Leser-Rezension zu „Schwarze Oliven” von Martha Tod Dudman
am 2.03.2010
Der Schreibstil der Autorin ist locker und leicht, obwohl sie ja eine schwierige Situation beschreibt, die wohl jede Frau schon mal erlebt hat. Verlassen werden, nach Jahren, aus heiterem Himmel... Auch ich entsinne mich an diese Leiden und konnte mich deshalb schnell in Virginias Seelenleben vertiefen.
Nach zwölf gemeinsamen Jahren mit David kam vor neun Monaten die überraschende Trennung. Heute sieht sie ihn durch Zufall im Supermarkt wieder, dummerweise nicht aufgetakelt, glücklich mit einem neuen, gutaussehenden Mann und strotzend vor Selbstbewusstsein, wie sie es sich immer wieder ausgemalt hatte. Vorübergehend unfähig zu denken, versteckt sie sich vor ihm und zwar ausgerechnet auf dem Rücksitz seines Wagens.
Das kann ja nur schief gehen, doch sie bleibt tatsächlich unentdeckt und kann sich sogar in Davids Haus schleichen und sein neues Leben, ohne sie, unter die Lupe nehmen.
Im Laufe des Buches lässt Virginia ihre Beziehung zu David Revue passieren, die schönen Momente, die traurigen Augenblicke, die kleinen Situationen, die ihre welkende Liebe schon zeigten. Anfangs ist das amüsant, rührend und stimmt nachdenklich. Mit der Zeit, ab ca. der Hälfte des Buches, wird es aber etwas mühsam, Virginias Selbstmitleid und die ständige Aufzählung von Davids Fehlern auszuhalten. Davids Seite der Geschichte bleibt im Prinzip im Dunkeln, was wohl auch Sinn der Sache war. Es hätte dem Ganzen aber mehr Dynamik verliehen, wenn man auch ihn und seine Gedanken hätte besser kennenlernen dürfen.
Was "Schwarze Oliven" trotz des unspektakulären Endes letztendlich lesenswert macht, ist seine Nähe zur Realität. Denn winden wir uns nicht genauso wie Virginia im Selbstmitleid, wenn wir verlassen wurden? Drehen sich unsere Gedanken nicht immer wieder um die selben Fragen? Quälen wir uns nicht bis zur völligen Erschöpfung durch sämtliche "Hätte...", "Wäre..." und "Wenns..."?
Eine Studie über eine verlassene Frau über 50, die aber auf Frauen jeden Alters passt, auch wenn es da sicher immer Ausnahmen gibt... ;-)

