Rezension verfasst vor 4 Jahren
(9)
Pepe Carvalho ist ein würdiger Nachfolger des großen Philipp Marlowe in Barcelona: ein hartgekochtes private-eye, arm aber souverän, sarkastisch aber weichherzig, ein Gourmet, der einen Rioja Alta 904 zu schätzen weiß, bevor er sich ihm restlos ergibt.
Er staunt jedoch nicht schlecht, als ihm eines Tages mitgeteilt wird, es warte a) ein Auftrag; b) 200.000 Peseten Vorschuß und c) ein Privatjet mit dem anheimelnden Namen Père Lachaise auf ihn. Er soll den Vater des Auftraggebers, der den höchstdotierten Literaturpreis des Landes „Venice - Stiftung Lázaro Conesal“ in Madrid höchstpersönlich vergibt, bei der Preisverleihung als Leibwächter dienen. Doch dazu wird es nicht mehr kommen: Kurz vor dem offiziellen Verkünden des diesjährigen Preisträgers wird der marode Millionär aus Edelstahl tot im Bademantel aufgefunden. Und weil Pepe Carvalho nun schon mal in Madrid ist, unterstützt er die Ermittlungen des Kommissars Sagalés...
Der Roman, dessen Handlung sozusagen den Ablauf eines einzigen Tages darstellt, wird zwar mit Rückblenden und Szenenwechseln durchsetzt; ist aber lediglich in Abschnitte unterteilt und impliziert somit, ihn am besten in einem Stück durchzulesen. Eines der zentralen Motive „Uroboros“ spielt nicht nur im Kriminalfall eine entscheidende Rolle; der Autor hat sich auch selbst daran gehalten und den Roman in eine Form gebracht, die der einer, sich selbst durch alle Dinge windenden, Schlange gleicht. Den Reihentitel „rororo thriller“ darf man nicht allzu wörtlich nehmen - sicher ist es spannend, wer nun dem Millionär aus welchem Grund ans Leben wollte, aber mehr wird man auf seine Kosten kommen, indem man in die Atmosphäre eintaucht. Skurrile Finanzhaie, lüsterne Damen jenseits der besten Jahre und größenwahnsinnige Schriftsteller drücken sich gegenseitig die Klinke in die Hand und talken so small, dass man den Eindruck gewinnen könnte, die Dialoge seien aus dem tatsächlichen Leben gegriffen. Das zieht sich durch 285 Seiten und kann so nerven, dass es eine wahre Freude ist. Klischees über die Verflechtung von Kunst und Kommerz werden vorurteilsfrei erfüllt, Politiker sind stets die Guten, da sie immer die Ahnungslosen sind und die Literatur wird so modern geplündert, dass sie zumindest als Staffage Sinn bekommt.
Selten ist der sophisticated twist zwischen dem Hehren und dem Banalen so leichtfüßig und unterhaltsam dargestellt worden - was kann man von einem Kriminalroman mehr erwarten?
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