Das erste, was an dem Buch auffällt, ist die besondere Erzählweise. Denn erzählt wird das Buch von niemand anderem als vom Tod höchstpersönlich. Der Erzähler ist dabei aber weder kalt noch herzlos, wie man vielleicht vermuten würde, im Gegenteil. Die Figur des Todes war mir von Anfang an sehr sympathisch mit ihrem ruhigen, gefühlvollen Stil und der teilweise einfachen, teilweise bildhaft-poetischen Sprache, die mir sehr gut gefiel.
Auch die Gestaltung des Buches ist außergewöhnlich. Immer wieder finden sich kleine Absätze, Überschriften, Zeichnungen und andere Verzierungen, die im E-Book leider nicht so gut zur Geltung kommen wie im gedruckten Buch. Allgemein war ich bei diesem Buch von der E-Book-Ausgabe ziemlich enttäuscht. Die Originalschriftgröße war winzig, was ja normalerweise beim E-Reader kein Problem ist. Aber als ich die Schriftgröße veränderte, verrutschte auch das Layout des Buches, sodass die eigentlich sehr hübsche Gestaltung ins genaue Gegenteil umschlägt. Und das Auge liest ja bekanntlich mit ...
Am schlimmsten war allerdings, dass manche Seiten des Buches tatsächlich nicht vollständig lesbar sind! Es handelt sich dabei um Bilder, die aber auch eine Art Handschrift enthalten. Die Schrift war erstens winzig, da sich die Bilder auf dem Reader nur schlecht vergrößern ließen. Außerdem passen die Bilder nicht ganz auf die Reader-Seite, sodass am unteren Ende immer ein Stück fehlt und nur halbe Zeilen erkennbar sind.
Deshalb für alle E-Book-Fans: Hier doch lieber zum gedruckten Buch greifen.
Die Geschichte selbst konnte mich aber trotz des eingeschränkten Lesevergnügens überzeugen.
Das Buch beginnt mit einer Einführung, in der sich der Tod zunächst vorstellt und ein wenig über sich und seine Arbeit berichtet. Schließlich beginnt er, die Geschichte von Liesel Meminger zu erzählen.
Dieser Anfang wirkte auf mich zunächst etwas wirr und ohne Zusammenhang, doch nach und nach erfährt man, was den Tod dazu bewogen hat, ausgerechnet diese Geschichte von ausgerechnet diesem einen Menschen wiederzugeben.
Überhaupt ist der Erzählstil gewöhnungsbedürftig, denn der Tod geht nicht chronologisch vor. Immer wieder wirft er Anmerkungen ein, greift der Geschichte vor und blickt dann wieder auf vergangene Ereignisse zurück. Wer das nicht mag, wird wenig Freude mit dem Buch haben.
Ich habe recht lange zum Durchlesen des Buches gebraucht. Zum einen natürlich, weil es mit 600 Seiten recht dick ist, zum anderen auch, weil es für mich kein Buch war, das ich einfach so am Stück lesen konnte. Die Geschichte um Liesel berührt und macht nachdenklich. Schon zu Beginn meint es das Schicksal nicht gut mit ihr, denn gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder soll sie in eine Pflegefamilie kommen, die in den schweren Zeiten der ersten Kriegsjahre besser für die Kinder sorgen kann als die eigene Mutter. Doch Liesels Bruder soll dort niemals ankommen. Fortan verfolgt er Liesel nicht nur in ihren Albträumen, sondern beschert ihr auch ihr erstes Buch, welches dem Totengräber aus der Tasche fällt und von ihr kurzerhand eingesteckt wird. So wird sie zum ersten Mal zur Bücherdiebin.
Das Buch hütet die kleine Liesel wie einen Schatz - und das, obwohl sie es gar nicht lesen kann.
In der Himmelstraße in Molching - ihrem neuen Zuhause - angekommen, begegnet Liesel vielen mehr oder weniger sympathischen Charakteren. Zum Beispiel der alten Frau Holzinger, die jeden Morgen gegen das Tor der Hubermanns spuckt. Der Jude Max, der ihr mehr als nur seine Geschichte schenkt. Oder auch Rudi Steiner, der ihr bald zum besten Freund wird und bis zum Schluss sehnsüchtig auf einen Kuss von Liesel wartet. Und natürlich sind da auch noch Liesels Pflegeeltern: Hans Hubermann, der große, sensible und gefühlvolle Akkordeonspieler, der Liesel geduldig im "Mitternachtsunterricht" das Lesen beibringt, sowie seine kratzbürstige, grobe Frau Rosa, für die "Saumensch" so etwas wie ein Kosename ist, die im Grunde aber doch ein sehr gutes Herz hat.
Am Ende waren mir diese Nebenfiguren fast schon lieber als die Bücherdiebin selbst.
Die Handlung plätschert die meiste Zeit so dahin. Man erlebt Liesels Alltag und ihre verschiedenen Diebeszüge mit Rudi. Man hört den Tod von den Wirren des zweiten Weltkrieges erzählen und davon, wie er langsam aber sicher auf Molching zurückt. Das ist die eigentliche Spannung des Buches - man weiß genau, dass es zur Katastrophe kommen wird. Man weiß nur noch nicht wann und wie.
So ist das Ende trotz aller vorgegriffenen Hinweise des Erzählers ein Paukenschlag, mit dem man zwar gerechnet hat, bei dem man aber trotzdem zusammenzuckt, wenn er dann endlich kommt.
Fazit:
Eine berührende Geschichte, erzählt vom Tod, über ein Mädchen, das sich ihm immer wieder entzieht, und ein Buch, das trotz des bekannten Endes nicht langweilig wird.