Rezension verfasst vor 1 Jahr
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>> Rosie hat nach meinen Perlen gefragt. Seither denke ich unentwegt darüber nach. Was bewegt den einen Menschen, ausschau nach Perlen zu halten, den anderen nicht. Rosie ist den Weg des Elends gegangen, statt in Bitterkeit zu versinken, hat sie nach Perlen ausschau gehalten. Doch welchen einzigartigen Moment habe ich aufgehoben und aufgefädelt? <<
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EINDRÜCKE: Ich habe einige Zeit gebracht nachdem ich die letzten Worte gelesenen hatte bis ich diese Rezension verfassen konnte, denn "Die häßlichste Frau der Welt" lässt mich nachdenklich zurück - nachdenklich und im Zwiespalt über dieses Buch.
Der gewählte Sprachstil von Frau Margrit Schriber ist hierbei hervorzuheben und Ursache für meinen Zwiespalt, deshalb werde ich in dieser Rezension nicht weiter auf den schon viel rezensierten Inhalt oder andere Aspekte eingehen (es würde eine sehr lange Rezension werden, denn viele Gedanken gehen mir durch den Kopf...), sondern ich beschäftige mich mit der auffälligen Sprache:
Die Sätze sind meist sehr kurz, Satzfragmente, nur das Nötigste beinhaltend, aneinandergereiht, einer nach dem anderen, keine erklärenden, erläuternden Nebensätze, abgehackt, aber klar. Dieser Stil hat mich einerseits mitgenommen in die Welt von Rosie und Julia, in die Welt eines naiven Mädchens und einer Frau, die nach Meinung vieler Leute mehr Tier als Mensch ist, hat mich teilnehmen lassen an der langsam aufkeimenden Annäherung der beiden unterschiedlichen Charaktere. Und für diese Welt ist die gewählte Sprache genau richtig: einfach, sachlich, schnörkellos, auf wichtiges beschränkt, und vorallem wenig reflektiert.
Dabei werden die beiden Hauptcharaktere einfühlsam beschrieben, die Höhen und Tiefen ihres Lebens. Langsam, zaghaft nähert man sich ihnen an, versteht sie ein wenig. Margrit Schriber jongliert mit den Worten und hat mich damit zu Gedanken über die wenigen Worte hinaus gebracht. Das hat mir wunderbar gefallen!
Andererseits war genau dieser Sprachstil aber auch störend, wobei "störend" ist das falsche Wort, eher zu wenig - zu wenig, um der Geschichte flüssig zu folgen, zu wenig, zu abgehackt, zu schnell, zu oberflächlich... schlussendlich kann ich diesen Sprachstil nicht nur positiv, aber bei weitem auch nicht negativ beurteilen, denn meine ganz eigenen Empfindungen beim Lesen waren so unterschiedlich. Teilweise hat dieser Stil mich gefesselt und in die Geschichte gebannt, manchmal aber auch einfach im Regen stehen lassen...
Zur Sprache fällt außerdem die manchmal seltsame Wortwahl auf, dies liegt vielleicht an den Unterschieden im Sprachgebrauch zwischen Deutschland und der Schweiz, aber auch an der Anpassung der Ausdrücke an die Lebenszeit von Rosie und Julia (1850 - 1860). Nicht immer wusste ich mit diesen Begriffen auf Anhieb etwas anzufangen, aber dennoch unterstützen sie die Atmosphäre des Buches.
FAZIT: Ich finde es mutig und gut, wie die Autorin die reale Geschichte der Julia Pastrana aufgreift, wie sie versucht, dieser Frau einen Charakter, ein Leben zu geben und wie sie uns Leser für ihr Schicksal sensibilisiert... dafür zolle ich Frau Schriber viel Respekt und bedanke mich trotz der Bewertung von "nur" 3 Sternen für eine interessante Lektüre (sowohl was den Inhalt als auch die Sprache betrifft)!!!
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