Spinnengift und Spinnenseide
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Nach einem Vorableseexemplar und einem Ausflug in den Fantasybereich, widmete ich mich kürzlich wieder einem der Werke meines momentanen Lieblingsautoren im Thrillergenre. Diesmal handelt es sich übrigens um das Buch, mit welchem mir durch eine Rezension erstmals "Appetit" auf den Autor gemacht wurde und welches daher schon am längsten auf meiner Merkliste stand.
Als ich "ALTERRA", den Ausflug des Autors in die Jugendfantasy, dessen anschaulich schöner Schreibstil mich regelrecht begeisterte, gelesen hatte, war das Lesen seiner Thriller für mich ein vorgezogenes Muss geworden. Da ich aber sowohl durch die bereits gelesene Rezension, als auch durch weitere Erkundungen im Netz informiert war, hielt ich die Reihenfolge ein und las aus seiner Joschua Brolin Trilogie zuerst "Das Pentagramm" und dann "In Blut geschrieben". Thriller die sich zwar problemlos auch als eigenständige Werke lesen lassen, bei denen es in den Nachfolgern aber trotzdem immer kurze Bezüge gibt.
Nun war ich natürlich mehr als gespannt, ob mich Maxime Chattam auch mit dem letzten Teil "Der Kuss der Schwarzen Witwe" weiter fesseln kann.
Spinnen - überall
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Der Bruder des Polizisten Larry Salhindro ist unter merkwürdigen Umständen gestorben. Sein Gesicht drückt noch im Tod panische Angst und grauenvolles Entsetzen aus. Die Obduktion ergibt eine Bisswunde im Nacken und ungewöhnlich hohe Mengen an Spinnengift. Larry, der früher mit dem Privatdetektiv und begabten Profiler Joshua Brolin zusammen arbeitete und immer noch gut mit ihm befreundet ist, bittet diesen um Hilfe bei der Aufklärung der so ungewöhnlichen Todesumstände seines Bruders.
Vor einiger Zeit ermittelte Joshua gemeinsam mit Annabell O'Donel an einer grauenvollen Mordserie in New York. Dabei wurden die beiden eigenwilligen Persönlichkeiten zu guten Freunden. Als Joshua einen kurzfristig geplanten Besuch bei Annabell wegen den Ermittlungen im Fall von Larrys Brüder wieder absagte, reist diese kurzerhand nach Portland.
Wenig später jagen sie gemeinsam mit der Polizei einen überaus perfiden Serienmörder, der regelrechte Horrorszenarien zur Schau stellt...
Ja, so muss ein Thriller sein
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Wahnsinn. Hat es Maxime Chattam doch wieder geschafft, mich von der ersten bis zur letzten Seiten in Atem zu halten. Erneut hat er mir (und natürlich allen anderen interessierten Lesern) eine gut durchdachte, glaubhafte Story hingeschrieben. Wieder begeisterten mich sein bildhafter, manchmal fast poetischer, doch nie überladener Schreibstil und seine akribisch geführten Recherchen, die mir nebenbei noch so manche wissenschaftliche Erklärung zum Thema Spinnen lieferten, ohne mich jedoch auch nur einmal zu langweilen.
Da ich die ersten beiden Teile der Trilogie schon gelesen hatte, war das Vorstellen der Hauptpersonen auf den ersten Seiten für mich wie ein Wiedersehen, unter mehr oder weniger erfreulichen Umständen. Schon hier hat der Autor, meiner Meinung nach, eine kleine Meisterleistung vollbracht. Er stellte die (mir bereits bekannten) Charaktere so vor, dass bei mir keinerlei lange Weile aufkam, sich aber auch ein Leser, der vielleicht versehentlich mit diesem Teil beginnt, nicht ausgeschlossen fühlen muss, sie kennenlernt und sich dann genauso gut in sie hineinversetzen kann, wenn er sie an die verschiedenen Schauplätze des Geschehens begleitet.
Dabei legt Chattam wieder viele plausible Spuren aus und führt einige Verdächtige mit ins Feld. Obwohl ich diesmal den "Täter" recht zeitig selbst einmal verdächtigte, gelang es dem Autoren trotzdem wieder mich zu verwirren und auf den falschen Pfad zu führen, bis er ihn mir dann auf dem Silbertablett servierte. Ein Thriller ganz nach meinem Geschmack, obwohl ich die Spinnen, die immer allgegenwärtig sind, eigentlich gar nicht mag. Dahingehend bin ich doch recht froh, dass sich von den Achtbeinern während des Lesens keine zeigte, sonst hätte es womöglich bei mir doch zu schlechten Träumen kommen können ;o)
Er bleibt vorerst mein Lieblingsautor
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Maxime Chattam, der 1976 in Montigny-lès-Cormeilles geboren wurde, lebt mittlerweile in Poissy. Schon als Kind liebte er Bücher und las sehr gern und viel. Später studierte er in Paris Literaturwissenschaft und beschäftigte er sich eine Zeit lang intensiv mit dem Theater. Doch seine Leidenschaft für Bücher ließ ihn nicht los und er recherchierte für seinen ersten Roman. Dazu ging er nach Amerika und absolvierte dort ein einjähriges Training in Kriminologie und eignete sich dabei auch Kenntnisse in Gerichtsmedizin und forensischer Psychologie an. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen und gleichzeitig den geliebten Büchern nah zu bleiben, arbeitete während des Schreibens seines Debütromans "Das Pentagramm" als Buchhändler. "Das Pentagramm" wurde in Frankreich sofort ein Erfolg.
Mittlerweile werden seine Bücher in viele Sprachen - also auch ins Deutsche - übersetzt. Alle übrigens vom gleichen Übersetzerteam, dem ich hier auch mal meinen Dank aussprechen möchte.
Was es sonst noch zu sagen gibt
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Ich glaube, Ihr ahnt es schon. "Der Kuss der Schwarzen Witwe" stand für mich persönlich seinen Vorgängern in nichts nach und bekommt von mir natürlich wieder die Höchstbewertung und eine klare Leseempfehlung.
Auch wenn die Joschua Brolin Reihe für Maxime Chattam jetzt abgeschlossen ist, hat er mich in seinem Postskriptum am Ende des Buches neugierig auf seine weiteren Werke gemacht. Dort versprach er übrigens Aufklärung über eine in der Trilogie offen gebliebene Frage:
"... Sie werden es eines Tages erfahren. Die Welt ist klein, und das, was früher im Vordergrund gestanden hat, kann in einer anderen Geschichte zu einer Nebenrolle werden, und umgekehrt; auch das ist das Leben und das Schreiben - eine Änderung der Perspektive. Aber, pst! Bis Bald."
Gestern Abend habe ich von Chattam "Das Kairo-Labyrinth" begonnen. "Die Teufelsformel" und "Die Bestie" stehen auch noch zum Verschlingen bereit.
Goldmann Verlag 2007
Übersetzung Bettina Runge und Eliane Hagedorn
ISBN 978-3-442-46048-9
535 Seiten
Als Taschenbuch für 12,00 Euro im deutschen Buchhandel erhältlich.
Fazit: Absolut lesenswert!