Martin Suter, der erfolgreiche Schweizer Autor sich fast von selbst ergebender Bestseller (zuletzt "Der Koch") hat ein neues Genre für sich entdeckt. Mit seinem neuen Buch "Allmen und die Libellen" legt er den ersten Band einer Serie vor, deren weitere Bücher schon etwas mehr bringen müssen, soll die Serie wirklich zu einem auch literarisch verdienten Erfolg werden. Das sei gleich zu Beginn gesagt, denn das Buch bleibt bei aller Suter`schen Sprachkunst seltsam bleich, leer und oberflächlich.
Natürlich bewegt er sich weiter in seinem gewohnten Milieu und er braucht sehr lange in dem nur knapp 200 Seiten starken Buch, bis er seine Protagonisten vorgestellt und den Leser in ihr Leben eingeführt hat. Da ist der eigentliche Held der Geschichte, der zum Serienhelden sich mausern soll: Johann Friedrich Allmen, ein verarmter Welt- und Lebemann, einst reicher Erbe eines Millionenvermögens, das er mit vollen Händen auf hohem Niveau (wie bei Suter üblich) ausgegeben hat.
Nun, knapp bei Kasse, lebt er mit seinem fast stummen Diener Carlos aus Guatemala in einem Gartenhäuschen neben einer noblen Villa, die er früher selbst sein eigen nannte. Als er sie verkaufen musste, lässt er sich zusichern, in dem Gartenhaus bleiben zu können, um die "erste Adresse" zu behalten.
Allmen bestreitet schon seit längerem seinen immer "kärger" werdenden Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Antiquitäten. Sein Händler weiß schon lange, dass die Stücke, die Allmen ihm anbietet, unmöglich noch alle aus seinen Besitz stammen können.
Schon bald im Verlauf des Buches steht Allmen vor dem endgültigen Ruin, als ihm - gerade rechtzeitig - eine Frau begegnet, die sich mit einem nicht nur sexuellen Heißhunger auf ihn stürzt.
In ihrem Haus bietet sich Allmen eine geniale Gelegenheit sich zu sanieren und er greift zu: er stiehlt eine Jugendstilschale des legendären Emile Gallé und versetzt sie bei seinem Händler. Als der kurz darauf ermordet wird, hat Allmen ein Problem. Mit Hilfe seines Dieners Carlos gelingt es ihm, aus der Not eine Tugend zu machen ...
Ich habe, besonders von skandinavischen Autoren, aber auch von deutschsprachigen Krimiautoren, schon weit bessere Auftaktbücher von angelegten Serien gelesen als dieses Buch.
Suters Figur Allmen bleibt vage, blass und leer, auch wenn er ihn uns als belesenen und büchernärrischen Halbintellektuellen verkauft.
Vielleicht wollte Suter bei seiner jährlichen Romanreise durch die Upper-Class der Reichen und Edlen nur nicht jedes Mal neue Figuren erfinden müssen. Wer weiß. Geben wir Suter und dem neuen Duo Allmen und Carlos noch eine zweite Chance. Spätestens 2012, vielleicht schon früher, werden wir erfahren, ob sich die Reihe entwickelt, ob sie reift, oder ob man sie tunlichst vergessen sollte.
Tatsächlich ist das zweite Buch „Allmen und der rosa Diamant“ um Längen besser.