Leser-Rezension zu „Durst” von Michael Kumpfmüller
am 8.03.2010
Ein heißer Sommer, eine junge Frau Anfang zwanzig, zwei kleine Kinder, eine Tragödie!
Michael Kumpfmüller versucht zwei mögliche Wochen im Leben einer jungen Frau und ihrer beiden kleinen Söhne auf literarische Art zu rekonstruieren, basierend auf einem tatsächlichen Fall, der sich vor einigen Jahren in Deutschland ereignete.
Das Buch ist verstörend in seiner Wirkung, auch furchtbar und grausam. M. Kumpfmüller beschreibt in kurzen, atemlosen Sätzen die Gedanken und inneren Befindlichkeiten einer nach Liebe und Geborgenheit suchenden Frau. Diese Frau möchte aus ihrem Leben und der Eintönigkeit ausbrechen; letztlich tut sie dies.
M. Kumpfmüller hat, wie ich finde sehr gut aufgezeigt, dass es nicht schierer Wahnsinn im Sinne von Geisteskrankheit ist, der Menschen dazu treibt, Ungeheuerliches zu tun.
Es kann "nur" Überforderung sein, Unzufriedenheit, seelische Leere, Hunger nach Liebe und Geborgenheit, Unfähigkeit, erwachsen und verantwortungsvoll zu leben.....
Tragödien können auch wie "nebenbei" geschehen - und genau das ist das, was beängstigend ist.
Die innere Zerrisenheit und Ambivalenz hat der Autor meiner Meinung nach gut und nachvollziehbar dargestellt.
Eine eigenartige und nicht einfache Lektüre, die mich noch lange beschäftigen wird und wieder die Frage: Wie kann es sein, dass so viele Menschen wegschauen!?

