Rezension zu "Die Tarnkappe" von Markus Orths

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Petruscha

Vor 1 Jahr

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MO ersinnt in seinem Roman, was aus einem Durchschnittsmenschen werden könnte, wenn er denn unsichtbar wäre. Für MO ergibt sich daraus die Frage, ob dieser Mensch dann noch existent sei. Für mich nicht, da Eremiten und Blinde, die weder besonders auf Wahrnehmung bedacht sind oder sich gegenseitig sehen, durchaus existent sind.

Sich nur im Dialog wahrzunehmen halte ich für eine Erste-Welt-Marotte. Wird darum ständig und überall über sich selbst gequatscht? Um sich ein wenig mehr lebendig zu fühlen?

Zurück zum Roman: Der Protagonist Simon findet sich und alle anderen öde und grau, sieht für keinen Menschen Grund zur Freude am Leben. Er lebt praktischer Weise allein, damit er sich nicht mit jemanden auseinandersetzen muss und MO hat tatsächlich den Uraltkniff des plötzlichen-verwitwet-seins gewählt – au weia! Da wurde ich schon misstrauisch und schaute nach, aus welchem Jahrgang MO stammt – 1969, also ist er gar nicht alt. Neben dem verbitterten Tenor seines Romans fielen mir noch zwei Altherrenklamotten auf: A) die lustvoll nackt schlafende Frau und B) die Frau, die sich ihre Haare stundenlang vor einer Spiegelkommode im Schlafzimmer bürstet. A ist ein Spannermythos und B stammt aus einer Zeit, als Badezimmer noch nicht geläufig, sondern Toiletten und Waschbecken auf dem Gang üblich waren.

Das Erzähltempo nimmt leider rasant gegen Ende zu, so dass viele Ideen in kurzen Absätzen abgehandelt wurden. Was die Tarnkappe und ihre Herkunft angeht, war ich nicht zufrieden. Warum werden Kleider, Plomben und Knöpfe mit unsichtbar, sogar Dinge, die eine unsichtbare Hand verbirgt? Warum das Märchenhafte der Tarnkappe zwanghaft technisieren, aber der Tarnkappe einen eigenen Willen zuschreiben?
Ich dachte beim Lesen oft den Begriff: Kantinenphilosophie. Da der Roman so beliebt ist, liegt es wohl mal wieder an mir – gut, dass es verschiedene Bücher für verschiedene Menschen gibt!
Notiz: in Tommy Jauds Roman "Millionär" arbeitet der Protagonist Simon in einer Beschwerdeagentur. Zufall?

Autor: Markus Orths
Buch: Die Tarnkappe
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