Leser-Rezension zu „Post aus Hawaii” von Mark Twain
am 7.04.2010
Lange bevor Mark Twain mit seinen Romanen und Reiseberichten berühmt wurde, verbrachte er als Korrespondent einer Tageszeitung vier Monate auf den Inseln von Hawaii. Damals im Jahr 1866 war Hawaii noch ein unabhängiges Königreich und Samuel Langhorne Clemens benutzte das Pseudonym Mark Twain erst seit drei Jahren; Mark Twain ist übrigens ein Ausdruck aus der Seemannssprache, was soviel wie „zwei Faden“ bedeutet, eine Einheit für die Wassertiefe. Dieses von ihm gewählte Pseudonym ist wohl eine Erinnerung an seinen früheren Lebensabschnitt als Steuermann auf dem Mississippi.
Die Reiseberichte aus Hawaii markierten einen Wendepunkt in seinem Leben und eröffneten ihm eine Karriere als Schriftsteller und Journalist.
„Post aus Hawaii“ zeichnet sich bereits durch Mark Twains hinreißenden Humor und entlarvende Satire aus, für die er später bekannt wurde.
Mit großem Interesse beschreibt er die Sitten und Unsitten der Eingeborenen, lässt sich über das Leben des dortigen Königs Kamehameha aus, schildert Begegnungen mit der einheimischen Tierwelt, den nervtötenden Moskitos und allerlei giftigem und überdimensioniertem Kriechgetier.
Vom merkwürdigen Verhalten der ersten Touristen, dem Leben der Walfänger bis hin zu übereifrigen Missionaren, deren religiöse Heuchelei er auch in seinen späteren Werken nur allzu gerne anprangerte, wird hier erheiternd und fesselnd erzählt.
Erwähnung findet natürlich auch James Cook, der knapp hundert Jahre früher zuerst freundlich von den Insulanern empfangen wurde, bei seiner dritten Weltumseglung dort aber erschlagen wurde.
„Post aus Hawaii“ ist ein köstliches und sehr unterhaltsames Lesevergnügen, in dem Mark Twain mit dem ihm eigenen Witz und Spürsinn kurzweilig über alles berichtet, was ihm unterkommt. Endlich sind im Marebuch Verlag diese Reiseberichte erstmals vollständig in deutscher Sprache erschienen, ergänzt durch Anmerkungen, ein Vor -und Nachwort sowie einen Brief und eine Tagebuchnotiz.
Mark Twains Todestag jährt sich am 21. April zum hundertsten Mal und das ist ein willkommener Anlass diesen Klassiker der Moderne wieder oder gar neu zu entdecken. Denn von seiner Brisanz und Modernität hat er nichts verloren und Hemingway hat mit der Feststellung Recht behalten, dass er der Begründer der modernen amerikanischen Literatur sei.

