Schriftsteller und Journalist Mathias Nolte schreibt über die ungewöhnliche Liebe eines reifen Mannes, der aufgrund diverser Enttäuschungen vom Leben nicht mehr viel erwartet, und einer flippigen Frau Mitte zwanzig, die noch die Welt revolutionieren will - und ein wohlbehütetes Geheimnis hat.
Der kürzlich arbeitslos gewordene, aber wohlhabende Werber Jonathan Schotter, der außerdem wegen eines anderen Mannes von seiner Frau verlassen wurde, zieht von Zürich nach Berlin, „weil in Berlin Verlierer weniger auffallen als an irgendeinem anderen Ort der westlichen Hemisphäre“.
Auf der Suche nach einem neuen Sinn in seinem Leben durchforstet er die Hauptstadt nach ein bisschen Glück. Einmal beobachtet er in der S-Bahn zwei Mädchen, die sich lautstark unterhalten und am Bahnhof Friedrichstraße aussteigen. Der 47-Jährige sieht, dass eines der Mädchen, das ein T-Shirt mit dem provozierenden Aufdruck „Fuck Berlin“, ihren Rucksack in der Bahn vergessen hat. Er nimmt ihn an sich und findet darin neben einem Lippenstift und Friseurutensilien auch ein MAC iBook.
Nach und nach dringt Jonathan in das Leben der, so findet er anhand der Dokumente auf ihrem Rechner heraus, fast 24-jährigen Frau aus Usedom in Mecklenburg-Vorpommern ein, die sich geheimnisvoll „Roula Rouge“ nennt und auch sonst sehr undurchsichtig für Jonathan ist. Je mehr er in ihrem Leben in der noch abstrakten Form einer Datenbank herumstöbert, desto mehr ist er fasziniert von diesem selbstbewussten, großschnäuzigen und flippigen Mädchen, das seine Tochter sein könnte.
Nach ein paar Wochen der Recherchearbeit am Leben der flippigen Frau, die – so weiß Jonathan inzwischen - ein Tattoo auf ihrer Schulter trägt, dauernd ihre Haarfarbe wechselt, kürzlich ihr Abitur nachgeholt hat, als Friseurin ihren Unterhalt verdient und in regelmäßigen Abständen Molotowcocktails wirft, gelingt es Jonathan, ein wie „zufällig“ aussehendes Treffen mit Roula Rouge in deren Stammkneipe im Bezirk Prenzlauer Berg im Osten der Stadt zu arrangieren. Eine Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf. Doch warum ist Roula Rouge so herzzerreißend wütend?
Roula Rouge ist ein lesenswerter Roman, der am Ende wieder einmal zeigt, dass die Liebe stärker ist als alles Unheil und die Kluft zwischen Melancholie und Freude, zwischen Ost und West, Trauer und Freude und alt und jung ein bisschen kleiner erscheinen lässt. [AP]