Schon vor einer ganzen Weile hatte ich eine interessante Rezension über einen Thriller des französischen Autors Maxime Chattam gelesen. Das Buch stand seit dem auf meiner Merkliste bei buecher.de. Auch sein Debütroman „Das Pentagramm“ landete später, nach dem positiven Urteil der gleichen Rezensentin, dort. Doch erst mein Leseerlebnis mit ALTERRA – ein Ausflug Chattams in den Fantasy-Bereich, bewegte mich dazu, Das Pentagramm allen noch länger auf der Liste wartenden Büchern vorzuziehen. Da ich wieder genügend webmiles gespart hatte, um einen buecher.de Gutschein ordern zu können, begab ich mich nach dessen Eintreffen zu meinem Lieblingsbücherdealer.
Jetzt halte ich es schon wieder ausgelesen in meinen Händen
Detective Joshua Brolin ist seit einiger Zeit bei der Mordkommison in Portland (Oregon) beschäftigt. Er zog diesen Job der Wartebank beim FBI vor. Beim FBI absolvierte er allerdings zahlreiche Ausbildungen, die ihn, neben seinem Talent, zum Profiler qualifizieren. Nun treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Brolin wird die Leitung des Falles, dem schon drei junge Frauen zum Opfer fielen, übertragen. Brolin ist davon überzeugt, es mit einem Ritualmörder zu tun zu haben, denn jede der Frauen hat neben diversen Verstümmelungen ein mit Säure eingebranntes Mal auf der Stirn.
Durch das Profiling und die gute Arbeit aller an der Untersuchung beteiligten Mitarbeiter, findet Brolin relativ schnell den Unterschlupf des Mörders und kann im letzten Moment Tod und Verstümmelung der Psychologiestudentin Juliette Lafayette verhindern. Er bringt den Schlächter von Portland mit einem Kopfschuss zur Strecke. Polizei und Bevölkerung atmen auf.
Ein Jahr später. Juliette Lafayette hat ihr Trauma fast überwunden und will die Freundschaft, die sie in den Wochen nach ihrem Erlebnis mit Joshua Brolin verband, wieder aufleben lassen. Sie verstehen sich ziemlich gut, doch beide schrecken irgendwie vor zu großer Nähe zurück. Dann wird Detective Brolin von seinem Fall abgezogen, um einen Mord aufzuklären, der unheimliche Ähnlichkeiten mit den Morden des Schlächters aufweist. Hätte Brolin Leland Beaumont nicht selbst erschossen, würde er ihn wohl sofort für den Täter halten. Einige hier wieder auftauchende Details wurden von den Ermittlern nämlich auch nach dem Ende der Mordserie nicht veröffentlicht.
Mit dem Eintreffen anonymer Briefe, sowohl bei der Polizei, als auch bei Juliette, die mit dem Blut des neuen Opfers befleckt sind, wird die These von Ritualmorden erneut aufgegriffen. Die in den Briefen niedergeschriebenen Verse stammen aus Dantes „Göttlicher Komödie“. Das ist erschreckend, besteht doch Dantes „Hölle“ aus neun Kreisen, jeder mit einem Opfer verbunden. Werden die Ermittler den Täter fassen, bevor er erneut zuschlagen kann? Ist unter Umständen auch Juliette in Gefahr?
Wer das jetzt wissen möchte, muss sich das Buch schon selbst zur Hand nehmen ;o)
Ich selbst möchte euch nur so viel verraten, dass ich dieses Buch am liebsten nicht mehr aus der Hand gelegt hätte, es leider aber hin und wieder musste, weil solche Sachen wie Arbeit, Haushalt etc. meinen Lesefluss störten. Die Geschichte fesselte mich von Anfang an. Das Ende des Prologs, jagte mir schon mal eiskalte Schauer über den Rücken. Doch mit dessen Bedeutung für die Handlung lag ich, aufgrund einer vom Autor sicher gewollten Ähnlichkeit des Namens, gedanklich lange Zeit vollkommen falsch.
Der brillant durchdachte und logisch aufgebaute Plot nahm mich dann schnell gefangen. Mit einer überschaubaren Anzahl treffend charakterisierter Hauptfiguren und gekonnten Szenenwechseln hält der Autor die Spannung durchgehend konstant. Ausdruck und Wortwahl zeugen nicht nur von guter Allgemeinbildung und ausgiebigen Recherchen für das Buch, sondern auch von Sprachgewandtheit. Der Showdown übertraf dann meine kühnsten Erwartungen. Die Lösung war einfach und dennoch im Vorfeld nicht greifbar.
Nun denkt man, als langjähriger Konsument von Thrillern, dass auf den Seiten nach dem Höhepunkt die Geschichte mit ein paar kleinen noch ergänzenden Details ruhig ausklingt. Erst scheint dies auch so, bis zum Epilog. Dort setzt der Autor mit einem Ende, welches den Leser noch einmal in den Bann der grausigen Verbrechen zieht aber auch Chattam alle Möglichkeiten für einen eventuellen Fortsetzungsroman - oder auch nicht - offen lässt, noch einen drauf.
Ein Franzose schrieb einen amerikanischen Thriller
Maxime Chattam wurde 1976 in Montigny-lès-Cormeilles geboren. Bereits als Kind las er sehr gern und viel. Dann studierte er in Paris Literaturwissenschaft und beschäftigte er sich eine Zeit lang intensiv mit dem Theater. Doch seine Leidenschaft für Bücher ließ ihn nicht los und er recherchierte für seinen ersten Roman. Das führte ihn nach Amerika. Er absolvierte ein einjähriges Training in Kriminologie und eignete sich dabei auch Kenntnisse in Gerichtsmedizin und forensischer Psychologie an. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen und gleichzeitig den geliebten Büchern nah zu bleiben, arbeitete der dann als Buchhändler und schrieb nebenbei seinen ersten Roman „Das Pentagramm“. Sein Debüt schlug ein und wurde in Frankreich, er lebt mittlerweile in Poissy, sofort ein Erfolg.
Zu Recht kann ich da nur abschließend sagen. Ich bin sehr froh, dass seine Werke mittlerweile in viele Sprachen – also auch ins Deutsche – übersetzt werden. Nach und nach werde ich mir jetzt auch seine anderen Werke des Thriller-Genres besorgen. Für „Das Pentagram“ gibt es von mir die Höchstbewertung und eine klare Leseempfehlung!