Was sich in London so alles rumtreibt
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Vorteile: Spannung, Spaß, Gesellschaftskritik
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Nachteile: Jäger als Gegner nicht ernst zu nehmen, offene Fragen am Ende
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Ich habe ja schon öfter das Glück gehabt, Vorableseexemplare auf diversen Internetseiten zu gewinnen. Doch nicht nur das reizt mich beim Stöbern auf diesen Seiten. So bin ich nämlich – als bekennende Leseratte - auch schon auf für mich interessante Bücher aufmerksam geworden, die ich später selbst kaufte oder mir schenken ließ, wie z. B. „Kalix, Werwölfin von London“ von
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Martin Millar.
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Über den schottischen Autor konnte ich bei Wikipedia Folgendes (und mehr) nachlesen. Millar wurde 1956 in Glasgow geboren und stammt aus eher ärmlichen Verhältnissen. Nach dem Schulabschluss zog er nach London, wo er noch heute als Single lebt. Bevor er sich ganz dem Schreiben von Fantasy-Literatur widmete, verrichtete er viele „niedere Tätigkeiten“ und arbeitete zuletzt als Verwaltungsangestellter. Er veröffentlicht sowohl unter seinem bürgerlichen Namen, als auch unter dem Pseudonym Martin Scott. Inspirationen für seine Werke fände er – nach eigenen Angaben - in den Kneipen von Süd-London. Im Netz präsentiert er sich auf der englischsprachigen Homepage martinmillar.com.
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Die Inhaltsangabe
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„London: Werwolf Kalix MacRinnalch streift allein durch die Stadt. Sie hat ihren Vater, den Anführer des Werwolfclans, attackiert – eine unverzeihliche Tat. Nun wird sie nicht nur von mörderischen Werwolfjägern verfolgt, sondern auch von ihren rachsüchtigen Verwandten. Kalix findet jedoch Unterschlupf bei den Studenten Daniel und Moonglow. Diese werden dadurch in einen Konflikt hineingezogen, der vom schottischen Hochland bis nach London reicht - und noch ein paar Dimensionen weiter. Denn die Werwölfe rüsten sich zum Krieg um die Führung des Klans, und Kalix steht im Zentrum des Geschehens…“
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versprach mir unterhaltsame Lesestunden, einfach nur zum Abschalten und die Leseprobe (http://www.fischerverlage.de/sixcms/media.php/308/LP_978-3-596-18496-5.pdf) untermauerte dieses Ansinnen. Da ich mich beim Lesen immer mal in der Welt der paranormalen Wesen rumtreibe und dort Werwölfe ganz gern mag, schenkte ich mir dieses Buch zum Nikolaus. Es dauerte dann auch gar nicht mehr lange, bis ich das Buch aus dem SuB befreite.
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Werwolf-Teenager
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Die 17-jährige Kalix hat Probleme. Sie musste aus ihrer Heimat, einer Burg in Schottland fliehen. Die junge Werwölfin war eigentlich immer schon auf sich allein gestellt. Ihre Eltern der Fürst und die Herrin der Werwölfe kümmerten sich schlichtweg weder um ihr viertes und jüngstes Kind, noch um ihre Ausbildung. Allein streifte sie durch die Burg und sorgte immer wieder für Ärger. Die Bestrafungen waren die einzige Aufmerksamkeit, die sie von ihrer Familie erhielt. Mit 14 verliebte sie sich in Gaiwan, einen jungen, starken Werwolf aus angesehener Familie. Sein einziger Makel, er war nicht ganz reinblütig und damit einer Fürstentochter nicht würdig. Als der Fürst die Affäre entdeckte, verbannte er ihn. Kalix, die darüber außer sich vor Wut war, griff ihren Vater an und besiegte ihn beinahe.
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Nun streift sie ganz auf sich allein gestellt durch London, nächtigt in alten Lagerhallen und träumt sich mit Laudanum aus der Welt. Ein Amulett ihrer Schwester Thrix, einer Werwölfin mit magischen Fähigkeiten, die sich gerade ein angesehenes Modehaus aufbaut und mit ihrer Familie auch wenig am Hut hat, hat sie aus Geldmangel verkauft um an ihre Droge zu kommen. Dieses hatte die Eigenschaft, sie vor jeglicher Entdeckung durch Werwölfe oder Werwolfjäger zu schützen. Ungeschützt, können sowohl die Jäger, als auch ihre Brüder wieder ihre Witterung aufnehmen.
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In ihrer menschlichen Gestalt ist Kalix extrem dünn, weil sie seit Gawains Verbannung die Nahrungsaufnahme verweigert. Als Werwölfin dagegen ist sie eine Kampfmaschine. In der Werwolfgestalt kann sie auch nichts gegen die Aufnahme von Nahrung tun. Nur deshalb ist sie überhaupt noch am Leben. Als Kalix tagsüber von einem ihrer Brüder entdeckt wird und fortgeschleift werden soll, wird Daniel, ein Student auf sie aufmerksam. Er verhilft ihr in seinem Auto zur Flucht. Sobald sie sich erst mal in Sicherheit weiß, flieht Kalix auch vor Daniel. Kurze Zeit später stößt Daniel, in Begleitung seiner Mitbewohnerin Moonglowe, wieder auf Kalix. Diesmal ist sie so geschwächt, dass die beiden Studenten sie mit zu sich nehmen. Damit beginnt eine ungewöhnliche, oft von Misstrauen geprägte Freundschaft …
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Jugendfantasy mit realen Gesellschaftsproblemen
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In einem flüssigen und trotzdem sehr ausschmückenden Schreibstil erzählt der Autor die Geschichte der Werwölfe, die im Grunde genommen sehr menschliche Kämpfe ausfechten. Dabei spricht er auch eine Vielzahl von Dingen an, an denen unsere Gesellschaft krankt. Da sind die extremen psychischen Probleme der von klein auf, von ihrer Familie vernachlässigten Kalix, auf die sie mit Magersucht, Ritzen und Drogen reagiert. Analphabetentum wird angesprochen, Kalix kann kaum lesen und schreiben, dann kommen noch Urheberrechtsverletzungen und Machtkämpfe, die in einen regelrechten Krieg ausarten.
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Die von mir oben genannten Figuren sind auch noch lange nicht alle Protagonisten, die in dieser, trotz der ebenso vielen Toten, sehr humorvoll geschriebenen und doch zum Nachdenken anregenden fantastischen Story auftauchen. Denn obwohl man durch den Buchtitel annehmen könnte, dass Kalix die absolute Hauptfigur wäre, ist dem eigentlich überhaupt nicht so. Die „Kinder“ des Werwolfclans und auch deren Mutter, Verasa, die Herrin der Werwölfe, treten ziemlich gleichberechtigt auf. Dazu kommen auf jeden Fall Malveria, die Feuerkönigin, deren Modeschöpferin Thrix ist, ihre Nichte und die beiden Studenten. Die wichtigsten Nebenfiguren sind für mich die beiden Krämer (Vater und Sohn), die sich stets nach dem Wind richten und alle Seiten gern und für viel Geld bedienen. Sie stehen für mich stellvertretend für alle realen Unternehmen, die ihren Profit mit menschlichem Elend und Kriegen machen.
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Längen konnte ich bei dem Buch eigentlich keine feststellen. Trotz der Vielzahl an Protagonisten (alle habe ich nämlich immer noch nicht erwähnt – aber ihr wollt ja auch noch was zu entdecken haben), schafft es Millar diese eigentlich immer situationsbezogen und ohne weitschweifende Erklärungen einzuführen. Außerdem nutzt er das Switchen zwischen verschiedenen Schauplätzen für den Erhalt des Spannungsbogens. Die Spannung an sich bringen natürlich die Kämpfe des Werwolfclans, in dessen Zentrum Kalix immer wieder und eigentlich ungewollt gerät. Für Humor sorgt vor allem die Feuerkönigin. Diese treibt, mit ihrem nervenden Modefimmel und ihrem Unverständnis für viele eigentlich alltägliche Situationen, ihre Mitprotagonisten stets und ständig fast zur Verzweiflung. Als Leser dagegen kann man diesen Slapsticks oft nur mit einem Auflachen begegnen.
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Einzig die Werwolfjäger sind für mich in dem Buch ein bisschen zu kurz gekommen. Bis auf wenige Ausnahmen wurden die Werwölfe eigentlich immer so spielend mit denen fertig, dass ich sie als Gegner gar nicht ernst nehmen konnte. Nach dem Showdown und am Ende des Buches bleibt auch noch eine Reihe von Fragen offen.
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Das Buch an sich wurde in 236 Kapitel eingeteilt, die dadurch immer sehr kurz ausfielen. Dies hatte für mich wieder Vor- und Nachteile. So konnte man einerseits für anstehende Aufgaben im Haushalt das jeweilige Kapitel ohne großartigen Zeitverlust getrost noch zu Ende lesen. Andererseits war es besonders kurz vor dem Schlafen gehen auch wieder verführerisch, doch noch ein weiteres Kapitel zu lesen, bevor das Licht ausging.
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Alles in Allem hat mir das Buch aber genau das gebracht, was ich mir von ihm erwartete. Spannung, Spaß und Unterhaltung. Die offenen Fragen wird hoffentlich das Folgebuch mit dem Titel „Kalix, Fluch der Werwölfe“ klären, welches im Jahr 2010 ebenfalls bei Fischer erschienen ist.
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Fischer Taschenbuch Verlag 2009
Übersetzung: Eva Kemper
ISBN 978-3-596-18496-5
752 Seiten
Als Taschenbuch für 9,95 EUR überall im deutschen Buchhandel erhältlich.