Kellner oder Schriftsteller??
Der 23jährige David Kern verdient sich sein Geld als Kellner in der Szene-Bar Esquina. Dort lernt er auch Marie kennen, welche wie er nebenbei jobbt, um ihr Abitur zu absolvieren und danach studieren zu können. David ist recht nervös denn bisher hatte er eher weniger Glück bei den Frauen, doch Marie löst etwas bei ihm aus, was er schön empfindet.
Aber wie es nun mal so ist, nimmt Marie ihn gar nicht so zur Kenntnis. David ist ein wenig enttäuscht.... eines Tages entdeckt David bei einem Trödelmarkt einen kleinen Nachttisch mit Schubladen, welcher ihm gefällt. Nach einigen Verhandlungen darf er dieses Tischchen sein eigen nennen. Als er das Tischchen genauer untersucht entdeckt er in einer schwergängigen Schublade ein Manuskript. Fasziniert liest David diese Seiten und kommt nicht mehr von der Geschichte los. Er setzt sich an den PC und scannt die Seiten ein, pflegt auch die angemarkerten Anmerkungen in den Text ein. Allerdings ist er sich noch nicht so ganz sicher, was er nun mit dem Text machen soll.
Da er durch seine Kellnertätigkeit mitbekommen hatte, das Marie mal Literatur studieren will, drückt er ihr eines Tages die bearbeiteten Seiten in die Hand mit der Bitte sie zu lesen. Sein Hintergedanke war, Marie auf sich aufmerksam zu machen.
Marie wundert sich nicht wirklich, liest die Geschichte und ist begeistert. Klammheimlich schickt sie das Manuskript an einen Frankfurter Verlag, welcher den kleinen Roman genial findet und ihn veröffentlichen will. Dieses muss Marie aber erst einmal David schonend beibringen, das dieser nicht gerade in frenetischem Jubel ausbricht ist nicht sonderlich verwunderlich, denn diese Geschichte ist ja auch nicht seine, er hat einfach nur seinen Namen da eingebracht, weil er Marie beeindrucken wollte.
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Nun hat David das Nachsehen von seiner kleinen Notlüge, denn der Frankfurter Verlag hat ein strammes Programm für den jungen Nachwuchsautor vorbereitet, so muss David einige Lesungen im kleinen Rahmen absolvieren... David hat Angst, das ihm bei den Lesungen jemand fragt, wo er denn das her habe und ob er sich denn nicht schämen würde, mit fremden geistige Eigentum Geld zu verdienen. Doch bisher war dieses nicht der Fall, so wird das Publikum bei seinen Lesungen immer größer - bei einer Signierstunde passiert es dann...ein leicht verwahrloster Mann - Jacky - tritt auf David zu und bittet um eine besondere Widmung.... David erschreckt sich und muss in einem nachfolgenden Gespräch versprechen, seinen Gewinn zu teilen. Das er sich mit Jacky eine wahre Nervensäge in sein Umfeld holt, welcher das zarte Band zu Marie zu zerstören droht....versucht er erst einmal gewissenhaft zu ignorieren, aber Marie entfernt sich dennoch weiter von David... weil sie einfach nicht verstehen kann, wieso David so ist...
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Leseeindrücke
hatte mich Small World durch seine tolle Sprache und den hohen literarischen Stil sehr begeistert, so stürzte ich mich gleich auf das nächste Werk, eigentlich soll man das nicht machen, sondern seinen Lesegeschmack neutralisieren, denn sonst kann sich schnell eine gewisse Monotonie und Enttäuschung einstellen, aber aus Mangel an anderen Büchern und auch der fehlenden Lust auf andere Werke, die sich doch eh wieder als Einheitsbrei entpuppen, nahm ich mir halt einfach das nächste Werk vor und las es zügig in einem Rutsch durch.
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Handlungstechnisch bewegt sich Lila, lila auf einem schmalen Grat zwischen Liebes-Roman und ansatzweise einem Krimi, ein Mittelding eben, das sich nicht genau einem Genre zuordnen lässt. Anfangs vermutet man ein wenig, das das Buch vor Klischees strotzen wird, aber hinterher wird man anderer Meinung sein.... aber lest selber:
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Die Handlung ist gefühlvoll ausgedacht, und auch mal etwas Neues, aber bei dem Autor mit einem literarisch höheren Stellenwert wundert es mich nicht, das hier dann ein unterhaltsames und vor allem auch gut formuliertes Werk zustande kommt.
Ja literarisch höherer Stellenwert, man merkt es schon am sprachlichen Stil, das wir es hier Autoren-technisch mit einem ganz anderen Kaliber zu tun haben. Da wird nichts künstlich in die Länge gezogen, und genau das ist es, was so fasziniert und zum lesen animiert - die 'sprachlichen Spielereien mit der Wortwahl die sich in allen Punkten positiv auswirkt, sei es bei den Charakteren, die liebevoll und authentisch recherchiert und gestaltet sind, aber auch der Handlung als solches.
Diese ist mit viel Atmosphäre versehen, so auf den ersten Blick könnte man meinen, das sich aus dem Kontext heraus eine Liebesgeschichte vermuten lässt, aber das ist gar nicht das Hauptaugenmerk des Autors, sondern liegt die Betrachtungsweise darauf, das auch mal kleinere "Notlügen" nach hinten los gehen können, und der Protagonist dann versuchen muss, sich geschickt aus der Affäre zu ziehen.
Hat man sich auf den ersten Seiten dann eingelesen, in die Handvoll Protagonisten und auch an den Schreibstil gewöhnt, dann schmökert man das Buch in einem Rutsch weg, weil man als Leser selber in die Geschichte eintaucht und sich vielleicht auch stellenweise in selbiger wieder findet.
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M. Suter spricht hier viele thematische Aspekte an – zwar baut er nicht alle vollends aus, aber dieser Anriss der Aspekte sind eine gute Grundlage, um eine solide und unterhaltsame Handlung zu schaffen , welche mit gut recherchierten Charakteren noch besser zur Geltung kommt.
Durch gut gesetzte Szenewechsel und kleineren Passagen aus dem “offline“ kann man sich beim Lesen nicht langweilen, sondern bekommt noch eine bessere Sicht der Dinge, dadurch lässt sich auch manches zwischen den Zeilen lesen. Wie auch schon erwähnt, hat mich der sprachliche Stil hier sehr begeistert, da merkt man doch gleich, das es dem Autor ein Bestreben ist, sich erheblich von seinen Phrasen und Plattitüden dreschenden Schreiberkollegen abzuheben. Hier wird nicht auf Effekt-Heischerei abgezielt, sondern auf Unterhaltung, die den Leser im Nachhinein auch nachdenklich stimmen soll, man könnte fast meinen, das man nach dem Auslesen des Buches einen imaginären erhobenen Zeigefinger sieht, nach dem Motto : Denk mal ein wenig nach, was Du tagtäglich treibst , dieses ist aber nicht im nachteiligen Sinne gemeint, sondern eher im positiven. Ich kann mir auch denken warum - aber das muss jeder beim Lesen selber herausfinden ;-)
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Mittlerweile habe ich schon drei Werke von M. Suter gelesen, und alle drei begeisterten mich, denn anhand Suters Werke kann man erkennen, wie trivial manche Werke sind, das sie eigentlich nichts weiter beinhalten als leere Phrasen sowie eine leicht umgearbeiteten Handlung von anderen Autoren. Dieses war mir bei dem kürzlich rezensierten King-Werk aufgefallen. Und wenn ich mal zurück denke an andere Autoren mit ihren ach so hoch gelobten Werken – die vielleicht auch noch hochtrabende Buch – bzw. Literaturpreise bekommen haben, dann wundert mich in der heutigen Gesellschaft so manches nicht mehr.
Ich finde es nur Schade, das die wirklich – vom inhaltlichen gesehen – hochwertigen Bücher nicht mehr Beliebtheit erlangen, sondern eher diese Trivialliteratur, die sich manches Mal nur durch Namensveränderungen unterscheidet.
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Aber egal, letzten Endes muss jeder selber entscheiden, was ihm an Lektüre liegt.
Schlussendlich kann ich Euch Lila, lila nur ans Herz legen, denn hier ist M. Suter wieder ein Meisterwerk der sprachlichen Eleganz gelungen, die den Leser – sofern er denn dem anspruchsvollen Schreibstil folgen kann – in einen unbeschreiblichen Sog zieht, so dass man – einmal angefangen – das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann, denn es ist alles stimmig und das Werk regt zudem noch zum Nachdenken an.
An dieser Stelle möchte ich gerne 5 Sterne und eine entsprechende Empfehlung aussprechen