(Rezension von Feder)
In Kates Leben läuft nicht alles so, wie sie es sich wünschen würde. Ihr Job in der Personalabteilung des New York Journal ist dank ihrer tyrannischen Chefin Amy Jenkins die absolute Hölle. Und auch privat läuft es alles andere als rosig, da ihr (mittlerweile) Ex-Freund es nach zehn Jahren immer noch nicht über sich bringt, ihr das Ja-Wort zu geben. Ein Umstand, der sie dazu veranlasst, die gemeinsame Wohnung zu verlassen, um auf der Couch ihrer Arbeitskollegin und besten Freundin Jen Sadler zu nächtigen. Doch anders als gehofft, soll das erst der Anfang einer Reihe wirklich schlimmer Begebenheiten sein, die das Leben der jungen Personalreferendarin gehörig durcheinander bringen. Alles beginnt damit, dass Amy Jenkins alias die SBT (Schreckliche Büro-Tyrannin) Kate dazu zwingt, die überaus beliebte Dessertspezialistin der Cafeteria Ida Lopez vor die Tür zu setzen, da diese sich weigerte, dem Firmenanwalt und Verlobten der SBT ein Stück von ihrem Kuchen abzugeben. Was folgt ist eine unschöne Klage von Ida. Eine Klage, die Mitchell Hertzog auf den Plan ruft: Anwalt und Schwager in Spe der SBT. Und obwohl sich Kate geschworen hat, sich nie mit einem Anwalt einzulassen, kann sie nicht leugnen, wie sehr sie sich zu dem dunkelhaarigen Mitchell hingezogen fühlt ...
Zugegebenermaßen war ich etwas überrascht, als ich das Buch zum ersten Mal aufgeschlagen habe. Meine erste Reaktion war Verwunderung ob der eigentümlichen Darstellungsform, welche die Autorin für „Der will doch nur spielen“ verwendet hat, denn statt in Kapiteln und Absätzen wird die Geschichte von Kate MacKenzie in E-Mails, Messenger-Ausschnitten, Verwarnprotokollen, Kritzeleien auf Speisekarten und Tagebucheinträgen erzählt.
Meine Verwunderung wurde aber ziemlich schnell von Neugierde abgelöst, da diese etwas unkonventionelle Art der Darstellung durchaus ihre Reize mit sich bringt.
Ich war wirklich angenehm überrascht, wie problemlos ich als Leser der Geschichte folgen konnte, obwohl sie nicht als wirklich zusammenhängender Text vor mir lag. Es war fast so, als müsse man sich als Leser ein reales Geschehen aus Beweismitteln erschließen und auswerten, was gegeben wurde. Dadurch wird der Leser zum Mitdenken angeregt. Es wurden mir durch den E-Mail-Verkehr der einzelnen Figuren Einblicke in deren Charakter gewährt, die mich manchmal lachen, manchmal wütend schnauben oder auch einfach nur ungläubig den Kopf schütteln ließen.
Mir kam es so vor, dass durch die Darstellungsform das Ganze etwas Persönliches bekam, das es dem Leser viel leichter machte, manche Figuren zu hassen und manche einfach zu lieben, da der Charakter der Protagonisten und der Nebenfiguren perfekt in Szene gesetzt wurde.
Da haben wir zum einen Kate, die Protagonistin, von der nicht nur E-Mails, sondern auch Tagebucheinträge über das Geschehen berichten. Und genau diese Tagebucheinträge bringen die nötigen Hintergrundinfos, die das Geschehen rund machen und der Geschichte zusätzlich emotionale Tiefe verleihen. Denn obgleich die E-Mails und Messenger-Ausschnitte viel über das Wesen der Personen verraten, so bleiben doch hier die Randbegebenheiten etwas außen vor.
Am gelungensten finde ich aber nicht Kate, sondern ihre Gegenspielerin Amy, das Musterbeispiel einer hinterhältigen Schlange. Getrieben von der Sorge wie sie auf andere wirkt und was andere von ihr halten, nutzt sie die Macht, die ihr ihre Position gibt, schamlos aus. Erst in der E-Mail-Korrespondenz mit ihren „Freundinnen“ zeigt sie ihr wahres Gesicht, ein Gesicht, für das sie einfach gehasst werden muss.
Doch auch die beiden Hertzog-Brüder sorgen mit ihrer gegensätzlichen Art für Glanzmomente. Während Stuart nach außen wie ein selbstgefälliger Wichtigtuer wirkt, wird durch seinen Mailverkehr klar, dass er auch als erwachsener Mann noch ein verweichlichter Muttersohn ist, der – sollte er seinen Willen nicht durchsetzen – entweder zu Mami rennt oder auf Erpressung setzt.
Das genaue Gegenteil ist sein Bruder Mitchell. Ihn schert seine Reputation wenig und auch nicht das Geld, das er als Staranwalt verdienen könnte. Am glücklichsten war er, als er als Pflichtverteidiger Dealern und Prostituierten zur Seite stehen konnte. Er ist ein Lebemann, der die Welt bereist hat. Er steht mit beiden Beinen fest auf der Erde und hat keine Probleme damit, das „schwarze Schaf“ der Familie zu sein. Seine Wertvorstellungen und sein manchmal ziemlich loses Mundwerk machen ihn einfach – ganz im Gegensatz zu seinem Bruder – zu einem einnehmenden Charakter, der sich leicht in die Herzen der Leser zu stehlen vermag.
Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse allerdings meiner Meinung nach etwas zu sehr und ich musste leider ein paar Mal zurückblättern, um noch einmal aufmerksamer nachzulesen, was eigentlich passiert ist, um dem Geschehen wieder folgen zu können. Aber die kleinen Seitenhiebe, die das ganze Buch durchziehen, haben dieses Manko doch ziemlich gut auszugleichen vermocht.
Alles in allem hat „Der will doch nur Spielen“ sicher hier und da eine kleine Schwäche, die aufgrund der unkonventionellen Aufmachung aber nicht allzu sehr ins Gewicht fallen. Und nachdem ich mich als Leser erst einmal an die Darstellungsform gewöhnt hatte, bot die Geschichte einen kurzweiligen und ungemein sympathischen Lesespass, der ältere Mädchen und junge Frauen sicher an so manchem Sommerabend unterhalten kann.