Umgeben vom Gormenberg und Krüppelwald liegt das Schloss Gormenghast, mit seinen dunklen Gängen, vermoderten Balken und teilweise schon lange vergessenen Burgflügeln. Skurrile Zeremonien stehen an der Tagesordnung und bestimmen das Dasein der Schlossbewohner.
Dies ist die Welt, in die der junge Titus hineingeboren wird, das zweite Kind des Grafen Groan und einziger Erbe von Gormenghast. Doch werden diesem Jungen weder von Seiten der Mutter noch der des Vaters Gefühle der Zuneigung entgegengebracht, und auch für seine Schwester Fuchsia ist er nichts weiter als ein kleines Übel, das sämtliche Aufmerksamkeit auf sich lenkt.
Unter diesen Umständen verbringt Titus seine ersten beiden Jahre in Gormenghast, nichts ahnend, dass zur gleichen Zeit ein Küchenjunge namens Steerpike vom Ehrgeiz getrieben immer mehr Macht über die Grafenfamilie und ihr Schloss gewinnt.
Von nun an sollen Verrat, Intrigen und sogar Mord den Alltag der Burgbewohner durchdringen, wobei jedoch auch der Duft nach Veränderung in der Luft liegt, als der junge Titus viel zu früh sein Erbe antreten muss …
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Mervyn Peakes „Gormenghast“ ist der Klassiker und Vorreiter unter den Fantasyromanen und ich dachte mir, dass ich als Fan dieses Genres dieses Buch unbedingt gelesen haben sollte.
Nun, wie sich herausstellte war das Lesen dieses Romanes letztendlich ein sehr schwieriger und vor allem langwidriger Prozess, da Hypotaxen, Metaphern und ausführliche Beschreibungen der Umgebung und Atmosphäre zu den beliebtesten Stilmitteln des Autors zu gehören scheinen.
Dies dürfte angesichts des Tatsache, dass diese Buch 1946 erschienen ist, nicht verwundern, doch Lesern, die eher kurzweilige und leichte Lektüren vorziehen, würde ich von vornherein von diesem Roman abraten. Im Weitesten Sinne ist Peakes Schreibstil nämlich mit dem von Heinrich von Kleist in „Michael Kohlhaas“ vergleichbar, welchen vor allem die Schüler aus der Oberstufe kennen dürften.
Für einige wird „Gormenghast“ somit unerträglich sein, weil man doch lange an dem Buch zu knabbern hat und sich der Text manchmal wie eine zähflüssige Masse hinzieht, andere werden genau hierin eine Herausforderung sehen.
Ich für meinen Teil bin eher zwiegespalten und würde mich als Grenzposten meiner Unterscheidung sehen, denn auch wenn ich ein Befürworter bildreicher Umschreibungen bin – die Handlung benötigt einiges an Zeit, um richtig in Schwung zu kommen, da Peake sehr lange damit zugebracht hat, die vorkommenden Personen und auch das Schloss in ausführlichen Beschreibungen darzustellen. Zu lange, möchte ich fast sagen, weil ich dadurch ernsthafte Schwierigkeiten bekommen habe und das Buch mehr als nur einmal fast abgebrochen hätte.
Allein der Umstand, dass ich noch niemals ein Buch ungelesen im Regal stehen gelassen habe und dieses hier zudem noch rezensieren musste, hielt mich davon ab.
Es ist zu sagen, dass dieses Buch hauptsächlich von den Personen lebt, die zumeist ein skurriles, verrücktes oder einfach schrulliges Auftreten an den Tag legen, doch entziehen sie dem Leser durch das wenig greifbare Wesen dieser auch die Chance, sich mit einem der Charaktere zu identifizieren, ebenso wie einem das Aufbringen für Sympathie schwer fällt.
Umso erstaunlicher war es für mich festzustellen, dass ich den höchst intelligenten, aber auch intriganten, manipulativen und in Bezug auf Menschenleben leichtfertigen Steerpike am liebsten mochte, denn er war der einzige, der mein Interesse aufrechthalten konnte.
Die Verfolgung der Entwicklung mancher Personen wird es durchaus wert sein, den zweiten Band dieser Reihe zu lesen, aber wenn in „Im Schloss“ nicht mehr Spannung oder Handlung aufkommt, was für mich neben sprachlicher Finesse und einprägsamen Charakteren einfach essenziell für einen Roman ist, dann muss ich mir noch einmal schwer überlegen, ob ich noch weitere Werke aus Peakes Feder haben möchte.
Mein Fazit:
Über 600 Seiten geballte Sprachexplosion und abgedrehte Charaktere, aber leider eine mehr unterschwellige Handlung. „Gormenghast“ ist Kiesel- und Edelstein in einem. Was es letztendlich wirklich für einen ist, muss jeder Leser selbst herausfinden – ich würde diesen Roman in einem Grenzbereich zwischen den beiden Gegensätzen ansiedeln.