Rezension verfasst vor 4 Jahren
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Thema des ersten Romans von Marisha Pessl ist im Großen und Ganzen das letzte Highschool-Jahr ihrer Protagonistin Blue van Meer. Ihr Vater, Gareth van Meer, ist ein angesehener Politologe, der allerdings nach dem frühen Unfalltod seiner Frau auf die große Karriere in den Colleges der Ivy-League verzichtet hat und seither immer wechselnde Lehraufträge an irgendwelchen Provinzuniversitäten annimmt.
Der Roman startet mit einer kurzen Exposition, in der der Tod Hannah Schneiders berichtet wird, einer Lehrerin Blues, die diese erhängt auffindet.
Er ist daraufhin grob im Verhältnis 2:1 geteilt. In den ersten beiden Dritteln wird zunächst Blues Jugend als ständig ihren Wohnsitz wechselnde und von ihrem liebenden Vater intellektuell aufs Äußerste geförderte Schülerin geschildert. Aus naheliegenden Gründen ist der Vater die einzige feste Bezugsperson im Leben Blues. Das ändert sich tatsächlich mit der Ankunft im beschaulichen Stockton, in dem Blue nun - höchst ungewöhnlich - das gesamte letzte Jahr ihrer Highschoolzeit verbringen soll, bevor sie nach Harvard geht. In einem Supermarkt fällt ihr zum ersten Mal die außerordentlich hübsche Hannah Schneider auf, die sie kurz darauf gemeinsam mit ihrem Vater in einem Schuhgeschäft wiedertrifft. Hannah, so stellt sich heraus ist Lehrerin für Film an der Highschool Blues; an dieser Schule existiert, wie Blue bald feststellt, ein kleiner Kreis an Schülern, die sich immer sonntags bei Hannah zum gemeinsamen privaten Abendessen treffen. Die Schüler geben sich selbst den Namen "bluebloods" und bilden einen entsprechend elitären Zirkel, der mit dem Rest der Schülerschaft nichts gemein haben will. Anfangs wird auch Blue, die von Hannah aus unerfindlichen Gründen zu diesen Abendessen eingeladen wird, von den "bluebloods" nur geschnitten und gemein behandelt, doch nach einem gemeinsamen Saufgelage avanciert Blue zum vollwertigen Mitglied der Gruppe. So erfährt sie, dass die Jugendlichen sich schon seit geraumer Zeit einige Gedanken um Hannah machen, die erstaunlicherweise nie etwas Substantielles aus ihrem Leben erzählt. Die "bluebloods" haben begonnen, Hannah sporadisch zu beschatten bzw. unsystematisch Informationen über sie gesammelt. Als Blue nun in ihren Kreis gerät nimmt diese Spurensuche planmäßigere Dimensionen an, vor allem nachdem auf einer Party, die Hannah bei sich zu Hause gibt, ein toter Mann in ihrem Swimming-Pool gefunden wird. Die Hinweise auf ein düsteres Geheimnis verdichten sich und als Hannah schließlich auf einer Campingtour mit den "bluebloods" scheinbar Selbstmord begeht, forscht Blue noch etwas verbissener und stößt dabei auf ein wahrhaft unglaubliches Geheimnis.
Der Debütroman Marisha Pessls ist in vielen Feuilletons hochgelobt worden - nicht ganz zu unrecht. Pessl kann ganz zweifellos schreiben und versteht es im ersten Teil des Buches auch anspruchsvollere Leser - wie mich ;-) - gut mit dieser ungewöhnlichen coming of age-Geschichte zu unterhalten. Allerdings ist das schlußendlich enthüllte Geheimnis eines, das doch sehr dick aufgetragen erscheint. Hätte ich gewusst, worum es sich handelt, ich hätte das Bcuh wohl nicht zur Hand genommen. Die Recherche im zweiten Teil ist ohnehin sehr dünn und ziemlich unglaubwürdig (im Grunde löst Blue das jahrzehntelang bestens gehütete Geheimnis mit einem einzigen Telefonanruf bei einer recht naheliegenden Person). Die Auflösung hat mir das Buch etwas verleidet (ich bin noch nicht sicher, in welchem Maße), hat ihm aber mutmaßlich einen Großteil des Erfolges gesichert. Es ist auch nicht erstaunlich, das die meisten Leser/innen, deren Stimmen ich wahrgenommen habe, eher den angeblich langatmigen ersten Teil kritisieren, wobei sie das Ende als höchst spannend beschreiben.
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