Rezension verfasst vor 10 Monaten
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"Der Hauptschlüsssel", das Debüt von Masako Togada, erschien 1962 in Japan und wurde mit dem renommierten Edogawa-Ranpo-Preis ausgezeichnet. (Nebenbei: Edogawa Ranpo ist die japanische Übersetzung von Edgar Allen Poe!)
1951 wird in Tokio eine Frau, die ein rotes Kopftuch und Lippenstift trägt, auf der Straße überfahren. Im Krankenhaus kann der Arzt nur noch den Tod feststellen und gibt außerdem zu Protokoll: "trotz des Lippenstifts unbestreitbar ein Mann."
Ein junger Kriminalreporter versucht, das Rätsel zu lösen, bleibt jedoch erfolglos.
Gleichzeitig verschwindet das Kind eines amerikanischen Besatzungsoffiziers und seiner japanischen Frau und taucht nie wieder auf.
7Jahre später. Ein Frauenwohnheim in Tokio soll um einige Meter versetzt werden, um einer Straßenverbreiterung Platz zu machen. Dazu werden die Fundamente des Hauses aus-und das Erdreich umgegraben.
Die Bewohnerinnen sind allesamt in heller Aufruhr und das nicht nur, weil sie Angst haben, dass das Haus in sich zusammenfällt und sie unter sich begräbt. Einige von ihnen haben Geheimnisse, die sie im wahrsten Sinne des Wortes tief vergraben haben und die niemals ans Tageslicht kommen sollen.
Natürlich hoffen sie vergebens....
Eine tragende und fatale Rolle spielt bei den Enthüllungen, Geheimniskrämereien, Verschleierungen und absurden Lügengeschichten der titelgebende Hauptschlüssel, der alle Türen des Hauses ohne Ausnahme öffnet.
Eigentlich soll er stets unter der Aufsicht der beiden Pförtnerinnen sein, doch er verschwindet, taucht wieder auf, verschwindet wieder. Sogar böse Geister müssen herhalten, um seine Wanderungen zu erklären.
Das, was er für seine jeweilige Besitzerin öffnet, hat dramatische, lächerliche aber auch tödliche Konsequenzen.
Masako Togata hat diese sehr japanischen Irrungen und Wirrungen höchst spannend, unkonventionell und perfekt verdichtet in Worte gefaßt. Raffiniert sind auch die schnell aufeinanderfolgenden Zeit-und Perspektivwechsel.
Obwohl die Erzählung sich in ihrer Kapitelaufteilung streng auf die jeweilige Protagonistin konzentriert, gibt es immer wieder Hinweise, die die Leserin/den Leser stutzig machen, weil sie scheinbar unvereinbar mit dem gerade aktuellen Geschehen sind.
Erst ganz am Ende des Romans werden die irgendwie nicht zueinander passenden Puzzleteile zu einer wahrhaft verblüffenden Auflösung zusammengeführt.
Wer Agatha Christie Krimis mit ihren schrulligen Figuren mag, wird genauso viel Spaß an "Der Hauptschlüssel" haben.
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