Leser-Rezension zu „Sommer mit Emma” von Martina Borger
am 4.12.2010
Daniel fährt mit seiner Familie zum Sommerurlaub nach England. Eine Flusstour mit Hausboot soll es sein. Mit dabei auf der „Darling II“ ist seine Familie: seine Lebensgefährtin Louisa, seine 14 Jährige Tochter Lea, sein 17 Jahre alter Sohn Jasper mit seinem Freund Can, und die 14 Jährige Emma, die aus einer Affäre von Daniel und Emmas Mutter entstand.
Glücklich über diesen Urlaub scheint allerdings keiner so recht zu sein. Louisa kann sich selbst nach all den Jahren nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass Daniel ihr fremdgegangen ist. Jasper wäre viel lieber mit seinem Freund Can in Südfrankreich, dort, wo sie ihren letzten Sommer verbracht haben, und die schüchterne Einzelgängerin Lea fühlt sich durch die perfekte Emma sofort unter Druck gesetzt, obwohl sie sich eigentlich auf Emma gefreut hat. Nur Daniel freut sich auf die von ihm schon solang ersehnte Familienzusammenführung.
Sehr schnell wird klar: die 14-tägige Hausboottour wird alles andere als idyllisch.
Emma versucht sich permanent in den Mittelpunkt zu stellen, ohne Rücksicht auf die Anderen zu nehmen. Nur wenn Daniel dabei ist, scheint sie das liebe, perfekte Töchterlein zu sein. Mit ihren Machtspielen und Intrigen versucht sie, die anderen auseinander zu treiben. Dabei hatten sich Daniel und Louisa erhofft, die zerrütteten Familienverhältnisse im Urlaub wieder zu glätten. Auch die Freundschaft zwischen Can und Jasper ist nicht mehr die, die sie in Südfrankreich war.
Es kommt, wie es kommen muss: Es kracht, und dass gewaltig.
In dieser Geschichte kommen alle Personen zu Wort: außer Emma. Die Perspektive wechselt in jedem Kapitel, und so erfährt man, wie die unterschiedlichen Personen die Ereignisse auffassen und verarbeiten. Außerdem weiß der Leser mehr, als die Personen am Bord, und so lässt sich früh erahnen, was sich dort überm Wasser so alles anstaut.
Borger & Straub haben es geschafft, einen unglaublich fesselnden und berührenden Roman zu schreiben. Die Gefühle der Personen ziehen einen in den Bann, und man kann sich in das Handeln jeder Person hineinversetzen. Natürlich nicht bei Emma, aber dies macht die Geschichte nur noch spannender.
Es ist ein Roman über Familie, das Erwachsenwerden, über Freundschaft und Partnerschaft, über Vertrauen und Verzweiflung und während des Lesens wird der Leser Teil der Crew auf der „Darling II“.

