Vor fast zwei Jahrzehnten wurde das Königreich Leiland von einem schrecklichen Ereignis überschattet. Seitdem ist nichts mehr wie es war. Der Herzog Kortas manipuliert seitdem den König, blendet ihn und hält ihn in seinem eisernen Griff. Dadurch schafft er Unterdrückung und Tyrannei. Nur eine Person ist in der Lage Kortas die Stirn zu bieten und Leiland zu befreien: Die Maske. Gemeinsam mit ihren Gefährten zeiht die Maske durch das Land und versucht Frieden zu bringen und das was Kortas zerstört hat wieder aufzubauen und auf einmal taucht Andin auf, ein Bote aus Pandema, dem Nachbarland und bringt die Gefühlswelt der Maske durcheinander.
Die Rebellin von Leiland I - Maske bedient so ziemlich jedes Klischee das man nur bedienen kann. Es gibt die wunderschönen, starken und mutigen Helden, deren plötzliche und aufrichtige Liebe wie ein loderndes Feuer brennt. Dann gibt es noch die treuen Begleiter, deren Freundschaft weit über ein gesundes Maß an Loyalität hinausragt, den bösen und fiesen Herrscher, der alle unterdrückt und die Tatsache, dass das drohende Unheil nur von einer Person abgewendet werden kann. Dieses Buch ist der erste Teil einer Trilogie und schon ist das Happy End abzusehen. Der Spagat zwischen zu viel und zu wenig verraten funktioniert nicht. Ségura lässt den Leser am Anfang ziemlich im Regen stehen und verschweigt Details, die wichtig für das Verständnis des Geschehens sind. Dadurch werden dem Leser Steine in den Weg gelegt und der Einstieg in die Handlung gestaltet sich schwierig. Die Geschichte wirkt zäh und langatmig und das geht zu Lasten der Spannung. Auf der anderen Seite werden Dinge hinausposaunt, die man ruhig noch länger hätte im Dunklen lassen können, so wird zum Beispiel die Identität der Maske viel zu früh aufgedeckt. Die Autorin hat sich bemüht Wendungen in die Handlung einzubauen um den Leser abzulenken, dies funktioniert nur bedingt. Die Handlung bleibt gradlinig und vorhersehbar. Das Buch fesselte mich nicht in dem Maß, wie ich es mir gewünscht hätte, mehrmals ertappte ich mich dabei, wie meine Gedanken abschweiften. Ungefähr 120 Seiten vor dem Ende wendet sich das Blatt auf einmal und Ségura bietet dramatische Szenen, die kaum Zeit zum Luft holen lassen.
Der Schreibstil ist anstrengend, die Sätze sind teils kompliziert und finden oft kein Ende. Nicht selten ist es vorgekommen, dass ich einen Satz ein-, zwei sogar auch dreimal lesen musste, ehe ich ihn verstanden habe. Es wirkt alles etwas unkoordiniert, als ob Ségura sich manchmal nicht entscheiden konnte, was nun zu erst erzählt werden soll. Fasziniert war ich allerdings von den fantasievollen und bildlichen Beschreibungen der Umgebung und der Darstellung der Geschöpfe, zum Beispiel des verbotenen Waldes, des Thronsaals oder der Amalysen.
Moire, Krepp, Taft, Satin und Damast belebten mit ihrem Schimmer und ihren kräftigen Farben den großen Thronsaal. Durchwirkt oder bestickt wärmten sich diese zarten Seidenstoffe an diesem Abend an Samt und Pelzen. Schleier, Musselin und Spitzen fielen über die Gewänder und quollen aus weiten Ärmeln hervor, wobei sie in ihrer Leichtigkeit bei jeder Bewegung und jedem Applaus flatterten. (Zitat aus Die Rebellin von Leiland I - Die Maske von Magali Ségura; Seite 312)
Die Charaktere, wie schon am Anfang erwähnt, strotzen so vor Klischees. Andin ist der schöne, junge, mutige Prinz aus einem fernen Land, der sich seines Titels schämt und als gewöhnlicher Bote durch die Lande reist. Seine innige Beziehung zu seinem Pferd Nis ist befremdlich und packend zugleich. Victoria ist das perfekte Gegenstück zu Andin, ebenfalls jung, schön und mutig von Schicksalsschlägen getroffen, stellt sie das Gemeinwohl immer über ihr Eigenwohl. Die beiden werden fast ohne Makel beschrieben, so dass man gar nicht anders kann, als sie zu mögen. Das Gegenteil stellt Kortas dar, er ist der Schuft und als Leser bekommt man keine Chance seine Beweggründe zu verstehen bzw. nachzuvollziehen Ein Aufbau von Sympathie ist einfach nicht möglich.
Das Cover ist in schlichten Grüntönen gehalten, es zeigt die Maske in dem verbotenen Wald von Leiland. Meiner Meinung nach sehr getroffen und stimmig zum Inhalt. Als alter Fantasy Leseratte hätte ich mir noch eine Karte von Leiland gewünscht.
Fazit
Die Maske ist der etwas holprige Auftakt zu der Trilogie Die Rebellin von Leiland. Typische Fantasy Klischees von vorne bis hinten. Kaum Spannung, dafür sehr vorhersehbar. Komplizierter Schreibstil, dafür aber wunderschöne Beschreibungen des fiktiven Landes Leiland. Trotz der für Außenstehende niederschmetternden Bewertung werde ich die anderen beiden Bücher lesen, da Ségura meiner Meinung nach Potential und Talent hat.