Leser-Rezension zu „Nathan und seine Kinder” von Mirjam Pressler

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mabuerele mabuerele
Verfasst von mabuerele
am 1.09.2011
 

Der Jugendroman spielt in Jerusalem im Jahre 1192. Grundlage der Geschichte ist das Drama von Ephraim Lessing „Nathan der Weise“. Mirjam Pressler hat dieses Drama für Jugendliche aufbereitet. Doch sie hat es nicht nur nacherzählt, sondern mit einer Geschichte verbunden. Die Grundgedanken sind dabei erhalten geblieben. Der Kenner der Klassik wird an vielen Stellen „seinen Lessing“ wiederfinden. Deshalb werde ich mich hier mit einer Inhaltsangabe zurückhalten.
Mirjam Pressler lässt den Handlungsablauf von mehreren Personen erzählen.
Zum einen ist da der Junge Geschem, der in Nathans Haus aufgenommen wurde. Er gehörte zu den Ärmsten der Armen. Seine Herkunft bleibt im Dunkel der Geschichte. Der Roman aber zeigt, wie wenig manchmal dazu gehört, einen Menschen glücklich zu machen.
Zum zweiten ist es Daja, die als Erzieherin Rechas ins Haus kam. Sie stammt aus Deutschland. Daja hat Nathan viel zu verdanken, doch sie ist Christin…
Es erzählt Elijahu, Nathans Verwalter. Jeder hat seine eigene Sicht der Dinge, auch Al-Hafi, der das Leben mit einem Schachspiel vergleicht. Er ist ein Verwandter von Saladin.
Nur einer kommt nicht zu Wort: Nathan, den man den Weisen nennt.
Die Ringparabel, die Nathan dem Sultan erzählt, weicht nicht vom Original ab. Die Worte des Richters „…Ich lade euch wieder vor diesen Richterstuhl, in tausend Jahren…“ haben mich betroffen gemacht. Nathan und Saladin haben sich in der Geschichte vor etwa 1000 Jahren getroffen. Das Zusammenleben der Religionen ist seitdem nicht friedlicher geworden. Jerusalem wurde keine Stätte der Brüderlichkeit. Auch Nathans Traum hat sich nicht erfüllt…
Das Buch ist eigentlich ein historischer Roman. Ich als Leser erfahre von der Vergangenheit der handelnden Personen alles, was nötig ist. Die Charaktere der handelnden Personen ergeben sich zum Teil aus ihrer Vergangenheit. Die Grausamkeit der Kreuzzüge, die auf allen Seiten zu Mord und Gewalt führte, wird aufgezeigt. Der Person Saladins, dem eigentlichen Gegenspieler Nathans, wird der Roman gerecht. Er zeigt ihn in seiner Vielschichtigkeit.
Der Schreibstil ist dem Alter der Zielgruppe angemessen. Die Kapitel sind relativ kurz. Die bildhafte Sprache des Orients findet man an vielen Stellen wieder. Zitate aus Bibel und Koran sind an passender Stelle kursiv eingefügt.
Es ist ein Roman der Menschlichkeit. Das Buch stellt die Gemeinsamkeiten der Religionen in den Mittelpunkt, nicht die Unterschiede. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie gehen wir miteinander um? Das Buch setzt ein Zeichen gegen Hass und Intoleranz.
In der Person des Nathans wird der Begriff „Vergebungsbereitschaft“ erlebbar. Und er hat – im Buch – Spuren hinterlassen, nicht zuletzt bei seiner Tochter Recha…
Darf man klassische Dramen als Roman wiedergeben und verändern? Ich war skeptisch. Das Buch hat mich eines Besseren belehrt. Es schenkt die Möglichkeit, Kinder durch Literatur an die Begriffe Toleranz und Mitmenschlichkeit heranzuführen. Ich würde mir wünschen, dass dieses Buch Schullektüre wäre. Vielleicht greift mancher der jungen Leser danach freiwillig zu Ephraim Lessing…

 

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Nathan und seine Kinder Nathan und seine Kinder
Mirjam Pressler

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Nathan und seine Kinder
von Mirjam Pressler

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