Rezension verfasst vor 1 Jahr
(6)
Mary Hoffman erzählt die Geschichte von einem krebskranken Jungen, der in England lebt. Ein schwieriges Thema, aus dem man viel machen kann. In meinen Augen bleibt die Geschichte in diesem Punkt aber stark unter ihren Möglichkeiten. Die Erzählungen in der unsrigen Welt sind immer recht kurz gefasst und es wird zwar immer wieder erwähnt, dass Lucien, die Hauptfigur, schwer krank ist und es ihm nicht gut geht, aber das Thema Krebs an sich wird doch sehr oberflächlich behandelt.
Der Schwerpunkt des Buches liegt klar in Talia, einer Parallelwelt, die dem heutigen Italien sehr ähnlich ist. Der Großteil des Buches spielt in der Stadt Bellezza, die Venedig ähnelt. Die Stadt und ihre Umgebung wird gut beschrieben und durch die Ähnlichkeit zu Venedig kann man sich schnell gut einfühlen. Man kommt sowieso schnell in die Geschichte hinein. Der Schriftstil ist ganz in Ordnung und die Seiten lassen sich schnell weglesen.
Bei den Charakteren fehlen mir ein wenig die Beschreibungen der Gefühle. Es wird zwar immer genannt, wie sich die Personen gerade fühlen, aber es bleibt auch hier eher oberflächlich. Mir fehlt der richtig Tiefe Einstieg in die Charaktere oder zumindest in den Hauptcharakter. Der Zwiespalt Luciens zwischen seiner echten Welt, in der er schwer krank ist, aber wo seine Familie und seine Freunde leben und Talia, wo er zwar gesund ist, sich seine Freunde aber erst suchen muss, kommt mir deutlich zu kurz.
Besonders gestört hat mich der schnelle Wechsel zwischen den unterschiedlichen Welten und den unterschiedlichen Figuren. Manchmal gab es nur ein, zwei Sätze und dann schon wieder einen Sprung. Das mag ich nicht sonderlich. Ich bevorzuge längere Abschnitte, bevor wieder der Ort oder die Sicht gewechselt wird.
Trotz allem mag ich das Buch. Die Idee ist toll, die Handlungsstränge verlaufen schlüssig und am Ende bleiben keine Fragen mehr offen. Es ist auf jeden Fall ein rundes Buch, auch wenn noch Bücher nachfolgen.
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