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Vor 2 Jahren
(11)Familienleben im New Yorker Künstlermilieu.
Peter und Rebecca, zwei Mittvierziger, leben ein gut etabliertes Leben in Soho/ Manhattan. Sie sind Kunsthändler und Galeristen und schon zwanzig Jahre verheiratet. In ihr Leben schleichen sich Gewohnheiten ein, die nach langen Ehejahren zeitgemäß sind. So ist jeder zuweilen lieber alleine in dem luxuriösen Loft, und der Sex ist gelegentlich eher eine Zwangsübung als ein Vergnügen. Ihre Tochter Bea geht schon lange ihrer Wege, und ihr großer Freundeskreis ist ihnen Familienersatz geworden. Eines Tages taucht Ethan auf, Rebeccas zwanzig Jahre jüngerer Bruder. Er war ein später Nachkömmling in dem Dreimädelhaus ihrer Familie, weshalb man ihn auch „Missy“ als Ausdruck für ein Missgeschick nannte.
Ethan sieht Rebecca zum Verwechseln ähnlich. Peter erinnert sich bei seinem Anblick an die frühere Schönheit seiner Frau. Doch Missy ist drogenabhängig, schwul und bis heute ein unruhiger Geist, als er in den gewohnten Lebensalltag der beiden einbricht. Er kennt keine Lebensregeln und keine Konventionen, und beruflich weiß er überhaupt nicht, was er einmal tun will.
Michael Cunningham entwickelt mit der Figur von Ethan eine ungewöhnliche Konfliktspirale: Peter gerät aus dem seelischen Gleichgewicht, als ihm bewusst wird, dass er sich sexuell zu Ethan hingezogen fühlt. Eine kleine Geste, Berührungen und Anblicke des wunderschönen Jungen lassen ihn an seinem ganzen bisherigen Leben zweifeln. Zwischen Kunstbetrachtungen, Gesprächen mit Freunden und der Gegenwart von „Missy“ entwickelt sich ein Szenario, das einmal einen ganz anderen Eindruck von einer
„Midlifecrisis“ vermittelt. Hier geht es wirklich um die Grundfragen der eigenen Identität.
Verwickelt und gerissen scheint Ethan alles auf eine Karte zu setzen, um von seiner Schwester weitere Unterstützung für sein unstetes Leben zu erwirken.
Rebecca und Peter müssen an ihrer langjährigen Gemeinsamkeit zweifeln, denn auch für Rebecca haben sich Träume als Schäume erwiesen. Ihr Bruder galt ihr viel und bot ihr Ersatz für eine Tochter, die sich längst von den Eltern abgewandt hat.
Mit diesem Roman erfährt man einmal mehr, in welche Sinnkrisen Menschen stürzen können, und wie Selbstzweifel das Leben zersetzen können. Wenn alle Abwehrmechanismen versagen, gerät der Mensch „außer sich“.
Gekonnt und schlüssig setzt Michael Cunningham seine Geschichte zusammen und bietet Einblicke in das New Yorker Künstlermilieu.
Seine Charaktere sind ausdrucksstark und individuell angelegt. So ist eine faszinierende und sehr realistische Gesellschaftsstudie entstanden, der hohe Anerkennung gebührt.
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