Leser-Rezension zu „Gott” von Manfred Lütz
am 13.11.2009
Atheisten sind doof. Das scheint die Kernaussage von Lütz’ Buch zu sein, das ich, zugegeben, nicht zu Ende lesen konnte. Zu sehr ist mir seine Phrasendrescherei und seine bemüht „lockere Schreibe“, mit der er dem theologischen Leichtgewicht Peter Hahne problemlos Konkurrenz machen könnte, auf die Nerven gegangen. Also: Atheisten sind doof, da sie die Nichtexistenz Gottes ja auch nicht beweisen können, ätsch! Außerdem laufen sie ständig Gefahr, zu Narzissten zu verkommen. Und zu behaupten, dass es Gott nicht gibt, ist laut Lütz ja auch gut für den Kapitalismus, der sich, von religiöser Moral losgelöst, völlig ungehemmt entfalten kann. Also: auch wenn man nicht an Gott glaubt, wäre es, um die allgemeine Anständigkeit zu fördern, besser, so zu tun als ob. Damit reiht sich Lütz in eine Reihe ein mit neuen alten wertkonservativen Erziehern à la Bernhard Bueb („Lob der Disziplin“).
Kann man ohne Religion also kein anständiger Mensch sein? Zum Glück gibt’s spätestens seit Kants kategorischem Imperativ auch andere Auffassungen (simpel ausgedrückt: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“).
Glaubenskrieger überschwemmen zur Zeit den Buchmarkt: Radikale Atheisten (in der Minderzahl) kreuzen die Klingen mit Verfassern von Besinnungsliteratur, die mal besser, mal schlechter gelungen und im schlimmsten Fall frömmelnd ist - ganz zu schweigen von der Fülle esoterischer Autoren, die instant spirituality aller Art absondern. Sinnsuche ist trendy und vielen sicher auch echtes Bedürfnis in einer Welt, die immer komplexer zu werden scheint. Doch wer sich ernsthaft für religiöse Fragen interessiert, möchte doch nicht solche simplen Behauptungen lesen: „Die vollendete narzisstische Gesellschaft wird voraussichtlich völlig versingeln. Durch das Internet miteinander vernetzt, werden diese Exemplare der Spezies Homo sapiens in einem gut geheizten, dennoch eiskalten Zuhause sitzen und miteinander chatten.“
Der Klappentext verstößt gegen das achte Gebot: „Unter der Feder von Bestsellerautor Manfred Lütz wird aus der Frage nach Gott ein spannendes Lesevergnügen, das aufgeklärte Skeptiker wie nachdenkliche Gläubige gleichermaßen bereichert und klüger macht.“ Das ist glatt gelogen. Lütz schreibt für die, die an Gott glauben (wollen) und sich durch sein Buch bestätigt sehen wollen. Außerdem wirbt er ständig für die katholische Kirche, indem er sein Werk mit Anekdötchen spickt, wie angesichts deren Glanz und Gloria sogar hart gesottene Atheisten, Protestanten und Sonstige immer wieder schier vom (Irr-)Glauben abfallen. Das Buch ist absolut überflüssig und bereichert die Diskussion über GOTT um kein Jota.
Mit letzter Gewissheit weiß sowieso nur Gott, ob’s ihn wirklich gibt oder nicht. Lütz jedenfalls hat davon genau so wenig Ahnung, wie die ganzen Psychologen, Narzissten und Atheisten, über die er sich so mokiert.

