Scheinehen, Finanzbeamte, Tanzkurse und Jazzmusik – das ist das Rezept, aus dem Matthias Sachaus neuester Roman „Wir tun es für Geld“ besteht.
Und Sachau hat wunderbar gekocht.
Man mag meinen, es gäbe weder Scheinehen zum Steuern sparen, noch Finanzbeamte wie Ekkehard Stöckelein-Grummler, deutlich über 30, vollkommen lebensunfähig und versessen auf Hifi-Equipment.
Gut, ich bin als ehemalige Finanzbeamtin eventuell vorbelastet, aber ich kann garantieren: Es gibt beides, mehr als reichlich sogar.
Zwar sind die mir bekannten Stöckelein-Grummlers nicht Hifi-verrückt, sondern lieben eher Fußball, aber ansonsten sehe ich keinen gravierenden Unterschied.
Und in meinem jetzigen Job, auf der anderen Seite der Medaille, kommen mir mehr als genug Methoden unter, sich um die lästigen Steuern zu drücken.
Sachau schreibt also mitten aus dem Leben. Dass die Drehungen und Wendungen in seinem Roman ziemlich geballt auftreten, ist nur natürlich. Und unglaublich lustig. Wir tun es für Geld stand sofort auf meiner Liste, nachdem ich vom Inhalt erfahren hatte. Einfach aufgrund des beruflichen Bezuges. Als dann von mehreren Seiten Begeisterungsstürme an mein Ohr trafen, wollte ich es umso mehr lesen. Aber dass sich dieses Buch zu einem derartigen Pageturner entwickelt, hätte ich nicht gedacht. Es ließ mich einfach nicht los, was dort zwischen Ekkehart und Ines/Lukas ablief. Gerade der zwischenmenschliche Part, sei es nun innerhalb der WG oder unter den Freunden, ist unheimlich gefühlvoll und liebenswert geschrieben.
Doch das wichtige an der Geschichte ist der Humor und den gibt es reichlich und in teilweise wirklich nicht mehr homöopathisch zu nennenden Dosen.
Ekkehart, der sogar Wasser anbrennen lässt und nach dem Gucken von Horrorfilmen lieber nicht alleine zurück in seine Wohnung will, ist einfach zu niedlich. Nicht nur bei Ines und Lukas weckt er einen Beschützerinstinkt, nein, auch der Leser muss ihn einfach gern haben. Voller Eifer bemüht er sich, das Liebesleben seiner neuen Freunde wieder auf Vordermann zu bringen und löst dabei eine Katastrophe nach der nächsten aus. Zumal er ja nicht einmal ahnt, dass die beiden eigentlich ganz andere Partner haben.
Das führt natürlich zu erheblichen Schwierigkeiten im täglichen Zusammenleben. Und genau das sorgt für die herrliche Situationskomik, die das gesamte Buch durchzieht.
Ich musste immer und immer wieder zu dem Buch zurückkehren, obwohl ich eigentlich dringend ganz andere Dinge hätte tun müssen und das ist, da ich zu dem Zeitpunkt wirklich in arger Zeitnot steckte, wirklich ein großes Argument FÜR das Buch. Herr Sachau hat meinen Humor voll getroffen mit seinen Charakteren.
Ein unglaublich humorvolles, aber auch liebevolles Buch über kleine Sünden und deren Auswirkungen, mit einem Ende, das alle zufrieden stellt. Fazit: Uneingeschränkt empfehlenswert!