Leser-Rezension zu „Der Fluch aus den Flammen” von Maurice Druon
am 9.10.2011
Bereits 1958 erschien dieser historische Roman aus Frankreich auch bei uns in Deutschland, erregte dabei allerdings nicht allzu viel Aufsehen. Fast ein halbes Jahrhundert später gilt Der Fluch aus den Flammen" als Klassiker im Genre des historischen Romans und als einer der wenigen ernstzunehmenden Titel, die sich mit der Geschichte der Templer befassen.
Der Roman spielt zu Zeiten des letzten Kapetinger-Königs Philipp IV., genannt der Schöne". Weil er dem Templerorden seinen unermesslichen Reichtum neidet und die Kontrolle der Kirche über die staatlichen Angelegenheiten ablehnt, lässt er kurzerhand alle Templer zu Ketzern erklären. In ganz Frankreich werden die Ordensbrüder zusammengetrieben und ihnen wird kurzerhand der Prozess gemacht. 1314 brennt schließlich mit Jacques de Molay, der letzte Großmeister der Templer, auf dem Scheiterhaufen. Von dort aus verflucht er Papst, König und dessen Großsiegelmeister. Ein Fluch, der schon nach allzu kurzer Zeit seine Wirkung zu zeigen beginnt.
Im Gegensatz zu vielen modernen historischen Romanen wie Gablés Das Lächeln der Fortuna" oder Folletts Die Säulen der Erde", liest sich Der Fluch aus den Flammen" weniger wie eine Erzählung, sondern vielmehr wie ein zeitgenössisches Dokument, so genau hat Druon die geschichtlichen Begebenheiten recherchiert und fiktive, mit historischen Persönlichkeiten verknüpft. Diese Detailverliebtheit ist es allerdings auch, die den Zugang zur eigentlichen Story erschwert und insbesondere dem Gelegenheits-Leser die Lektüre zu verleiden droht. Fast jedes noch so kleine geschichtliche Ereignis der Jahre 1314/15 wird geschildert, weshalb bisweilen das Buch doch sehr langatmig daherkommt. Dafür überzeugen die toll ausgearbeiteten Figuren sowie das Mittelalter-Flair, das sich, dank Druons bildreicher Sprache, bereits nach wenigen Seiten eingestellt hat.
Insgesamt ist Der Fluch aus den Flammen" ein guter, wenngleich auch nicht überragender historischer Roman, an dem besonders Geschichtsinteressierte ihre Freude haben werden und dessen Ende durchaus Lust auf die Fortsetzung macht.

