe "Blutbraut", auch wenn das Ende nicht ganz nach meinem persönlichen Geschmack war.

Schon einmal vorneweg, wer hier eine super innovative, besondere und außergewöhnliche Geschichte erwartet, die es so noch überhaupt nicht auf dem deutschen (Vampir)-Romanmarkt gibt, wird enttäuscht sein. Die Charaktere sind nicht total anders als in anderen Romanen oder heben sich auf spezielle Weise von anderen Figuren in ähnlichen Romanen ab, aber sie sind so gut und tiefgründig charakterisiert, dass ich mit ihnen mitgefiebert und mitgefühlt habe und das ist für mich das wichtigste. Natürlich kann man immer tiefgründigere Charaktere schaffen, ob das einen Roman unbedingt besser macht ist eine andere Sache. Im Gegensatz zu vielen anderen Romanen habe ich hier zumindest nichts an den Charakteren zu kritisieren.

Okay, Lucinda hat sich zwar mehr als nur einmal in eine etwas unglückliche Situation gebracht, wie Férnan zu berichten weiß, aber ich fand ich Verhalten verständlich. Ihr Verhalten war nicht einfach saudämlich oder komplett bescheuert, sondern für mich nachvollziehbar, sie war halt verzweifelt, verängstigt und/oder verunsichert. Was ich eher irritierend fand war ihr Alter. Im Roman feiert sie ihren 18. Geburtstag, obwohl ich sie vorher eher auf Anfang Zwanzig geschätzt hätte. Manchmal merkt man ihr zwar ihre jugendliche Unreife, und das ist nicht negativ gemeint, an, aber insgesamt wirkte sie auf mich doch sehr erwachsen und stark.

Was die Vampirthematik angeht: So habe ich sie noch in keinem Roman gelesen, ich lese allerdings auch nicht viele Vampirromane, die Sache mit den Nosferatu und den Blutbräuten fand ich zumindest richtig interessant. Das eigentliche Vampir-Dasein spielt in "Blutbräute" jedoch ohnehin keine große Rolle, Magie sei Dank. ;) Es geht eher um die Notwendigkeit der Blutbräute für die Mitglieder der Hermandad und deren Familien und die Verwandlung zum Nosferatu mit dessen Folgen.
Da es sich hierbei um einen Liebesroman mit einem mehr oder weniger Vampir als Helden handelt gibt es dadurch natürlich Überschneidungen mit anderen Liebesromanen mit einem Vampir als Hauptperson.
Natürlich ist Joaquin kein mordender, gefühlskalter Vampirpsychopat der die Welt mit seinem Blutsaugeeskapaden in Atem hält, man soll sich als Leserin schließlich auch ein bisschen mit in ihn verlieben. Wäre er ein unsympathisches Ungetüm, wäre dies wahrscheinlich für die Mehrzahl der Leserinnen etwas schwierig. Das heißt nicht, dass er ein lieber Vegatarier ist, der keinem Blümchen etwas zu Leide tut, auch er hat Blut an seinen Händen und schreckt auch vor Morden nicht zurück, er ist aber halt auch kein skrupeloser Mörder. Hach, Joaquin ist einfach mein Liebling, so liebe ich Helden in Romanen! Er ist so süß und einfach nur wunderbar. schwärm
Es bleibt natürlich auch das obligatorische "Ich brauche Abstand!" und "Ich bin gefährlich!" nicht aus, in diesem Fall waren die Warnungen allerdings angebracht, während die Warnungen in anderen Romanen eher lächerlich wirkten, weil man irgendwie wusste das am Ende nichts schlimmeres passieren wird. Aber Lucinda ist nun einmal keine x-beliebige Frau mit einem ganz netten Blutduft, sondern eine Blutbraut und damit für Joaquin zumindest einzigartig. Er braucht sie und keine andere.

Sehr schön fand ich, dass man schon am Kapitelanfang erkennen konnte aus welcher Sicht das jeweilige Kapitel erzählt wurde. Lucinda Ich-Erzählerin wurde durch eine fleur-de-lis repräsentiert, die personalen Erzähler der zwei anderen Personen durch ein offenes Pentagramm.

Was ich wirklich sehr schade fand war, dass der Roman für mich wirklich sehr wenig (oder überhaupt nicht) knisternd und prickelnd war, romantisch? Ja, auf jeden Fall, aber "mehr" leider nicht. Besonders nachdem ersten Satz hätte ich mir wenigstens etwas mehr erotische Stimmung gewünscht. Natürlich ist "Blutbraut" (auch) ein Jugendroman, aber das bedeutet doch nicht, dass nicht im Umkehrschluss, dass überhaupt nichts passiert. Durch den Aufbau der Handlung war dies natürlich wirklich etwas schwer einzubauen, aber wenigstens den Epilog hätte man doch nutzen können. Von mir aus hätte man auch das Ende kürzen können, um eine nette Szene in die Richtung einzubauen. *g*

Wie ich oben schon erwähnt habe war das einzige was mir nicht gefiel das Ende. Obwohl ich es prinzipiell in Ordnung und auch gut finde, hätte ich mir manche Sachen einfach anders oder besser gewünscht. Der Punktabzug hierdurch ist gering, denn "Blutbraut" gefällt mir dennoch sehr gut. So und nun zu dem was mir genau nicht gefiel. Vorsicht SPOILER!

SPOILER ANFANG!!!

Das Ende kam mir zu langatmig vor, nicht Langweilig, aber eben langatmig. Vielleicht lag es auch daran, dass ich die ganze Zeit gedacht habe: Wann kommt denn endlich der verdammte erste Kuss??? Er wollte einfach nicht kommen und als es dann endlich soweit war: Nichts. Sondern der Epilog. Okay, im Epilog folgten dann doch endlich zwei richtige Küsse, aber irgendwie hätte ich mir mehr gewünscht. Mehr Romantik, mehr prickeln, mehr knistern. Wie oben schon erwähnt, war mir das insgesamt halt einfach zu wenig. Dazukam das mir der der Schluss etwas zu viel des Guten war, es passierte zu viel auf einmal, hintereinander und ich hatte das Gefühl das etwas zu viel Story auf zu wenig Seiten gequetscht wurden, das Ende war deshalb nicht gleich schlecht, sondern nur nicht 100% das was ich mir gewünscht hatte.

Was mir außerdem etwas anders gewünscht hätte war der Fortschritt von Joaquin's Verwandlung. Glitzer-Edward ist eine Sache, aber einen farbenblinden (also Graustufen) Freund mit langen schwarzen Krallen, farblosen Augen, dauernd langen Vampirzähnen und einer grollenden Stimme ist jetzt nicht unbedingt meine Traumvorstellung. Joaquin scheint sich ja nicht mehr zurückverwandeln zu können und auch der Mann ihn ihm scheint gestorben zu sein (oder nur fast?), was ich sehr schade fand. Ich weiß, wo die Liebe hinfällt, aber irgendwie habe ich Joaquin jetzt die ganze Zeit als Monster (äußerlich) im Kopf, der das Monster in seinem Inneren immer Gewaltsam in Schach halten muss.

Auch wenn ich das Ende selber schrecklich gefunden hätte, wäre es aus meiner Sicht besser gewesen, wenn Lucinda Joaquins Geschenk von einem neuen Leben angenommen hätte. Das von Joaquin geplante "Ende" wäre zwar traurig und bittersüß gewesen, aber auch irgendwie besonders, es wäre mir sicherlich im Gedächtnis geblieben. Ich meine, die Geste war so süß, besonders das mit den Bildern, und sie macht seine ganzen Bemühungen alles zunichte indem sie zu Cris fährt. Für die Geschichte war es natürlich die richtige Entscheidung, aber es hätte auch anders ausgehen können. Auch wenn sie es nur gut gemeint hat, es war schon etwas dumm, eben weil er es nicht gewollt hätte, aber es ist auch so romantisch. Hach, verdammt, ich bin natürlich mit dem jetzigen Ende zufrieden, aber man darf sich ja trotzdem Gedanken über das "Was wäre wenn?" machen.

SPOILER ENDE

Das Ende war ziemlich offen, einige Fragen bleiben ungeklärt, eine Fortsetzung ist in meinen Augen aber nicht unbedingt notwendig, würde vielleicht sogar meine Meinung von "Blutbraut" nachhaltig zerstören. Aber es scheint so, dass bei einem Erfolg des Romans eine Fortsetzung wirklich in Betracht gezogen wird. Vielleicht mit anderen Hauptpersonen und wenn nicht wäre mein Wunsch an die Autorin, etwas mehr prickeln bitte.

Was mir noch unklar ist:

SPOILER ANFANG

Wieso kam niemand auf die Idee eine Blutbraut zu bitten Lucinda zu erklären, wie das Leben einer Blutbraut wirklich ist, selbst wann niemand wusste, dass ihr María Lügen erzählt hat, wäre es doch die perfekte Möglichkeit sie zu überzeugen Joaquin's Blutbraut zu werden. Joaquins Haltung in der Sache ist natürlich nachzuvollziehen, aber bei allen anderen hätte ich eher angenommen, dass sie versuchen würden alles zu tun damit Lucinda zur Blutbraut wird. Sie haben aber nichts versucht um sie umzustimmen, auch wenn es seine Verwandlung zum Nosferatu und damit seinen Tod zur Folge hat.

Was hätte Joaquin gemacht, wenn Lucinda nach Ablauf der 10 Tage trotz des Regens fort von Santa Reyada gewollte hätte. Er hat da doch ziemlich hoch gepokert, da er zu diesem Zeitpunkt doch noch auf die Farben gewartet hat und diese wichtig für seinen Plan waren.

Laut Lucinda hätte Joaquin sie am Ende ja sogar dann noch gehen lassen als sie schon seine Blutbraut war. Ihre Wünschen waren ihm zwar immer wichtiger als seine eigenen, aber ohne sie wäre er doch gestorben und am Ende hätte sie nach seinem Tod so geendet wie Anna. Oder hätte sie ihm zwar ihr Blut geben müssen, hätte aber z.B. in San Fransisco gelebt? Kann sich Joaquins Zustand eigentlich durch Lucindas Blut merklich verbessern? Könnte er z.B. irgendwann wieder mehr als nur Graustufen erkennen, würde ich ihm und Lucinda jedenfalls wünschen?

Und hat Joaquin eigentlich mal die nackte Lucinda im Spiegel gesehen? Wäre doch eigentlich logisch, aber darüber hat sich Lucinda irgendwie gar keine Gedanken gemacht.*g*

SPOILER ENDE

Etwas gestört haben mich die ganzen spanischen Begriffe, die Liebkosungen waren natürlich total süß, aber alles andere konnte ich mir nur manchmal mit meinen nicht mehr sehr guten Spanischkenntnissen erschließen. Wozu hatte ich eigentlich in der Schule Spanisch, wenn ich nicht mehr weiß, was "Es tut mir Leid" heißt?
Ich würde allerdings davon abraten, die Begriffe während des Lesens auf Lynn Ravens Internetseite nachzuschauen, denn ich habe mir da auch die Seiten angegeben sind auf denen der Satz/Begriff vorkommt angegeben sind einmal schön die nächste Szene gespoilert. Ich dachte vorher: "Oh Gott was macht er da?!", will einfach nur Nachschauen was Joaquin am Anfang gesagt hat, weil ich gerade im Internet war, und schwupps lese zu viel und denke nur noch: "Verdammter Mist, jetzt weiß ich also was er vorhat! :(" Lieber vorher alles auswendig lernen, dann fragt man sich nicht dauernd zwischendurch was gesagt wird.

Bei cbt findet man außerdem noch zwei Bonuskapitel, die wirklich lesenswert sind, aber erst nach dem Lesen des Romans lesen. ;)

Fazit:

Eine wunderbare Liebesgeschichte, über einen Vampir und seine Blutbraut. Ich war einfach nur berührt, gefesselt und fasziniert und kann den Roman einfach nur weiterempfehlen, trotz der wenigen Rechtschreibfehler, die mir aufgefallen sind.

Autor: Lynn Raven
Buch: Blutbraut

sKy

Vor 1 Jahr

hana,deine rezension ist wunderbar.wirklich!
auch ich habe ständig auf dieses "prickeln" gewartet und mir die fragen gestellt,die du dir auch stelltest. :D aber alles in allem ist das buch einfach wunderbar.
danke für die tolle rezi!

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