Frankreich - 1940, dass Land stöhnt und ächzt unter der Besatzung der Militärmacht Deutschland unter der Führung der Nationalsozialisten. Als Frankreich besiegt und ein Waffenstillstand vereinbart wurde schlug die Geburtsstunde der Widerstandsbewegungen in Frankreich, der Resistance.
Sie kämpfe gegen die Deutsche Besatzungsmacht und kollaborierenden französischen Institutionen und auch gegen Sympathisanten innerhalb der Bevölkerung. Die Resistance war hervorragend und streng organisiert. Es gab innerhalb der Widerstandsbewegung kleinere operierende Gruppen, die Bahn- und Nachschubverbindungen sabotierte, Anschläge auf Soldaten und Offiziere verübten, und Kasernen und Stützpunkte zerstörten.
Es waren einfache Frauen und Männer aus der französischen Bevölkerung, nicht nur Soldaten, auch Jugendliche und sogar Kinder schlossen sich dem Widerstand an und kämpften auf ihre eigene Art und Weise, die aber nicht minder gefährlicher war, als die Front. Die Gefahr an die Deutschen denunziert zu werden glich einen Todesurteil.
Unterstützt wurden die mutigen Männer und Frauen aus der Bevölkerung und natürlich auch von den Alliierten Geheimdienste die diese in Sabotage und Geheimdienstmethoden unterwies und ausgebildet. Ihr Hauptquartier lag vornehmlich in der jetzigen Pariser Metro, die kleinen Kommandoeinheiten wechselten allerdings ihre Standorte in regelmäßigen Abständen, ihre Mobilität war einer ihrer großen Stärken.
Ihre Idealismus war bewundernswert, ihr Glauben an eine höherer Sache, an ihre Land und ihren Menschen dort, verlangten von ihnen Opfer zu bringen und viele Kinder und Jugendliche träumten davon etwas "heldenhaftes" zu tun, sich zu beweisen.
Für viele dieser Kinder und Jugendlichen gab es nach den ersten Aktionen, nach dem ersten Töten von deutschen Soldaten keine naive und behütete Kindheit mehr. Das erste Opfer was diese jungen Menschen zu Grabe trugen war ihre Unschuld.
Wenn wir zurückdenken an Gesprächen mit unseren Vätern oder gar Großvätern und den neugierigen Fragen stellten; Hast Du auch im Krieg getötet? Was hast Du erlebt oder gesehen? Dann ernten wir ernste Gesichter, und auf einem Punkt fixierte Blicke, vielleicht ein murmeln oder sie wenden sich ab, die wenigsten sprechen über Kriegerlebnisse und Erfahrungen. Zu groß der Schrecken, zu groß die Angst, zu schlaflos manche Nächte in denen der Tod sie besucht.
Marc Levy, der Autor von "So lange Du da bist", der es brillant versteht, sensible Geschichten voller Gefühl und Emotionen zu verfassen, wurde selbst eine Geschichte erzählt, eine wahre. Es waren die Erlebnisse seines Vaters in der Resistance, und aus diesen Kriegstagen schuf er seinen neuen Roman "Kinder der Hoffnung". Es ist ein Zeitdokument, ein Portrait und sicherlich eine Aufarbeitung der Vergangenheit.
Inhalt
Frankreich - Toulouse inmitten des 2. Weltkrieges. Frankreich ist besiegt, erobert und von Deutschen Truppen besetzt. Angst und Misstrauen beherrscht das Denken und Handeln der Bevölkerung, doch es organisiert sich der Widerstand.
Die Resistance arbeitet mit allen Mitteln gegen die deutschen Besatzer. Und diese mutigen Menschen sind nicht nur erwachsene Frauen und Männer. Gerade die Jugendlichen, die Mut und Risiko oftmals verwechseln mit Heldentum und Idealismus kämpfen mit einem Engagement der auch Opfer bringen muss.
Raymond ein junger Mann und sein jugendlicher Bruder Claude schließen sich dem Widerstand und kämpfen gegen die Militärische Macht Deutschlands.
Sie kämpfen Seite an Seite mit anderen Mädchen und Jungen und merken sehr schnell das ihr Kampf anders ist als sie es Vorgestellt haben. Immer in Verstecken lebend, in Angst verraten oder gefasst zu werden kostet sie schnell ihre Ideale und ihre jugendliche Unbekümmertheit. Viele ihre Freunde werden gefasst, verhört, gefoltert und schließlich ist die Gerichtsverhandlung nur noch eine Farce, dass Ende ist fast nur eine Routine und endet immer mit dem Tod.
Ihr Leben und ihr Kampf gegen die Diktaturen Hilter und Mussolini vereint sie trotz strengen Regeln innerhalb der 35 Brigade in der sie dienen. Diese wird in Toulouse eine Art von Ersatzfamilie in der die Familienmitglieder einer gewissen Fluktuation erfahren.
Ihr Kindheit lassen sie hinter sich. Raymond träumt davon der RAF zu dienen und in Luftkämpfen erfolgreich gegen die verhassten Deutschen zu kämpfen.
Anschlag folgt auf Anschlag und die Spirale der Gewalt dreht sich immer weiter. Als ein Freund von Raymond bei einer Aktion den Tod findet, nimmt er ihn im Sterben noch die Versprechung ab "Du musst eines Tages unsere Geschichte erzählen, sie darf nicht einfach so verschwinden wie ich". Raymond verfolgen diese Worte, die Entbehrungen und die Tötungen.
Jahre später in Zeiten des Friedens, die Jugend vorüber, die Seele von Erlebnissen gepeinigt, hält Raymond dieses Versprechen und erzählt seinem Sohn von dieser schicksalshaften Zeit. Dieser Sohn ist Marc Levy.
Kritik
Marc Levy versteht es mit feinem sensiblem Gespür die Lebenserinnerungen seines Vaters in einem berührenden Roman zu verwandeln. Auf dem ersten Blick ein Roman, auf den zweiten ein Zeitdokument, ein Porträt dieser unmenschlichen Zeit.
Wir können uns das kaum vorstellen, was die Kinder und Jugendlichen in dieser Zeit erlebt und ertragen haben. Wie oft müssen sich diese jungen Menschen die Frage gestellt haben" Ob wir eines Tages aus dem Alptraum erwachen, in dem wir seit Monaten leben? Zwischen Zivilcourage und täglichen Mut den sie aufbringen sitzt der lauernder Tod, die Verfolgung, der Verrat und die Folter. Was wir in Zeiten des Friedens als Selbstverständlich betrachten, wissen wir oft nicht zu schätzen, damit ist das "Leben" an sich gemeint. Die herrliche unbeschwerte Kindheit und Jugend die soviel Geheimnisse für uns bereit hält.
Und genau an dieser Stelle deutet in dem Roman "Kinder der Hoffnung" alles hin, primär ist dies genau die Botschaft die Marc Levy den Lesern immer wieder und wieder nahe bringen will. "Das es ist wichtig ist zu kämpfen"; "Dass man nicht egoistisch auf sein eigenes Leben schauen sollte".
Die Erzählungen seines Vaters sind mehr wie Erinnerungen, es sind auch Mahnungen die uns nicht vergessen lassen sollten, was in der Vergangenheit für Unrecht geschehen ist, welche Werte dieser Kampf in der Resistance verkörperte.
Marc Levy wurde mit seinem Debütroman "Solange Du da bist" ein gefragter und berühmter Autor. Diesen Roman hat er für seinen Sohn verfasst, um ihm begreiflich zu machen was "Zeit" für eine Bedeutung hat. Marc Levy hat Talent "Geschichten" mit atmosphärischer Tiefe zu erzählen. Auch das beweist er in seinem Buch "Kinder der Hoffnung". Das Buch erzählt die ergreifende Geschichte von Jungen und Mädchen die in der französischen Resistance gekämpft haben und nun überlebt, aber teils traumatisiert sind. Ein Opfer, eine Hommage auf die Kinder und Jugendlichen die für die Hoffnung auf ein anderes, besseres Leben in Freiheit getötet haben.
"Kinder der Hoffnung" ist ein spannender und sehr ergreifender Roman, der uns betroffen im Lesen inne lassenhält. Es ist aber auch kein "Kriegsroman" der historische Erlebnisse im Detail schildert. Die große und vielleicht auch einzige Schwäche des Romans ist es, dass zu wenig Licht in die Seele der Protagonisten dringt. Sicherlich hätte "Raymond" wenn er diesen Roman persönlich geschrieben hätte, emotionaler die Anschläge und ihre Auswirkungen, ihre Gedanken und Ängste. All das bleibt leider viel zu sehr offen, genau wie die Frage was Menschen dazu bringen mag in den Widerstand zu gehen, gerade in so jungen Jahren.
Der Widerstand in Frankreich war wie Marc Levys Vater erzählt eine Spirale der Gewalt. Auf vielen Anschlägen die durch die Resistance verübt werden, folgt die brutale Gegenreaktion der Besatzungsmacht, aber auch umgekehrt verhält es ebenso. Auge für Auge, Zahn für Zahn ist ein Motto was beide Kriegsparteien recht wörtlich nahmen. Bedenklich finde ich es allerdings das die Raymond und seine Gruppe der Resistance keine Unterschiede und keine Hemmungen hatten wenn sie für die "Freiheit" Deutsche Soldaten ermordet haben, egal wer es war, wenn es geht dann waren es hochrangige Offiziere. Als große Unbekannte in dieser tödlichen Gleichung war dann die Frage, was waren das für Offiziere?! Sicherlich hatten auch sie Frau und Kind in Deutschland, aber heißt es nicht auch im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt?
Konnten die jungen Menschen die Tragweite ihrer Morde und Aktionen überhaupt absehen, oder waren sie von der Struktur der Resistance schon so sehr geprägt das es für sie nicht möglich war zwischen Schuld, Teilschuld oder gar Unschuld unterscheiden zu können.
Wir können ihr Handeln weder beurteilen oder gar verurteilen. Es waren Situationen in einer extremen Zeit, die wir nicht nachvollziehen können. Wir leben in Frieden mit uns und unseren europäischen Nachbarn und es ist unsere Vergangenheit, und diese Erfahrungen sind die einzigen Zeitzeugen die diese Zeiten erklären und beurteilen können. Im Roman "Kinder der Hoffnung" vermag es Marc Levy nur wenig die Beweggründe und die Motivation zu erklären. Die Aktionen werden beinahe schon emotionslos geschildet, kalt und nüchtern und genau das wirft ein Spiegelbild auf die jungen Protagonisten. Es ist aber auch keine Beichte der jungen Widerstandskämpfer, kein Bedauern ihrer Taten, keine selbstgegebene Legitimation für die Lizenz zum töten.
Diese extreme Kühle wirkt kühl auf der ganzen Geschichte, auch wenn sie im Grunde spannend bleibt und man sich emotional sicherlich auf der Seite der Resistance zugehörig fühlt.
Fazit
Marc Levy hat mit "Kinder der Hoffnung" einen ausgezeichneten Roman über die Erlebnisse der jungen Menschen geschrieben die entgegen ihres Alters, viele Opfer gebracht haben um für eine friedvolle und gerechte Welt einzutreten. Eine Erinnerung, fast schon ein Denkmal für eine nie versiegende Hoffnung.
"Kinder der Hoffnung" ist ein solider, lesenswerter Roman der spannend erzählt ist, aber in dem man leider nicht viel über die jungen Protagonisten und ihre Motivation, ihre Gedanken und Ängste erfährt.
Für alle Fans von Marc Levy ist der Roman in einem ganz anderen Genre erzählt und ist mit seinen letzten Romanen auch in keinster Weise vergleichbar. Mit Romantik und Liebesschwüren hat "Kinder der Hoffnung" nichts zu tun. Er ist eher nüchtern und regt sicherlich zum Nachdenken und vielleicht auch Fragen nach, er ist unterhaltsam aber doch mit elementaren Schwächen, aber vielleicht ist es immer so wenn eine Lebensgeschichte von einem "neutralem" Ghostwriter niedergeschrieben wird. Gefühle und Gedanken von jemanden anderen, und sei es auch der eigene Vater, zu transportieren ist schwer.
Autor
Marc Levy wurde 1961 als Sohn eines Verlegers in Frankreich geboren. Er ist von Beruf Architekt und entdeckte schon früh seine Liebe zur Literatur und zum Kino.
Von 1983 bis 1990 lebte er in San Francisco, wo er studierte und sein erstes Unternehmen gründete.
Sein erster Roman, Solange Du da bist, der von Steven Spielberg verfilmt worden ist, wurde zu einem internationalen Bestseller, genauso wie "Wo bist Du?", "Sieben Tage für die Ewigkeit", "Bis ich Dich wiedersehe", "Zurück zu Dir?" und "Wenn wir zusammen sind".
Sei seinem Welterfolg lebt Marc Levy als freier Schriftsteller in London und Paris.
Produktinformation
Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Knaur; Auflage: 1 (August 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426663015
ISBN-13: 978-3426663011
Danke fürs Lesen und Kommentieren.
Michael Sterzik