Leser-Rezension zu „Wenn ich mal groß bin” von Martin Reichert
am 23.10.2008
Heute hab ich zwei schlaue Bücher zu Ende gelesen: „So werden Sie Mikro-Millionär“ und „Martin Reichert: Wenn ich mal groß bin – Generation Umhängetasche“.
Das erste Buch erklärt mir, wie ich mit Vermietung eines Mikro-Computers wie C64 oder einem Rechner von Amstrad ganz schnell ganz reich werde. Oder indem ich Programme schreibe oder indem ich Kaufberatung leiste. Nunja. Norman Rentrop ist immerhin ein Wirtschaftsverlag, der solch tolle Bücher wie die „Japan GmbH veröffentlicht hat.
Das zweite Buch ist nicht ganz so freundlich zu mir, macht mir keine Versprechungen großer Reichtümer, droht mir im Gegenteil sogar damit, dass ich es nie zu etwas bringen werde, wenn ich weiter solchen Träumen nachhänge.
Ich soll doch mal erwachsen werden.
Woran das Buch erkennt, dass ich noch nicht erwachsen bin? Ich trage eine Umhängetasche.
Und diese ist mit den typischen Utensilien meiner Generation gefüllt.
Der Autor nimmt uns bei der Hand, leert unsere Tasche und analysiert auf durchaus unterhaltsame Weise, warum und wieso wir diesen und jenen Gegenstand bei uns tragen, was dieser über uns aussagt und warum wir besser auf ihn verzichten sollten oder ihn zumindest aus der Umhängetasche entfernen.
Zwischendurch beruhigt er auch immer wieder: „Erwachsensein tut nicht weh und Spießigkeit hat nichts mit dem Alter zu tun.“
Also Augen zu und durch. Ein Gegenstand nach dem andern fliegt in den Müll, wird aufgezehrt oder aufgeräumt. Und zum Schluss bleibt bloß noch eine leere Hülle zurück. Und die braucht jetzt auch niemand mehr.
Im Schnelldurchlauf sind wir so, nachdem uns die Umhängetasche nicht mehr am aufrechten Gang hindert, zu einem neuen Menschen geworden.
Das Buch richtet sich in erster Linie an Akademiker über 30, die nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen, sich von einem Praktikum zum nächsten hangeln oder einfach nicht wissen, wie es jetzt weitergehen soll.
Doch auch für Nichtakademiker wie mich hat das Buch einige Überraschungen zu bieten und ein, zwei Mal fühl ich mich schon ertappt, auch wenn ich mich natürlich längst erwachsen wähne mit meiner eigenen Wohnung und einem festen Job.
Fazit: Kein Lebensratgeber, der bierernst daherkommt und einem das ganze Leben umkrempeln möchte, aber doch ein Buch, das zum Denken anregt und wichtige Punkte mehrmals anspricht, schließlich weiß seit den Teletubbies jeder, dass man alles nochmalnochmalnochmal sehen/hören/lesen muss, damit es im Gedächtnis bleibt.

