Marie-Aude Murail – Drei für immer
Produktinformationen:
Autor: Marie-Aude Murail
Titel: Drei für immer
Untertitel: -/-
Originaltitel: Oh, boy!
Verlag: Fischer Schatzinsel
Sprache: Deutsch
Kosten: €8,95 (D) €9,20 (A)
Seitenanzahl: ca 250
Art: Taschenbuch
ISBN: 978-3-569-80995-0
Genre: Real Life,
Meine Altersempfehlung: 12+
Erster Satz:
Seit zwei Jahren wohnte in der Rue Mercoeur 12 in Paris die Familie Morlevent.
Rückentext:
UNGLÜCK UND EIN STÜCK VOM GLÜCK.
„Kommt, wir machen ein Geschwör“, schlug Morgane vor. „Wir schwöre, dass niemand uns trennen kann. Nicht, Siméon?“
Aber Siméon, der Älteste der drei, saß gedankenverloren auf dem Boden und rührte sich nicht. Seit einem Tag waren sie Kinder-die-keine-Eltern-mehr-hatten. Venise, die Kleinste, begriff das noch nicht so richtig. Schön und gut, vielleicht war Mama tot, aber sie musste sie doch am Montag zum Tanzen fahren.
Drei verwaiste Geschwister auf der Suche nach einem neuen Zuhause: Selten kommt der Ernst des Lebens mit so viel Witz daher wie in diesem turbulenten und ergreifenden Roman.
Über die Autorin:
Marie-Aude Murail stammt aus einer Schriftsteller-Familie aus Le Havre, Frankreich. Sie studierte Philosophie an der Sorbonne. Sie zählt zu den beliebtesten Kinder- und Jugendbuchautorinnen Frankreichs und wurde mit zahlreichen Preisen geehrt.
2008 erhielt sie für „Simpel“ von der Jugendjury den Deutschen Jugendliteraturpreis.
Inhalt:
Siméon ist Hochbegabt, zwölf Jahre alt und will in einem halben Jahr sein Abi machen. Doch da kommen ihn eigene Sachen dazwischen. Er lebt mit seinen Schwestern Morgane und Venise zu Hause, ohne Mutter, denn sie hat sich umgebracht. WC-Reiniger hat sie getrunken.
Und so muss er sich darum kümmern, dass er mit seinen Schwestern zusammen wohnen kann. Deswegen muss er einen Verwandten finden, dem er das Sorgerecht aufdrücken kann. Denn lieber würden die Kinder sterben, als getrennt zu werden. Schließlich haben sie das Geschwör gemacht.
„Die Morvelents oder der Tod.“
Siméon redet mit der Anwältin, die für sie zuständig ist, und sie findet tatsächlich zwei Verwandte: einen schwulen Halbbruder und eine perfekte Halbschwester. Barthélemy und Josiane.
Die Mädchen finden Barthélemy allein vom Namen her super, und Venise hat ihm sogar Bilder gemalt, mit drei Herzen. Doch er weigert sich, die Kinder anzunehmen. Er wäre kein guter Vater, und sein Freund wohnt bei ihm, und der hasst Kinder.
Josiane kommt zu der Einladung der Richterin und verliebt sich sofort in Venise. Denn, was die Richterin nicht weiß, versucht sie schon seit Ewigkeiten, schwanger zu werden. So will sie das Sorge- und Pflegerecht, aber nur für Venise.
Die Richterin drückt Bart die Kinder für ein Wochenende auf, und mit der Zeit gewöhnen sich die Halbgeschwister aneinander. Sie dürfen bei Bart wohnen, am Wochenende, und unter der Woche müssen sie im Heim wohnen.
Und ein weiteres Problem stellt sich zwischen Siméon und das Abi: Er ist immer schlapp und hat Hautausschlag. Bart schleppt ihm zum Arzt, der sie ins Krankenhaus, in die Abteilung für Leukämie-Patienten weiterleitet…
Meine Meinung:
Kaufgrund/Ausleihgrund:
Langeweile.
Sprache, Ausdruck:
Es wird aus der Er-/Sie-Perspektive erzählt, der Ort wird manchmal gewechselt, sodass man in alle Leute „reinlesen“ kann. Wie immer ist der Sprachstil von Murail wunderbar, witzig, aber gleichzeitig ernst. Das ernste Thema, Waisenkinder sein, eine neue Familie suchen, und todkrank werden. Alles trifft die Familie und trotzdem musste ich oft schmunzeln. Wenn Venise spricht, ist das total niedlich. Es wurde gut übersetzt, denn die Lispel- und Satzbaufehler, die ein Kleinkind macht, sind einfach nur goldig.
Als Kapitelunterschrift gibt es immer wieder einen Satz, der beschreibt, was passieren wird, was ich persönlich aber nicht so gerne mag.
Figuren:
Wichtigste Figuren: Siméon, Morgane, Venise, Barthélemy, Josiane.
Die Figuren haben Herz. Sie leben. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Sie haben alle eigene Handlungen, und gerade Venise ist sprunghaft in ihren Gefühlen, wie es Kleinkinder nun mal sind.
Aufmachung (Cover + Titel):
Der Titel passt. Die Drei, Siméon, Morgane und Venise, wollen für immer zusammenbleiben, und nicht in verschiedene Familien gesteckt werden. Auch der Originaltitel „Oh, boy!“ ist witzig, weil das Bart immer sagt.
Das Cover ist schön. Man sieht drei Paar Chucks, ausgezogen, als wolle man sagen: Hier sind wir, wir wohnen hier. Zusammen. Die Schrift erinnert mich an die Schrift von Kindern, ich weiß nicht wieso. Und wegen dem roten Hintergrund muss man den Blick einfach darauf wenden.
Fazit:
Marie-Aude Murail ist eine begnadete Autorin, und auch mit diesem Buch hat sie wieder einen Volltreffer gelandet. Ich kann eigentlich nur sagen, dass sie so viel Humor in das ernste Thema gebracht hat, dass man darüber lächeln kann – und im nächsten Moment so berührt ist, dass einem der Kloß im Hals sitzt.
Wer Real Life – Romane mag, der sollte „Drei für immer“ lesen. Und auch nur für Zwischendurch ist es trotz des riskanten Themas geeignet.