Leser-Rezension zu „Wunschgeflüster” von Melina Gerosa Bellows
am 1.01.2012
Immer wenn ihre Mutter mit den beiden Geschwistern Bella und Bobby auf dem Rücksitz über den Bahnübergang fuhr, nutzte Bella die Chance, sich etwas zu wünschen: glatte Haare, Freunde, den ersten Kuss … Doch egal, wie viele Wünsche sich erfüllten, die Leere in Bellas Herzen blieb. Denn egal, wie sehr sie sich anstrengte oder wie glücklich sie war, nie konnte sie ihrem autistischen Zwillingsbruder Bobby das Leben und Glück geben, das sie sich für ihn vorstellte. Erst nach und nach lernt Bella, mit Bobbys Krankheit umzugehen und ihn so zu akzeptieren, wie ers ist, bis sie eines Tages droht ihn zu verlieren.
Wunschgeflüster hatte ich geschenkt bekommen und es ziemlich lange im Regal stehen lassen, weil ich nicht sehr viel mit dem Text auf der Rückseite anfangen konnte. Doch wie sich herausgestellt hat, war das Buch nicht nur besser als erwartet, sondern sogar ziemlich gut!
Bella erzählt in einzelnen Episoden ihr Leben vom Kindesalter bis hin zu einer erfolgreichen Karrierefrau. Dabei begleitet sie immer ihr autistischer Bruder Bobby, den sie zeitweise am liebsten aus ihrem Leben haben möchte, die meiste Zeit jedoch krampfhaft versucht, ihn glücklich zu machen und die Beziehung zu ihm aufzubauen, die sie sich wünscht. Dabei flieht sie von einem Mann zum nächsten, was jedoch das Loch in ihrem Herzen auch nicht füllen kann. Es braucht den Großteil ihres Lebens, bis sie akzeptieren kann, mit der Krankheit ihren Bruders richtig umzugehen.
Ich fand es unglaublich spannend und unterhaltsam, Bella durch ihr Leben zu verfolgen und dabei zuzusehen, wie sie selbst nicht glücklich werden kann, weil sie sich dabei selbst im Weg steht. Auch wenn es ein wenig nach einem Selbsthilferatgeber klingt, handelt es sich bei Wunschgeflüster um einen wunderbar zu lesenden, einfühlsamen Roman, der alles andere als schnulzig, sondern eher wie direkt aus dem Leben gegriffen ist.
Leider ist das Ende ein wenig abrupt geraten, doch ansonsten ein rundum gelungenes Buch!

