Leser-Rezensionen zu „Gottes leere Hand” von Marianne Efinger
Rezension verfasst vor 2 Wochen (2)
Ich hätte mich gefreut, mehr, tiefer und intensiver mit der Krankheit, Manuels Gefühlen, dem Umgang mit dem Leben und den Beziehungen zu Dagmar und Wendelin in Kontakt zu kommen.
Auch wenn man schon merkt, dass dies das Hauptthema des Buches ist, wird, meiner Meinung, das auch oft einfach als Vorzeigebild genommen, um eigentlich auf die Missstände in unseren Kliniken hinzuweisen.
Natürlich ist das wichtig, natürlich muss daran gearbeitet werden, aber wenn ich solche eine Inhaltsangabe und solche eine Leseprobe lese, möchte ich auf traurige, lustige, melancholische, gefühlsintensive Art und Weise unterhalten werden. Und keinen erhobenen Zeigefinger vor Augen haben, der mir das Schöne an dem Buch vermiest.
Schade, es hätte ein tolles intensives Buch werden können!
Rezension verfasst vor 1 Monat (2)
beeindruckend
"Gottes leere Hand" von Marianne Elfinger ist ein Buch, bei dem es mir schwerfällt es zu bewerten. Die Autorin hat sich viel vorgenommen und sehr viele Themen in ihrem Buch untergebracht.Einhelliger Tenor ist aber die Kritik am derzeitigen Gesundheitssystem, bzw. die Zustände in den Krankenhäusern.
Die Geschichte führt uns zu Anfang in das Leben des Wirtschaftsjournalisten Manuel Jager, eines hochintelligenten Menschen, der aber immer wieder auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen ist,durch die Erkrankung an der er leidet. Er hat Glasknochen. Jeder Druck , der auf seine Knochen ausgeübt wird, führt unweigerlich zum Bruch desselben.Aus diesem Grunde funktioniert auch seine Atmung sehr schlecht, jede Infektion macht eine Antibiotikagabe nötig, damit es nicht zur Lungenentzündung kommt.Außerdem benötigt er ein Atemgerät, dass ihm im Notfall Sauerstoff zuführt.Diese Sauerstoffzufuhr ist es auch, die ihn ein weiteres Mal ins Krankenhaus kommen läßt.Seine letzte Sauerstoffzufuhr war zu stark, sodass er nur knapp dem Tod von der Schippe springen konnte. Er kommt ins Marienhospital zur Behandlung, doch seine Behandlung steht unter keinem guten Stern.
Von diesem Zeitpunkt an, wird das Buch meiner Meinung nach zu einer großen Kritik am heutigen Gesundheitswesen. Die Zustände im Krankenhaus werden gnadenlos offengelegt. Personalmangel, der dazu führt, dass die Patienten nicht richtig versorgt werden können oder Fehler gemacht werden. Angestellte,die ihren Idealismus, den sie zu Anfang ihrerer Beruftstätigkeit noch hatten, an der Realität zerbrechen sehen. Für sie heißt es , entweder mitmachen oder aussteigen. Pj-tler, die nachts für 5 Stationen zuständig sind, obwohl sie noch im Studium sind.
Da ich selbst im Gesundheitswesen arbeite, kann ich sagen, dass die Darstellungen der Autorin nicht übertrieben sind.Die Angestellten im Gesundheitswesen, ob Ärzte, Pfleger oder Krankenschwestern arbeiten immer am Limit.
Trotzdem nimmt die Autorin der Realität etwas ihre Schärfe, indem sie einige Figuren sehr empatisch erscheinen läßt. Die Krankenschwester, die trotz ihres Stresses das Fenster nach dem Tod des Patienten öffent , um seine Seele entfliehen zu lassen, oder Herr Weihrauch, der kauzige Patient, der den Sterbenden zur Seite steht und eine Verbindung nach "oben"zu haben scheint.
Alles in allem finde ich, dass Frau Efinger sehr realistisch geschrieben hat, doch ich hatte manchmal das Gefühl, dass sie den Faden verlor, denn der zu Anfang eingeführte Manuel Jäger, nahm nur noch einen geringen Platz in der Geschichte ein.Auch kamen viele Themen zur Sprache, wie zum Beispiel Mobbing,Behinderung oder auch Sterbehilfe, die allerdings nur ganz kurz abgehandelt wurden.
Man merkt der Autorin an, dass ihr diese Themen am Herzen liegen und ich finde es sehr gut, dass auch Lesern, die vielleicht nicht so viel mit dem Gesundheitswesen zu tun haben, hier die Augen geöffnet werden. Ein Beruf im Gesundheitswesen kann nicht hoch genug geschätzt werden, denn hier handelt es sich um kranke, abhängige Menschen, die von diesen Menschen gepflegt und behandelt werden und ein jeder von uns kann schnell in diese Abhängikeit kommen.
Rezension verfasst vor 5 Monaten (10)
Krankenhaus; damit verbinden die meisten Menschen nichts Gutes. Sie gehen meist nicht gern in ein Krankenhaus, weder als Patient, noch als Besucher. Aber manchmal läßt es sich nicht vermeiden. Manuel Jäger war schon oft im Krankenhaus, zu oft. Und auch nun scheint es unvermeidbar, denn er hatte einen akuten Anfall von Sauerstoffmangel. Manuel weiß, wie es im Krankenhaus zugeht, denn er hat sogenannte Glasknochen, Knochen, die viel zu schnell brechen können. Er weiß schon garnicht mehr, wie oft er wegen eines Knochenbruches operiert werden musste. Und nun muß er ins Marienhospital, weil er seinem besten Freund Lothar versprochen hat, sich vorsichtshalber doch untersuchen zu lassen. Und bis Weihnachten ist er bestimmt wieder zuhause.
Aber sein Aufenthalt steht unter keinem guten Stern, stundenlang steht er im Röntgen, sein Rollstuhl ist ungebremst, und Manuel könnte sich bei dem Versuch, die Bremse anzuziehen, schon das Handgelenk brechen. Auf der Station herrscht Hetik, schlechte Stimmung, das Pflegepersonal ist chronisch überarbeitet, und sein Mitpatient provoziert ihn ständig. Die Ärztin ist oberflächlich, immer nur schnell schnell, der Arzt im Praktikum noch viel zu unsicher. Schwester Dagmar ist mächtig erkältet, und kommt trotzdem zum Dienst, Schwester Marion und Jutta zicken sich nur an, die Schülerinnen kommen zu kurz, Anordnungen werden wegen schlechter Erklärungen nur mangelhaft oder verkehrt ausgeführt. Und mittendrin immer wieder Manuel, dem es jeden Tag schlechter statt besser geht.
Meine Meinung
Ich hatte mich nach einer Leseprobe sehr für das Buch interessiert, da ich ja selbst als Krankenschwester tätig bin. Viele der geschilderten Situationen sind mir also nicht unbekannt. Aber so rechte Lesefreude wollte nicht aufkommen. Die Geschichte von Manuel Jäger ist sehr interessant, darum habe ich weiter gelesen. Aber der Schreibstil von Frau Efinger sagt mir überhaut nicht zu. Ihre Erzählweise ist mir einfach zu nüchtern, zu sachlich. Sie hat sich bemüht, viele fachliche Begrifflichkeiten zu erklären, und es wird auch viel über Kosten und Qualität diskutiert. Nur fand ich diese Passagen einfach zu lang, zu ausführlich, und schlichtweg uninteressant. Wobei sie nebenbei gesagt keineswegs übertrieben hat mit ihrer Darstellung.
Mir fehlte einfach die Herzlichkeit, die dieser Beruf trotz aller Probleme mit sich bringt. Ihr Stil hat mich nicht berührt, ich finde es lieblos und kühl. Natürlich geht es um kranke Menschen, aber auch die sind nicht ohne Emotionen, und es sind viele ernste Situationen beschrieben, das ist wirklich nicht zum Lachen, ganz im Gegenteil. Die Autorin war selbst Krankenschwester, und wenn sie wirklich ihre Erfahrungen in diesem Roman verarbeitet hat, tut es mir leid für sie, dass sich ihr vieles so dargestellt hat, wie es in diesem Buch zu lesen war.
Unterm Strich
Eine Geschichte, die vielleicht das Leben schrieb, aber für mich sehr unlebendig erscheint. Ich hätte lieber mehr über Manuel Jäger erfahren, als über die Kostendeckelung und die Qualitätssicherung im Krankenhaus.
Rezension verfasst vor 9 Monaten (22)
Der Wissenschaftsjournalist Manuel Jäger wurde mit Glasknochen geboren und landet zum x-ten Mal im Krankenhaus. Dort lernt er die Krankenschwester Dagmar kennen, die ihn eigentümlich fasziniert, weil sie ihn an seine bei einem Unfall getötete große Liebe Lenora erinnert.
Doch sein Aufenthalt im Marienhospital steht von Anfang an unter keinem guten Stern. Als er sich eine Erkältung zuzieht, die für ihn lebensgefährlich ist, da er wegen seiner Glasknochen den Schleim nicht abhusten kann, beginnt für Manuel ein Kampf auf Leben und Tod.
Ich war wahnsinnig begeistert von der Leseprobe so dass ich es kaum erwarten konnte dieses Buch zu lesen. Ich wurde auf keinen Fall enttäuscht.
Ich habe mich bei diesem Buch auf eine emotionale Achterbahn begeben.
Man wird mitgenommen hinter die Fassaden von Krankenhauswänden. Hinter denen es leider nicht immer so strahlendweiß zugeht. Was leider sehr erschreckend ist. Wenn man selber so wie ich schon das ein oder andere mal im Krankenhaus gelegen hat kann es nachvollziehen. Man bekommt den Stress und die Hektik des Krankenhausalltags leider hautnah zu spüren.
Man spürt beim Lesen das sich die Autorin eindringlich mit diesem Thema Krankenhaus beschäftigt hat und Ihre eigenen Erfahrungen die sie selbst als Krankenpflegerin machen konnte, verarbeitet hat.
Ich wurde sehr oft von meinen Gefühlen überwältigt. Ich musste sehr oft schluchzen und auch die ein oder andere Träne konnte ich einfach nicht zurück halten. Ich bin von solchen emotionalen Büchern immer wieder stark beeindruckt.
Das lange Nachdenken nach solchen Büchern bleibt bei mir einfach nicht aus.
Ein unglaublich gefühlvolles Buch das ich bestimmt nicht so schnell vergessen werde.
Rezension verfasst vor 11 Monaten (6)
Manuel leidet an der Glasknochenkrankheit. Doch die Krankheit bringt nicht nur Knochenbrüche mit sich: ständige Atemprobleme, Zahnausfall, Untergewicht...Zu alle dem kommen seine Sehnsüchte, die Einsamkeit. Manuel fühlt sich oft mißverstanden, bemitleidet, ausgegrenzt. Er fühlt sich nicht vollwertig anerkannt. Dies ändert sich, als er Lenora kennenlernt. Sie nimmt ihn so wie er ist. Doch beider Glück, was langsam wuchs, soll nicht von langer Dauer sein....Er verfällt wieder dieser quälenden Einsamkeit.
Als er nach einem erneuten Atemnotanfall wieder einmal ins Krankenhaus eingeliefert wird, trifft er auf Dagmar, die ihn stark an Lenora erinnert. Die Krankenschwester, die trotz Pflegenotstand, stets um ihre Patienten bemüht ist. Gehetzt von strengen Zeitvorgaben, getrieben manchmal von der Angst vor Vorgesetzten, ihr Privatleben so stark vernachlässigend, dass selbst ihr eigenes Appartment im Chaos versinkt...
Fazit: Eine Krankenhaus - beleuchtet aus den verschiedensten Sichtweisen von Patienten und Ärzten / Pflegepersonal - im Zeitrahmen einer Woche. Nicht mehr und nicht weniger. Mich hat dieses Buch nicht wirklich überzeugt. Ein wunderschöner Buchtitel, mit wundervollem Cover - dem kann der Roman jedoch nicht gerecht werden. Alles wirkt wie ein einziges trauriges Kammerspiel; man fühlt sich selbst gefangen in diesem Krankenhaus. Mir fehlt die eigentliche Bewegung in der Geschichte. Ein Buch, um Krankenhausmißstände "aufzudecken" und um auf den täglichen Pflegenotstand hinzuweisen, ist für den Leser einfach nur ermüdend und irgendwann auch langweilig. Daher von mir leider nur ein ganz ok - gut.
Rezension verfasst vor 1 Jahr (9)
Schon beim Lesen der ersten Seiten merkt man: Die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Viele der ihr beschriebenen Situationen sind Alltag in jedem Krankenhaus und erinnern mich an meine eigenen Arbeit.
Das Buch ist in sechs Kapiteln - Montag bis Samstag/Sonntag unterteilt. In jeden gibt es Unterteilungen in denen die Geschehnisse aus verschiedenen Blickwinkeln (der Ärzte, des Pflegepersonals, der Patienten und der Besucher) beschrieben werden.
Manuel Jäger ist mit Glasknochen auf die Welt gekommen, nach einem Atemstillstand zu hause kommt er ins Krankenhaus, wo er nie wieder hinwollte.
Schwester Dagmar arbeitet im Marienhospital, schon lange zweifelt sie an ihrer Berufswahl, da sie nicht so arbeiten kann, wie sie gern möchte.
Christian Fischer, angehender Arzt ist noch unsicher und geht nicht auf die Wünsche der Patienten ein.
Lothar Haller, der beste Freund von Manuel versteht nicht, dass dieser mit seinem Leben zu frieden ist und sucht Zuversicht in der Forschung.
Zitate aus dem Buch, die mich zum Nachdenken anregten: “Aber wenn ein junger Mensch keine Wurzeln bekommt, dann ist er wie ein Blatt im Wind, es treibt ihn mal hierhin und mal dorthin.” - “ Sie brauchen aber auch Flügeln. Wie können sie ihre Flügel entfalten, wenn wir ihnen einen Käfig aus unseren eigenen Vorstellungen bauen?”
Marianne Efinger beschreibt in Gottes leere Hand sehr eindrucksvoll, was jeden Tag im Gesundheitswesen falsch läuft, ohne dass das Pflegepersonal, die Ärzte oder die Krankenhausverwaltung etwas daran ändern können oder teilweise auch wollen, da alles eine Frage des Geldes bzw. des Überlebens des eigenen Arbeitsplatzes ist.
Wie im Buch bereits erwähnt, ist es Ironie, dass man von Qualität spricht, obwohl immer mehr Personal eingespart wird - Wer soll dann für Qualität sorgen?
Die vielen Fachbegriffe bezüglich der Gesundheitsstruktur sind vielleicht nicht jedem Leser geläufig, aber bestimmt machen sie ohne Glossar einige neugierig. Medizinische und Pflegerische werden bildlich (Stoma - Darmende = rosige Qualle) und ausführlich beschrieben und umschrieben.
Fazit: Als Leser ist man bestimmt nicht immer froh darüber, was man so liest. Aber vor der Wahrheit darf man die Augen nicht verschließen. Eine sehr lesenswerte Aufarbeitung der eigenen Hilflosigkeit im heutigen Gesundheitswesen und den Umgang mit Liebe, Freundschaft, Gesundheit, Krankheit, Leben und Tod in der Gesellschaft. Nachdem Lesen war ich sehr erstaunt, dass dieses Buch in eine ganz andere Richtung ging, wie ich glaubt, es handelt ich nämlich nicht um einen Liebesroman.
Rezension verfasst vor 1 Jahr (6)
Der 38-jährige Manuel Jäger liegt auf einer Intensivstation. Er wurde mit Glasknochen geboren, eine seltene Krankheit, die seinen ganzen Körper äußerst verletzlich macht und lebensbedrohlich ist: Da er nicht einmal normal husten kann, kann selbst eine gewöhnliche Erkältung für ihn fatal enden.
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Die im kalten Licht getauchte Intensivstation wirkt wie eine Theaterbühne, das medizinische Personal wie Schauspieler. Und das Stück, das Manuel sofort in den Sinn kommt, ist "Warten auf Godot". Dieser von Samuel Beckett geschriebene Klassiker des absurden Dramas enthält zahlreiche Wortspiele. Die Interpretationen des erfundenen Namens "Godot" sind die meisten. Auf die unterschiedlichsten Personen, Ereignisse und Begriffe wurde er bereits bezogen, aber zwei von ihnen sind für diese Geschichte ganz entscheidend: Von links nach rechts gelesen enthält "Godot" das englische Wort "god", von rechts nach links das deutsche "Tod".
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An Gott hat Manuel als Kind geglaubt, als Erwachsener nicht mehr, und hat sich einen Namen als Wissenschaftsjournalist gemacht, der im Internet als "Der Kopf" bekannt ist. Die Wissenschaft scheint aber Menschen wie ihn vermeiden zu wollen. Die pränatale Diagnostik hat dazu geführt, dass die meisten Föten mit Behinderungen abgetrieben werden, so dass eine Trennung zwischen "wertem" und "unwertem" Leben vor der Geburt stattfindet. Was als unwert wahrgenommen wird, ist eigentlich alles, was von der Norm abweicht, und die Grenzen des Normalen werden immer enger und enger. Manuel weiß, dass die unnötige Trennung zwischen gesund und behindert Persönlichkeiten mit ihren individuellen Merkmalen und Fähigkeiten verschwinden lässt. Er hat seinen missgestalteten Körper akzeptieren gelernt. Seine verstorbene große Liebe Lenora hat ihm dabei geholfen und jetzt erinnert ihn die andere Hauptfigur des Romans an sie - Schwester Dagmar.
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Die Probleme Dagmars spielen im Buch, das sich von üblichen Arztromanen erheblich unterscheidet, eine genau so zentrale Rolle wie die Manuels. Sie ist den Widrigkeiten des Krankenhausbetriebs ausgeliefert, die wenig mit ihren Idealen zu tun haben, und will ihre Patienten richtig versorgen, kann es aber aus zeitlichen Gründen nicht leisten. Das Pflegepersonal ist ungenügend und überlastet, die hygienischen Bedingungen manchmal furchterregend und die Kranken vernachlässigt. Im Widerspruch zum Alltag steht das ständige Gerede von Exzellenz. Die Krankenhäuser sollen in Zukunft wie Wirtschaftsunternehmen geführt, die Qualität gesteigert und dank Stammzellenforschung und Gentechnik irgendwann gar der Tod besiegt werden.
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Ich habe den Roman zwar schnell und gern gelesen, die gegenseitige Wahrnehmung der Figuren und ihr Umfeld wurden für mich sehr gekonnt dargestellt, die Mischung aus Sachlichkeit, Pathos und ab und zu sogar Humor hat es mir angetan und die Gedanken zum Thema "Normalität" und "Behinderung" ebenfalls. Aber gerade das sehr zentrale Thema Tod hat meinen positiven Eindruck relativiert. Die Kritik der Autorin an die oben genannten Ziele der modernen Medizin ist auf jeden Fall berechtigt, aber für mich fehlt im Buch die nötigen Sensibilität, um mit diesem schwierigen Thema adäquat umgehen zu können. Der Tod, der durch esoterische Visionen von Tunneln, Lichtbrücken und Farbsymphonien beschrieben wird, wird auch an unterschiedlichen Stellen als Heilung, Leben, Glück und Hilfe bezeichnet, was ich in zwar akzeptieren könnte, allerdings nur wenn derartige Reflexionen nicht von Medizinern stammen, die eigentlich das Schicksal ihrer Patienten meinen. Für Schwester Dagmar ist das fremde Sterben nämlich kein mit Schuldgefühlen verbundener Alptraum, sondern 'ein kostbarer Schatz', an den sie sich 'in Augenblicken der Stille und Besinnung' (S. 247) gern erinnert.
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Die Sternenzahl ist sehr irreführend und wird der Qualität des Buchs nicht gerecht. Aber wegen dieser Einstellung, die unter Umständen zu recht gefährlichen Interpretationen führen kann, bin ich ziemlich verwirrt und weiß nicht, wie ich diesen sonst recht gelungenen Roman beurteilen sollte.
Rezension verfasst vor 1 Jahr (4)
stimmt nachdenklich...
Eines Nachts leidet Manuel Jäger unter akuter Atemnot in deren Verlauf er das Bewusstsein verliert. Manuel hat mit seinem Leben schon abgeschlossen, als er wieder zu sich kommt. Sein Freund Lothar hat die Sanitäter informiert, die ihn nun ins Krankenhaus mitnehmen möchten. Manuel sträubt sich da er aufgrund seiner Glasknochenkrankheit schon viele Krankenhausaufenthalte hinter sich hat und auch viele schlechte Erfahrungen mit Krankenhäusern gemacht hat. Doch Lothar überredet ihn und so findet sich Manuel kurze Zeit später in der Notaufnahme des Marienhospitals wieder. In der Klinik arbeitet Schwester Dagmar, die Manuel stark an seine vor einigen Jahren bei einem Autounfall gestorbene Freundin Leonora erinnert. In der Klinik herrscht Personalmangel. Das Pflegepersonal hat nicht einmal Zeit, die Patienten regelmäßig zu waschen. Aufgrund des zeitlichen Drucks passieren Fehler. So wird Manuel zunächst wird zum Röntgen gebracht und nach der Untersuchung auf dem zugigen Flur vergessen und holt sich eine Erkältung. Als er dann zwei Tage später zur Toilette geht, rutscht er aus und bricht sich den Arm, so wird er auf die Chirurgie verlegt und seiner Erkältung wird zunächst keine größere Bedeutung beigemessen. Was nicht folgenlos bleibt…
In diesem Buch wird eine Woche des Alltags im Marienhospital dargestellt. Die einzelnen Kapitel sind mit den jeweiligen Wochentagen überschrieben. Innerhalb dieser Kapitel gibt es noch Unterkapitel, in denen der Alltag des Krankenhauses aus Sicht der Ärzte, Krankenschwestern und Patienten dargestellt wird. Der Schreibstil ist einfach und daher gut zu lesen.
Marianne Efinger verarbeitet in „Gottes leere Hand“ ihre eigenen Erfahrungen als Krankenschwester. Da ich das Buch in diesem Wissen gelesen habe, hat es mich sehr zum Nachdenken angeregt. Sieht der Alltag in einem Großteil der deutschen Krankenhäuser tatsächlich so aus?
Dieses Buch befasst sich mit zwei zentralen Themen. Zum Einen steht der Personalmangel dieses Krankenhauses im Vordergrund. Es werden immer wieder Situationen beschrieben, in denen aufgrund des Zeitdrucks Fehler passieren. So will eine Krankenschwester eine Infusion für einen Patienten vorbereiten, verschiebt das allerdings auf später, da sie kurz das Zimmer verlassen muss. In der Zwischenzeit kommt der Arzt, sieht den Transfusionsbeutel und hängt den Patienten daran. Nicht ahnend, dass sich nur Luft in dem Beutel befindet, was für den Patienten im schlimmsten Fall tödlich enden kann.
Der zweite Aspekt des Buches geht auf den an der Glasknochenkrankheit leidenden Patienten Manuel Jäger ein. Die Autorin stellt seine Gedanken und Gefühle in Bezug auf seine Behinderung sehr einfühlsam dar. Sie beschreibt seine Behinderung ohne plakativ darzustellen, dass Menschen mit Behinderungen nur bemitleidenswert sind. Manuel ist größtenteils (wie jeder Mensch mal mehr und mal weniger) mit sich im Reinen und leidet am meisten unter den Reaktionen der Mitmenschen auf seine Glasknochenkrankheit. Da wird einem wieder einmal bewusst, wie gut man es hat, einen gesunden Körper zu haben und dass man das im Alltag viel zu selten wert schätzt.
Mir hat der Roman gefallen und ich empfehle ihn gerne weiter.
Rezension verfasst vor 1 Jahr (9)
Manuel Jäger ist mit Glasknochen auf die Welt gekommen. Mittlerweile ist er ein erwachsener mann, der als Wissenschaftsjournalist anerkannt ist. Da er mit Blick auf die körperlichen Leistungen mit vielen anderen Menschen nicht mithalten kann, hat er sich auf das Denken spezialisiert und wird in der Science Community "der Kopf" genannt. Zu jeder Frage hat er die richtige Antwort. Er macht sich über sehr unterschiedliche Dinge Gedanken, sprengt Fachgrenzen und ist sehr kreativ. An einem Abend in der Vorweihnachtszeit muss Manuel mal wieder in ein Krankenhaus. Eigentlich hatte er sich vorgenommen nicht wieder in ein Krankenhaus zu gehen, doch sein bester Freund Lothar hat ihm verdeutlicht, dass es notwendig ist und sicher nicht für eine lange Zeit sein wird. Er wird in das Marienhospital gebracht. Dort arbeitet die Krankenschwester Dagmar. Sie hat für jeden Patienten ein (ernsthaftes) Lächeln übrig und versucht auch ein offenes Ohr für jeden zu haben. Doch die äußeren Bedingungen sorgen dafür, dass sie manchmal noch nicht einmal die Zeit hat die Patienten zu waschen. Hinzu kommen Ärzte die Qualifikationspunkte sammeln müssen und in Gremien arbeiten sollen. Doch die Zeit für die Patienten wird immer geringer. Auch durch die veränderte Finanzierung innerhalb des Gesundheitssystems treten viele neue und negative Aspekte auf. Dagmar versucht immer wieder alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Mit der Zeit zweifelt sie aber, ob sie ihren Beruf weiterhin ausüben möchte. Als Manuel auf der Station eingeliefert wird verstehen sich die Schwester und er auf Anhieb. Und das ganz ohne Worte. Zudem erinnert Dagmar ihn an seine verstorbene Verlobte. Zu dieser Gesellschaft tritt Wendelin Weihrauch hinzu. EIn älterer und scheinbar verwirrter Mann. Zwischen im und Manuel entwickelt sich eine besondere Beziehung.
Sprache und Stil: Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven einzelner Figuren erzählt. Die beiden Personen im Zentrum sind Dagmar und Manuel. Der Patient, der mehr Zeit im Krankenhaus als in seinem Haus verbracht hat und die Krankenschwester, die ihr bestes gibt, geben Einblicke in ihre Sicht auf das Gesundheitssystem in Deutschland und die Arbeit in einem Krankenhaus. Die Autorin schafft es hervorragend auf beide einzugehen. Das Innenleben von Manuel Jäger, seine Gedanken zum Leben als so genannter Behinderter und der Rückblick auf seine Erlebnisse werden eindringlich mit sanften aber gleichzeitig eindringlichen Worten beschrieben. Genauso lernt man Dagmars Verzweiflung und ihren Kampf kennen. Ihre Sehnsucht von der technisierten Krankenhauswelt wegzukommen geht fast in den Leser über.
Die Sprache ist dabei nicht oberflächlich, aber auch nicht lehrerhaft. Sie zeugt zwar von einer Wut auf das System, aber man versteht die Gründe dafür. Alles ist sehr nachvollziehbar. Daher liest sich der Text auch sehr flüssig und angenehm.
Fazit: Für mich handelt es sich um ein hervorragendes Buch, das verschieden Lebensfacetten aufzeigt. Man überlegt selbst wie man handeln würde und wo man mit seiner Meinung steht. Mich hat Manuels und Dagmars Geschichte mitgerissen und am Ende zum Weinen gebracht. Und als ich las, dass die Autorin ihre Einnahmen für das Projekt "Ein Haus für die Arche" spendet, habe ich mir vorgenommen unermüdlich die Werbetrommel zu rühren.
Rezension verfasst vor 1 Jahr (11)
Dieser Roman ist wunderbar dafür geeignet, das Leben im Krankenhaus kennenzulernen. Die Autorin hat sehr genau beobachtet und die Gefühle der Personen sehr feinfühlig beschrieben. Da ich selber in diesem Bereich gearbeitet habe, kann ich sagen, es entspricht der Realität, ja es ist teilweise sogar untertrieben. Ich habe schon schlimmere Umstände erlebt und das ist schon viele Jahre her. Einzig auf Privatstationen geht es noch anders zu und ich denke, dass ein Patient, der privat versichert ist, gar nicht weiß, wie sehr er anders behandelt wird, wie ein gesetzlich versicherter Patient. Auch das ist eine Erfahrung, die ich immer wieder machen konnte. Wie mag es erst Menschen gehen, die gar keine Krankenversicherung haben ? Auch in Deutschland gibt es viele, die nicht versichert sind.
Zum Inhalt: Manuel Jäger leidet an der Glasknochenkrankheit und ist, da er nach einem Zusammenbruch in seiner Wohnung wiederbelebt wurde zum wiederholten Male im Krankenhaus gelandet. Dort bricht er sich bei einem Sturz die Hand und holt sich noch eine Erkältung obendrauf. Manuel Jäger hat genug vom Krankenhaus und ist gleichzeitig von der Erkältung so geschwächt, dass er sein Testament macht, da er mit dem Schlimmsten rechnet. Einziger Lichtblick ist Schwester Dagmar, die ihn an seine verstorbene Verlobte Lenora erinnert.
Schwester Dagmar ist eine Krankenschwester, die sich in dem ganzen Krankenhausbetrieb die Menschlichkeit bewahrt hat. Sie sieht die Patienten nicht als Nummer oder Krankheit sondern in erster Linie als Mensch. Sie nimmt die Fragen, Ängste und Sorgen ihrer Patienten ernst und kümmert sich um sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten.Aber sie muss immer wieder erkennen, dass kaum Zeit ist, mit den Patienten zu sprechen und das nötigste an Pflege ihnen zukommen zu lassen. Als ihr der Posten der Stationsleitung angeboten wird, lehnt sie ab. Sie möchte nicht mit noch mehr Bürokramm zu tun haben und den Kontakt zum Patienten ganz verlieren.
Dann ist da noch der junge Assistenzarzt Christian Fischer , der noch Ideale und Vorstellungen von seinem Beruf hat, die er nach und nach ablegen muss, obwohl er nicht möchte. Er möchte den Menschen helfen und nicht sie als Nummer behandeln. In seinem ersten Nachdienst erfährt er, wie schwierig das ist, wie nahe Tod und Leben beisammen liegen und das er es nicht immer in der Hand hat, wie die Sache ausgeht.
Dann gibt es noch viele Bereiche, die in dem Roman beschrieben sind, über die man auch Romane schreiben könnte: Die Bürokratie im Krankenhaus, die Rangordnung der Ärzte, das Verhalten der Ärzte zum Patienten usw. leider ist es oft nicht so, wie es sein sollte und leider stumpfen viele mit der Zeit ab und das System wird noch unmenschlicher.
Der Roman hat ein wunderschönes Ende, das ich hier natürlich nicht verraten möchte.
Fazit ein Roman, der allen Interessierten zeigt, wie es so im Krankenhaus abläuft und das Ende des Romans macht Mut zur Hoffnung, dass sich vielleicht doch das ein oder andere ändert.









