Leser-Rezension zu „Der Krapfen auf dem Sims” von Max Goldt
am 2.02.2009
Wissenswertes über Bücher mit Krapfen im Titel
Titanic hab ich früher mal gelesen, allerdings sehr sporadisch. Daher sind mir Goldts Kolumnen damals entgangen und ich kann die Lektüre knapp 10 Jahre später nachholen.
Goldt soll mit bürgerlichem Namen Ernst heißen. Sehr zu unrecht. Kein Wunder also dass er unter Pseudonym arbeitet, denn es ist durchaus spaßig zu lesen wie er von Hölzchen auf Stöckchen kommt und scheinbar wilde Assoziationsketten aufbaut.
Einigen Betrachtungen merkt man ihr Alter an, z. B. wenn es um Faxgeräte (eine Art Fernkopierer, in manchen Sekretariaten verstauben noch welche) geht oder Schröder noch Kanzler ist. Selbst diese Abschnitte sind vergnüglich und man kann die Prognosen des Autors auf ihre Relevanz überprüfen.
Er schlägt zum Beispiel 'Internet gucken' statt surfen vor: Web 2.0 war damals noch in weiter Ferne, und Autoren wie Goldt konnten sich vor Amateurrezensionen ihrer Werke sicher sein.
In denen Sätze stehen wie:
Der Abstand zwischen nach Modernität strebendem Zynismus und satirischer Ironie ist klein. Für mich liegt der Autor fast immer auf der (goldt-)richtigen Seite.
Die Tagebuch-Auszüge - von 1998 bis 2000 im Jetzt-Magazin der Süddeutschen veröffentlicht - zeigen dass er auch mal über mehr als zwei Absätze bei einem Thema bleiben kann.
"Wissenswertes über Erlangen" - ein ungewöhnlicher Sprechgesang der 80er mit einer abklingenden Neuen Deutschen Welle im Hintergrund machte ihn erstmals bekannt.
Fazit:
Wie konnte ich diesen Autor mit seinem feinen Humor so lange unbeachtet lassen?
Eine späte Entdeckung die mir sicher noch viel Freude bereiten wird.

