Nicht nur ein Thriller!
In einem meiner Lieblingsbuchforen – Lies&Lausch – werden regelmäßig Leserunden veranstaltet.
Die Kurzbeschreibung:
„Berlin wird von einer Mordserie erschüttert. Der Täter stellt Filme ins Internet, auf denen zu sehen ist, wie er seine Opfer quält. Dann lockt er Journalisten zu den Leichen. Vieles deutete auf einen Zusammenhang mit den Ausländerhetzkampagnen des Innensenators hin. Kommissarin Sera Muth und ihr Ermittlungsteam ziehen den Polizeipsychologen Dr. Babicz hinzu. Diesem kommt das Vorgehen des Täters vertraut vor. In den USA hatte er bei der Überführung eines Mörders mitgewirkt, der seine Opfer bei lebendigem Leib häutete. Ist der "Knochenmann" nun zurück?“
des neusten Thrillers „Kalte Haut“ vom Berliner Autor Marcel Feige hörte sich so gut an, dass ich den Anmeldeknopf betätigte. Stressbedingt war ich Anfang Mai einige Tage nicht im Forum unterwegs. Als mir die Postbotin dann einen großen Umschlag mit dem Absender M. Feige übergab und ich diesem das Buch mit Signatur und einer persönlichen Widmung entnahm, wurde ich richtig angenehm überrascht, denn von der Verlosung hatte ich absolut nichts mitbekommen. Meine Freude war riesig.
So startete ich auch pünktlich zum Leserundenbeginn mit dem Buch und hatte es schon 3 Tage später ausgelesen. Hätte ich an den beiden Abenden zuvor nicht arbeiten müssen, wäre ich sogar noch schneller fertig gewesen.
Von Anfang an war ich sowohl vom flüssigen und bildhaften Schreibstil sowie von den verschiedenen Themen innerhalb der Geschichte gefesselt. So beginnt die Geschichte als Zeitungsartikel mit der umstrittenen Äußerung eines bekannten Politikers. Im Buch ist natürlich der Name des Politikers reine Fiktion, an die reale Aussage, kann ich mich, auch wenn es schon ein paar Jahre her ist, noch recht gut erinnern. Führte diese doch in meinem nahen Umfeld auch zu heftigen Diskussionen.
Die darauf folgenden Einblicke in das Leben der türkischen Familie, der ursprüngliche Fall der Kommissarin Sera Muth, die persönliche Situation der Journalistin Tania Herzberg, die eigenartige Beziehung des Fallanalytikers Dr. Robert Babicz zu seinem Bruder Max und das Geheimnis um den Grund seines Wegganges aus Deutschland, ich wusste lange nicht, worauf alles hinauslaufen wird, war aber schwer beeindruckt von dem, was ich zwischen den Zeilen las.
Obwohl sich der Autor Zeit lässt, seine Protagonisten einzuführen, geschah dies auf so interessante Art und Weise, dass ich die Beschreibungen, Ausführungen und Dialoge zu keiner Zeit als langatmig betrachtete, sondern mich in das Geschehen integriert fühlte, Gemeinsamkeiten feststellte. Spannung baute sich schon hier durch gekonnt gesetzte Szenenwechsel auf. Als dann der erste Mord geschah, schaffte es der Autor sogar, obwohl eigentlich offensichtlich, mich einige Seiten über die Identität des Opfers grübeln zu lassen. Die Ermittlungsarbeiten und auch die damit verbundenen Querelen und Dienstanweisungen empfand ich als sehr realistisch dargestellt. Die persönlichen Zwiespalte und privaten Begebenheiten der Ermittler und anderer Protagonisten erzeugten bei mir Sympathien und Mitgefühl.
Als sich dann immer mehr Parallelen zu dem von Robert in den USA bearbeiteten Fall des Knochenmannes und den aktuellen Ereignissen in Deutschland abzeichneten, rätselte ich natürlich mit, wer der kranke Mörder sein könnte. Teils ließ ich mich mit meinen Verdächtigungen von den Spuren des Autors leiten, teils hatte ich meinen eigenen, nicht ganz unbegründeten Verdacht. Durch die inzwischen geschaffene Dramatik immer hundertprozentig am Geschehen dabei, erlebte ich am Ende trotzdem die überraschende Aufklärung, die ich nie und nimmer vorausgesehen hätte.
Im ruhigen Epilog, mit dem der Autor das Buch dann ausklingen ließ, wurden fast alle Fragen, die sich im Laufe des Buches aufgetan hatten, beantwortet. Trotzdem blieb etwas offen, was zwar mir zwar ein bisschen gegen die mir eigene Neugier ging, letztendlich die ganze Geschichte dann aber auch wieder realistisch wirken ließ.
Marcel Feige
war mir bislang vollkommen unbekannt. Dabei ist der 1971 geborene Autor kein Neuling. Im Netz konnte ich erfahren, dass er seit 2002 in Berlin hauptberuflich als Schriftsteller tätig ist. Seine Themenschwerpunkte sind das Großstadtleben: Livestyle, Szene und Subkulturen. Die bei Wikipedia aufgelisteten Titel, auch die unter seinem Pseudonym Christian Brandhurst, klingen verdammt interessant und erweiterten gleich meine Wunschliste.
Resümee
„Kalte Haut“ hat mir ausgesprochen gut gefallen. Zum Einen konnte ich bei dem vorliegenden Fall ordentlich mit fiebern und wurde gut unterhalten, Zum Anderen gefiel mir auch der Umgang mit der umstrittenen Äußerung des Politikers und die Darstellung der Auswirkungen, die hoffentlich viele Leser zum Nachdenken anregen. Von mir gibt es eine glatte Leseempfehlung.