Irma, die nach ihrer gescheiterten Beziehung ihr Studium hinschmiss, verdient sich seitdem ihr Geld als Putzfrau. Ja richtig, Putzfrau! Wider erwartet macht es ihr sogar Spass, denn so ganz nebenbei kann sie unbeachtet im Leben ihrer Kunden herum schnüffeln und stöbern und erarbeitet sich dank ihrer unglaublichen Neugier ein beachtliches Insider-Wissen über das Privatleben ihrer Auftraggeber.
Da gibts den schwule Bordellbesitzer, die hektische Journalistin und natürlich die Familie Schwarz. So kommt es, dass die gewiefte Putzfrau sich im Privatleben ihrer Kunden schon bald besser auskennt, als denen lieb ist, geschweige denn jemand ahnt, wie genau Irma über ihre Intimsphäre Bescheid weiss. Ausgerechnet bei der ambitionierten Politikerin Frau Doktor Schwarz, die sie gleichermassen hasst, wie auch bewundert, entdeckt sie ein skandalöses und schauriges Geheimnis. Sie kann es selbst kaum fassen, in einem Verschlag im Keller liegt ein halbtotes, keuchendes Etwas....
...Eine pflegebedürftige, sehr vernachlässigte alte Dame, die niemand anderer ist, als die ungeliebte, zur Last fallende Schwiegermutter von Frau Doktor Schwarz.
Kurzentschlossen entführt Irma die alte Dame, Nelly, und bringt sie bei sich in der Wohnung unter. Während sie Nelly aufpäppelt, arrangiert sie gleichzeitig einen grossen Rachefeldzug gegen die ach so anständigen, vorbildliche Fassaden der etablierten Gesellschaft und Bürgerlichkeit in Person der Frau Doktor Schwarz. Irma und Nellie planen akribisch genau das Strafgericht, das über Frau Schwarz und ihre unerträglich perfekte Familie hereinprasseln wird. Nichts wird übersehen, keine Gelegenheit bleibt ungenutzt.
Für diese geplanten Aktionen spannt sie, beispielhaft nahezu ihren gesamten Kundenskreis mit ein, von der alternativen Wohngemeinschaft, über das Journalisten-Ehepaar mit aufsässigem Adoptivsohn, hin zu dem schwulen Nachtklub-Besitzer und dessen Liebhaber...ein beachtliches menschliches Sammelsurium, über das Irma da verfügt. Und all diese Aktionen dienen in erster Linie dem Rachefeldzug an Frau Schwarz.
Und ganz nebenbei kommt auch Irmas Privatleben zusehends in Ordnung.
Das Buch hab ich vor Jahren, besser gesagt bei der Neuerscheinung gelesen. Nur schon der Titel "Putzfraueninsel" fand ich fasziniert. Ich war gespannt, ob der Inhalt meine Vorfreude bestätigen kann. Und was soll ich sagen, schon damals fand ich das Buch richtig toll, genauso wie Heute.
Ich mag Milena Mosers Schreibstil, die Art und Weise wie sie die Personen ins Szene setzt. Sie zeigt mit viel Humor, zum Teil rabenschwarz, dass auch die "sauberste" Familie Dreck am Stecken hat und spricht in ihrem Roman verschiedene modernere gesellschaftliche Probleme an, wie zum Beispiel Generations - und Altersunterschiede, den Stellenwert der älteren Menschen in der Familie sowie Homosexualität etc., alles formvollendet eingebettet in eine lebhafte Handlung. Die Zürcher Schriftstellerin hat mit der "Putzfraueninsel" eine Roman geschrieben der schön zum lesen ist und indirekt zum Nachdenken an die aufkommende Problematik der heutigen Zeit anregt.
Der Leser kommt auf seine Kosten: Ein gelungenes Werk. Gehobene Unterhaltungsliteratur der besten Sorte. Eben, wie geschaffen für kuschelige Stunden im Bett an einem verschneiten Wochenende.